Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1845)
- Date
- 1845-04-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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12G besonvers mit Juden und deren Angelegenheiten bekannt machen zu »vollen. — Es steht jetzt fest, daß die in der Vosfischen Zeitung enthaltene polemische Einsendung gegen vr. Stern's Vorlesungen nicht virect von vr. Sachs, sondern von David Cassel herrührt. Dieser aber gesteht ein, daß er fie mit Einwilligung und unter Rcvaction des Ersteren verfaßt habe. Die Nachschrift Ln Nr. 11 dieser Blätter wäre also dahin zu berichtigen. Der neugewählte Londoner Gder-Na b b i ne r; die zwei jüdische Zeitschriften. London, im April. (Corrcsp.) Eben sehe ich, daß meinem Artikel über den neuen Ober-Rabbiner in Nr. 9 Ihres Blattes „voice of Jacob“ vorgcsetzt ist; das ist ein Jrrthum, denn jene Bezeichnung bezieht sich nur auf den Artikel über Samoda, den Sie aber noch nicht abgedruckt. Ohne Zweifel hat die undeutliche Stellung, welche ich jener Bezeichnung in »neinem Briefe gab, den Irrthum veranlaßt, der hier um so mehr auffallen mußte, als gerade die „Voice of Jacob“ dem neugewählten Rabbiner ganz ergeben ist. *) Uebrigens beginnt dieses Blatt bereits eines moralischen Todes zu sterben, dem der Physische bald folgen wird. Auf seinen Ruinen hat sich dagegen vor einigen Monaten eine jüdische Zeitung erhoben, die die Fahne der Zukunft mit vielem Erfolge trägt. Diese interessante Verkünderin besserer Zeiten nennt sich tlie Jewish Chronicle (die jüdische Chronik) und schildert sich im acht englischen Sinn als Freundin des Arbeitens. Während nämlich die voice of Jacob es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Vergangenheit, oder die religiöse Aristokratie der Juden zu vertreten, läßt sich die Jewish Chronicle angelegen sein, die Zeit des Arbeitens, oder die fortzuschreitende Gegenwart aus dem tiefen Grunde der Geschichte heraufzubeschwören. Diese Zeitschrift wird auch von den politischen Tagesblättern des Landes als das wahrhafte Wohl unserer Glaubensgenossen im Auge habend hervorgehoben; gleich in ihrer ersten Nummer hält sie dem Comitc, »velchem die Erwählung des Ober-Rabbiners übertragen war, mit vieler Dialeetik seine Mißgriffe vor, welche für die Juden des brittischen Reiches von gefährlichen Folgen sein können. Anstatt daß jene Behörde, meint sie, eine Aufforderung ergehen ließ, daß sich Candidaten melden möchten, hätte fie sich erkundigen sollen, wer die tüchttgsten Männer in Europa seien, würdig ein geist¬ *) Dies mag auch dem großen L. des Frankfurter Conversattons-BlatteS, wo sich, Nr. 90, von daher ein Angriff auf uns genommen findet, zu Beruhigung dienen, dem wir bei der Gelegenheit den guten Rath ertheilen möchten, sich etwas weniger bemerklich zu machen. Die R e d a et. liches Amt zu führen, dessen Ausdehnung mit Ausnahme des päbstlichen Stuhls, die größte in der Welt ist, und in dessen Herrschaft die Sonne nicht untergeht. Nach eingezogener Erkundigung hätte dann der, welcher als der tüchtigste befunden wurde, berufen werden müssen. Denn »velcher wahrhaft große Mann würve es nicht unter seiner Stellung und Würde halten, mit Leuten um ein Amt zu eoneurriren, welche einst seine Schüler »varen, oder doch noch sein könnten. Und wer waren wirklich die Candidaten, die sich gemeldet? Vier, deren Namen durch diese ihre Bewerbung erst im Auslande und selbst mehr oder weniger in Deutschland bekannt wurden. Die Leiter der jüdischen Angelegenheiten in London scheinen jetzt auch wirklich mit verdrossenem Gesichte auf ihre getroffene Wahl zurückzusehen und in ihren Gewählten, noch ehe er angekommen, ein Mißtrauen zu setzen, dies beweist das von ihnen ernannte Comitc, welches den Ober-Rabbiner in all' seinem Thun und Lassen bewachen und von Zeit zu Zeit Rechenschaft von ihm verlangen soll. Herzfeld's Predigten über die Mefstaslehre. Eisenach, im März. Freudig bewegt reichen wir aus der Stille der Studierstube und bei dem schtvachen Lichte einer nächtlichen Lampe einem Manne die Hand, den sein freies und lichtes Wort hinaus in das bewegte Leben, in die weite, lichte Oeffentlichkeit hat gerufen, der sich nicht gescheut, das, »vas er zu seiner aufgeklärten Gemeinde gesprochen, dem ganzen deutschen Israel durch die beflügelten und dennoch unauslöschlichen Züge der Presse zu eröffnen, wir meinen den Land-Rabbiner vr. Herzfeld in Braunschweig, der in zwei veröffentlichten Predigten über die Lehre vom Messias (Braunschweig 1844, Vieweg und Sohn) so viel Schönes und Freimüthiges über dieses Thema, oder vielmehr über Juden und Iudenthum selbst gesagt, daß wir ih»n deßhalb unsere innigste Verehrung zollen müssen. Unsere Leser wissen bereits , daß Hr. vr. Herzfeld schon in der Braunschweiger Rabbiner-Versammlung die Decke, mit welcher er bis dahin sein Angesicht verhüllte, von sich genommen. Dieses freie helle Aussehen hat er sich erhalten, und es namentlich da gezeigt, wo es am wohlthuendsten und segensreichsten ist, an gottgeweihter Stätte, auf der Kanzel. — Herr vr. H. eröffnet den ersten Vortrag mit der Frage: Was unter einem Reiche des Messias zu verstehen sei? diese beantwortet er dahin: „daß solches wesentlich ein und dasselbe sei mit dem nothwendigen Ziele der ganzen Menschheit, ein und dasselbe mit jenem Reiche, welches jeder bessere Mensch ersehne." Denn die Mesfiaslehre ist kein ausschließ-