Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1845)
- Date
- 1845-04-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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137 lich jüdischer Glaubenssatz, sie ist Glaubensartikel der ganzen Menschheit, sie ist eingepstanzt in jede edle Seele, aus welchem Volke, aus welchem Lande, aus welcher Zeit diese möge abstammen. " — Er geht dann im zweiten Theile auf die Frage über: „auf welche Weise und durch welche Mittel Gott das Messiasreich einführen wolle in die Menschheit" und bekämpft da die Ansicht, daß dieses vermittelst eines einzelnen von Gott wunderbar begabten Mannes geschehen solle' *, Nein — ruft er aus — vermittelst eines andern göttlichen Boten vermittelst des Zudenthums. Unter Zudenthum ist aber nicht eine einzige Zeremonie, sondern all' die Lehren und sittlichen Gebote zu verstehen, welche daß Zudenthum in die Welt eingeführt hat, und noch künftig einzuführen berufen ist." Am Beziehungsreichsten für die Gegenwart selbst und die Fragen, welche sie bewegen , zeigt sich Herr H. in dem zweitenVortrag, der das Thema behandelt: Wie werden die Völker das Messiasreich aufnehmen? Wie wird es im messianischen Reiche um das Judenthum stehen? und können wir es uns daher nicht versagen, aus demselben die gewichtigsten Aeußerungen wörtlich wieder zu geben; sie lauten: Wie wird es im messianischen Reiche um das Zudenthum stehen? Wollte ich wie in der vorigen Predigt unter Zudenthum blos die Lehren und sittlichen Gebote des Zudenthums verstehen, so ist klar, daß dieses Zudenthum im Messiasreiche die Religion rer ganzen Menschheit sein müsse, denn das Messiasreich sollte ja grade dadurch herbeigeführt werden, daß diese Lehren und Gebote allgemeinen Eingang fänden. Das Zudenthum umfaßt aber auch sehr viele Ceremonien: welches Schicksal werden diese im Messiasreiche haben? Ich antworte hierauf mit zwei Sprüchen des Talmuds, einmal sagt er 'TTiyb rmso die jüdischen Gebrauche würden einst aufhören, und ein ander Mal r>,T O’iyiOn alle jüdischen Feste würden einst aufhören. Ich will diese beiden Aussprüche mit einigen Worten begründen. Oberster Satz der ganzen jüdischen Religion ist die Einheit Gottes, diese Einheit Gottes war aber für die älteste Geistesstufe der Juden noch schwer zu fassen, und das verführerische Beispiel der Heidenvölker ringsum wirkte dem Glauben daran auch entgegen. Um dem unentwickelten Geiste zu Hülfe zu kommen, wurden mancherlei Ceremonien eingesetzt, welche auf die Einheit Gottes Hinweisen; und um das Beispiel der Heidenvölker zu beseitigen, wurde durch eine Reihe von Ceremonialgesetzen der Umgang mit denselben unterdrückt. Im Messiasreiche können beide Klaffen keine Geltung mehr haben: wozu noch durch Ceremonien die Einheit einprägen, wenn diese ein Glaubenssatz der ganzen Menschheit geworden sein wird? oder wozu durch Ceremonialgesetze den Umgang mit anderen Völkern unterdrücken, wenn diese anderen Völker so gut wie wir werden Teilhaber des Mesfiasreiches geworden sein? Ferner, mehrere unserer Feste haben zur Aufgebe, denkwürdige Begebenheiten unseres Alterthums in Andenken zu erhalten. Aber Begebenheiten der grauesten Vorzeit verlieren allmälig an Interesse für die Nachwelt, große Begebenheiten jüngerer Zeiten treten zwischen sie und uns, und verdunkeln sie, schon Jirmija sagte, es werde eine Zeit kommen, da man nicht mehr sagen werde: So wahr der Herr lebt, der uns aus Mizrajim geführt hat! denn neuere Erlösungen würden das Andenken der alten auslöschen: um wieviel mehr muß das im Mesfiasreiche der Fall sein! Und noch andere ganze Klaffen jüdischer Gesetze werden aus ähnlichen Gründen im Messiasreiche aufhören müssen, und nur diejenigen von ihnen übrig bleiben, welche sich dazu eignen, auf die ganze Menschheit überzugehen. Der Talmud hat Recht. Hier aber, meine aufmerksamen Zuhörer, lassen Sie uns einen Augenblick halten, denn wir stehen hier an dem wichtigsten Punkte, den das neuere Zudenthum durchzuarbeiten hat. Zch habe zuvor gesagt, daß das Messiasreich nicht auf einmal, sondern allmälig hervortrete. Wann soll nun jener talmudische Satz in Kraft treten, daß einst die jüdischen Ceremonien anfhören müssen? soll das geschehen, wenn der letzte Erdenbewohner zu dem Glauben an den einigen Gott bekehrt sein wird, und sollen bis dahin alle unsere Ceremonialgesetze in Kraft bleiben, oder dürfen diese allmälig schwinden und zwar in demselben Maaße, als das Messiasreich wächst? Meine Zuhörer, Sie fühlen das furchtbare Gewicht dieser Frage, zumal wenn sie wie jetzt auf der Kanzel selbst laut wird, aber sie ist leichter zu beantworten, als es scheint, unsere Geschichte hat sie schon beantwortet. Erinnern Sie sich dessen, was ich vor einiger Zeit von den Propheten uns den nbllin ’SWN sagte, jene haben den Opferdienst verworfen, diese haben hierauf den Sabbath und alle Festtage so gut wie umgeschaffen: warum? weil die Juden nach und nach Fortschritte gemacht hatten im MessiaSreiche, ich gebrauche Liesen Ausdruck der Kürze wegen, Sie verstehen ihn nun. Die schlossen nicht den alten Tempel, das durften sie nicht wagen, aber sie richteten neben ihm Synagogen ein, und wußten, welche Einrichtung am Ende den Sieg davontragen würde. Einige Jahrhunderte später, nach dem Verlust des jüdischen Landes haben die Talmudisten nicht bloß m’^nn rm33 p*G abgeschafft, das find die auf Palästina berechneten Gesetze' sondern noch einen guten Theil der übrigen Gebote. Wer den Talmud kennt, ich meine nicht, wer alle seine verschlungenen Windungen ewig durchkriecht mit Maulwurfsaugen, sondern wer ihn kennet in seinem innersten Geiste, der weiß, daß dieses Riesenwerk nicht bloß die fteifinnigsten Aufichren einschließt, — ich habe Ihnen erst soeben zwei Sätze daraus mitgetheilt, die dies