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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-04-27 · Heft 17 (27.4.1845) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 17 (27.4.1845)
Date
1845-04-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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133 Geschichte des Tages. deform im Iudenthum. (Berlin im April.) Endlich ist das erste Lebenszeichen aus der Brust der hiesigen Gemeinde ertönt. — Die deutsche Zudenheit wird es hoffentlich mit einem freudigen Widerhall begrüßen. Man war seit Jahren gewohnt das religiöse Interesse der Berliner Gemeinde für erstorben zu halten, man glaubte, daß die ftüssige Regsamkeit des reformatorischen Bewußticins, welches überall gahrcnd und schäumend die schlaffen Elemente untereinander rüttelte, sich hier bereits in dem feinen Aether der Societät verflüchtigt batte, daß der Geist und die Begeisterung zerstoben und nur eine starre Masse übrig geblieben wäre; inan sab in einigen neuern Ereignissen gewissermaßen schon die Vorbereitungen für die feierliche Bestattung jenes zu seinen Vätern versammelten religiösen Bewußtseins. Aber man irrte sich; es war nicht Tod, es war Scheintod. Die vielbesprochenen Vorlesungen des Dr. Stern waren die galvanischen Experimente die an dem Leichnam vorgenommcn wurden; — und siehe da, cs ist Leben, Bewegung, Sprache in chm; er erhebt sich, und die höhnenden Worte der Leichenrede die ihm noch in reu Ohren summen, mahnen ihn, doch wieder einmal zu zeigen daß er lebe , und daß die Zeit noch»nicht gekommen lei. wo die gcisteshagerc, arbeitsträge Starrgläubigreit das theure Erbe der fort und fort sich verjüngenden und sich neu erzeugenden Religion, wie ein todtes moderndes Kapital antrcte. Za cs ist Leben und Bewegung in die Adern des hiesigen Gemeindekörpers gekommen, uns aus dem erschlossenen Herzen weht der Athem der Auferstehung den vorschreitenden kämpfenden Brüdern entgegen. Der beifolgende Ausruf *) ist, von den Unterzeichneten würdigen und angesehenen Gcmeiudemitgliedern berathcn und enrwor- 'fen, so eben an alle deutschen Glaubensbrüder erlassen, und erfreut sich hier bereits einer zahlreichen Menge von Unterschriften. Zu der gegenwärtigen Fassung res Manifestes kam inan nicht ohne mancherlei Debatten. Man sieht das Bestreben darin, durch gewisse Positionen und Garantien jenem Mißtrauen zu begegnen, welches der Frankfurter Reformverein unschuldiger Weift erregt bat. Wenn dieses Berliner Manifest in seinen Negationen auch völlig mit dem Frankfurter Programm übercinstinnut, indem hier wie dort der irdische Messias und d.e Verbindlichkeit derrabbinischen Gesetzes geläugnct wird, so bat erster.'s roch zunächst ein anderes praktische Ziel vor, Angen. Die Frankfurter Erklärung war eine blose Erpectoration des religiösen Bewußtseins, das aus seinem Zwiespalt hinanskommcn wollte, dadurch, catch es ihn aufdeckte; es glaubte sich damit begnügen zu können, wenn die Sub. jectivität sich Lust machte durch eine heilsame kritische Ausscheidung stockiger Elemente; dadurch war aber nur dem Individuum geholfen , nicht der Gcsammthcil. Der Einzelne der sich von dem unsittlichen Dualismus zwischen Leben und Lehre befreit hatte, war vor sich gerechtfertigt aber nicht vor der Allgemeinheit; so kam immer als Facit eine Menge freier Einheiten heraus, aber keine einbcitliche freie Gemeinde; man hatte, mit einem Worte, erst ein Schiboleth, aber noch keme positive Form rer Vereinbarung. Eine solche Form scheint das Berliner Manifest durch Be Berufung einer Synode festst ellen zu wollen; die Ounu ' -st und diejenigen Tl eologen. rie einer Reftrm si.b am bl. n wollen, sollen über das Princio sich verein'e-aren und die Grannen für denen Anwendbarkeit aus stecken. D..c Berliner Mamsest wm auch, wie es sagt, kein Schisma; darüber darf man sich aber eben so wenig täuftben, als :nan sich davor zu ängstigen braucht. Das Schisma ist nun eitunal unvermeidlich, und in dieser norm am ungefäbrlechsten. Ans Breslau, wo eine ähnliche Nesormoewegung aus dem Schoo'e der Gemeinde hervsrgcgangen ist, erging von ren Männern, die an rer Spitze derselben stehen die Mittheilung davon hieher mir rem Wunsche sich den hiesigen Bestrebungen anzuschließen. Tech schein: man dorr statt von einer Sonore. von der bevorsteoei'.e rn Rabbiner-Versammlung eine Förderung zu erwarten. Diese Wege;um Ziele lassen sich leicht vereinbaren; die Rabbiner- Versammlung , getragen von den Wünschen und Forderungen der Gemeinten, die ibre Vertreter an dieselbe sencen, erhält eben den Ebarakter einer Synode; ja die reformatorischen Bewegungen in und aus den Gemeinden werden ihr ein Fundament geben, das nicht vor der Zerichopofanne der Gegner, die nocb immer von rer Gläubigkeit des „Volkes" 'schreien, mnstürzen soll. Es tst auch nicht zu bezweifeln, raß die Berliner Reformfreunde und die sich ihnen entschließen, sich mit ihren Wünschen an die Rabbiner-Versamn.luug wenden. o:rr ans deren Mitte einige Geistliche zur Berathring dtrftr Äugest gerfteit wählen werden; denn so gewiß keine neue Form res religiösen Lebens ans der bloßen Theorie der Schriftgclc"rren obne die Mitwirkung res empfangenden unv gebährenden Voiwwrwn lftins sich erzeugen kann, so gewiß bringt auch ras populäre Berurnuß und der reformarorische Drang allein cs nicht zu eine. Be . st. >.u; und Umgestaltung des theologischen Stoffes, der immer rer Boden lerer rofiuven Form bleiben muß. Ueberrieß trägt eine solche Vereinigung res reformbedürftigen Volkc-bcwußrftins mir ren rerormirenden wissenstlafttuchen Bestrebungen der Theologen, die beste Garantie in sich, raß nicht in dem Lager der Fortschreitenden wiederum sich Pannen nur Zwistigkeiten erheben. D. -H — n. *) Dcrglkichr Haupt-Arrikel l.

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