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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-04-27 · Heft 17 (27.4.1845) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 17 (27.4.1845)
Date
1845-04-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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133 glauben, nur durch eine falsche, von uns abgewiesenc Auffassung derselben eine scheinbare Stütze erbalten. Es ist daher unsere Pflicht, es ohne Hehl auszusprcchen, daß B. der Glaube an einen persönlichen Messias, wie ihn das Mittelalter ausgebildet, wonach dieser die Juden wieder nach Palästina zurückfübren, und diese dort einen besonder» Staat bilden, die gegenwärtigen Inden also noch immer zersprengte Glieder eines besonder» Volkes seien, in uns gänzlich erstorben ist, daß wir vielmehr mir vollem Herzen unscrm Vaterlande angeboren, für das wir leben und dem wir unsere ungetbeilte Liebe weihen, daß wir lediglich Glieder des deutschen Volkes und nur dem Bekenntnisse nach Juden sind. Wir haben es ferner ausznsprechen, daß das hohe religiöse Gebot eines wöchentlichen Ruhetages, unserer Ueberzeugung nach, nur dann seinen wahrhaft heilsamen Einfluß zu äußern fähig ist, wenn dieser nicht mir den Pflichten gegen den Staat und mit den Forderungen des bürgerlichen Lebens in Collision tritt. Wir müssen erklären, daß die absonderndcn und das innige bürgerliche Zusammenleben erschwerenden Spcisegesctze für uns keine Bedeutung haben, da in ihnen gar kein religiöser Gedanke mehr lebt, sie vielmehr das innerlich religiöse Leben zu einem rein äußerlichen machen und zur Werkbeiligkeit führen. 4) Wir sind eine solche Erklärung unfern Religionslebrern, den Rabbinern schuldig. Bei dem ernsten Willen, welchen viele derselben zeigen, wahrhaft religiösen Sinn wieder in den Gemeinden zu wecken, angemessene Einrichtungen zur Befriedigung und Pflege desselben zu treffen, kann es ihnen nur erwünscht sein, den wirklichen Standpunkt und die tiefen Wünsche eines großen Thcils der Iudenheit kennen zu lernen; sie müssen erfahren, daß wir nicht saule, abgestorbene Glieder an dem Körper des Iudenihums, gleichgültig bei dessen Bewegungen sind, daß wir vielmehr mit lebhaftester Teilnahme eine jede Bewegung in demselben verfolgen, aber eine wahrhafte Heilung der gegenwärtigen Gebrechen nur von einer entschiedenen Hervorhebung der reinen jüdischen Grundlehren, einer entschiedenen Abweisung aller zeitlichen und örtlichen Ausflüsse derselben, aller verkehrten Entwickelung und mißbräuchlichen Zuthat, deren reiche Quelle der Talmud ist, und von einer diesen Grundsätzen angemessenen Einrichtung des Cultus und anderer weihenden Akte erwarten. Die geeignetste Form zur Abgabe einer solchen Erklärung an die Rabbiner glauben wir in einer Denkschrift an die zusammentretende Rabbiner-Versammlung zu finden, wo ein Verein von geachteten Lehrern des Judenthums gerade in der Absicht sich versammelt, um das wahre Heil unseres Glaubens zu berathen. 3) Durch eine solche Denkschrift hoffen wir, unter dem Beistände Gottes, zu unserem Zwecke, der kein anderer ist, als ein rein religiöser, zu gelangen. Wir beabsichtigen nicht, uns von den bestehenden jüdischen Gemeinden loszutrennen und eine besondere Gemeinde zu constituiren. Wir sind vielmehr überzeugt, daß die von uns hier kur; ausgesprochenen Ansichten bereits in der Iudenheit tief wurzeln, und cs nur einer ernsten Anfrage bedarf, um ihnen immer mehr Geltung und Verwirklichung zu verschaffen; nur Gleichgültigkeit und Rücksichten verschiedener Art mögen bis jetzt einen großen Theil unserer Glaubensgenossen von einem solchen Schritte, wie wir ihn hiemit beabsichtigen, abgehalten haben, diese aber werden vor der gegenwärtigen Macht der öffentlichen Meinung und dem erwachenden kräftigen religiösen Leben schwinden, und so wird das Judenthum in der Gcsamnuhcit seiner Bekenner zu einer, seinen! inner» Gehalte angemessenen Bedeutung sich erheben. Wir haben daher auch das feste Vertrauen, dass viele unserer Glaubensbrüdcr mit Freuden die Gelegenheit ergreifen werden, sich an einem Werke zu betheiligen, das zur Ehre Gottes und zur Stärkung ihrer selbst im Glauben unternommen wird, einen Wunsch auszuführen, der sicherlich schon in den Herzen Vieler tief gelebt, ohne daß die Hoffnung vorhanden gewesen wäre, ihm den rechten Nachdruck zu geben. Und so wollen wir denn vereint, mit Gottes Hülfe, muchig und unverzagt unsere religiöse Ueberzeugung und unsere heiligsten Wünsche aussprechen, zu tief von dem Bedürfnisse der Gegenwart durchdrungen, als daß wir citeln Rücksichten uachgeben sollten."

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