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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-04-20 · Heft 16 (20.4.1845) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 16 (20.4.1845)
Date
1845-04-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ISS die zweite Periode, indem in den gelichteten Reihen der ersten noch Männer genug zu Vorkämpfern übrig geblieben waren an welchen die weitere Entwickelung fortgehn mochte. Das Prinzip der jüdischen Bewegungs- Partei in dieser zweiten Periode gab sich in dem Wahlspruch kund: „Die Religion muß umgestaltet werden, nur sie steht der Verwirklichung des neuen Lebens entgegen;" und aus den Jacobinern wurden — Reformatoren. Während es in der ersten Periode nur Radicale und streng Conservative gegeben, hatte sich in der zweiten Periode die Partei des Fortschrittes und die des Stillstandes wieder neu rekrutirt, und in Folge davon traten jetzt ganz andere Gegensätze, nämlich Neu- und Altgläubige auf, und die Revolution war dadurch gemäßigter geworden. Die Reformen haben jedoch den Zweck, um dessen willen sie ursprünglich unternommen wurden, keineswegs erreicht. Es hat sich herausgestellt, daß die Reform eine besondere Angelegenheit im Judenthume sei, welche mit seiner allgemeinen Revolution mindestens nicht identisch ist. Das bisherige Prinzip war also ein ungenügendes gewesen; es mußte ein tiefer eingehendes an seine Stelle treten. (S. 20.) „Es war gerade damals die Zeit einer erneuerten politischen Aufregung; die Verfassungen, das Verhältniß der Einzelnen zum Staate bildete den Mittelpunkt alles Denkens und Handelns; demgemäß wurde nun auch an der Iudenfrage eben diese Seite hervorgehoben. Die bürgerliche Stellung des Juden muß verbessert werden, der Druck, unter dem er noch immer seufzt, ist die alleinige Hemmung des jungen Lebens; so lautete das neue Prinzip, und mit ihm entstand die noch heute sehr verbreitete Partei der Emanzipationisten." Der Verfasser bezeichnet diese Richtung, vermöge ihrer Ausschließlichkeit nach Außen, als eine einseitige. (S. 21.) „ Die Hauptvertreter dieser Richtung sind ursprünglich ans der Reformpartei, als den damals vorgeschrittensten hervorgegangen und haben anfänglich in der That nur diese berücksichtigt, als eristire keine alte mehr, als wären die Besonderheiten, die sie selbst überwunden hatten, auch in der Masse der Juden nicht weiter vorhanden. Bei solcher Betrachtung mußte ihnen die sociale Seite der Frage verborgen bleiben. Ferner haben aber auch die meist auf völliger Unkenntniß der jüdischen Verhältnisse beruhenden, oft höhnischen und maliciösen Angriffe von Aussen dahin gewirkt, daß sich die Vorkämpfer der Juden im Zustande der Nothwehr zu befinden glaubten; sie wollten List mit List vertreiben, setzten dem Vorwurf solcher Eigenrhümlichkeiten, welche wirklich nicht eristirten, die Leugnung aller und jeder entgegen, und was man fortwährend behauptete, glaubte man zuletzt." Der Verfasser betrachtet die einseitige Richtung der Emanciparionisten als eine dermalen überwundene, und auf die Gegenwart übergehend, fährt er (S. 23) fort wie folgt: „In der Tbat stehen wir jetzt am Anfang einer neuen Periode. Als die Revolution der jüdischen Verhältnisse nach dem Ausscheiden der Convertirten und Indifferenten den Händen der von uns als Iacobiner bezeichneten Männer entrissen wurde und in die der Reformatoren, dann der Emanzipationisten überging, ist sie zwar mit Rücksicht auf Ausdehnung und Erstarkung fortgeschritten, bat zugleich aber in dem, was ihre Grundansicht, die treibende Idee ihrer Bewegung bildet, unendlich verloren. Was jedoch ehemals aus Mangel an hinreichenden Mitteln nicht verhütet werden konnte, ist jetzt nach langjährigen Umschweifen und Versuchen nicht mehr erforderlich. Es wird endlich Zeit, daß die bereits seit einem halben Jahrhundert fortarbeitende Revolution zu ihrem Rechte komme, durch Wiedergewinnung ihrer ursprünglichen Richtung in ihr siegreiches letztes Stadium trete. Diese Zeit ist jetzt gekommen; die jetzt zu Männern heranreifende Jugend Israels weiß die Anstrebungen der Vergangenheit nach vollem Verdienst zu schätzen und zu ehren, aber sie selbst kann bei diesen Halbbeiten nicht stehn bleiben, und unsere Gegenwart wird wiederum ganz radical.-Der Zwiespalt, in welchem die Gesammrheit der Juden mit ihrer Umgebung ftebr, ist kein blos religiöser, kein blos politischer, sondern ein viel bedeutenderer, allgemeiner; er ist ein socialer. Die soeiale Stellung der Juden muß verbessert werden, erst dann wird das Uebel, gegen welches wir streiten, mit der Wurzel ausgerottet werden, das muß wieder die Grundansicht in unserm Kamvfe werden, während wir uns jetzt zugleich, wenn wir unsere Zeit mit der vor fünfzig Jahren vergleichen, für ungleich befähigter zu einer ihr entsprechenden Wirksamkeit erklären müssen.-So lange wir nur nach bürgerlicher Freiheit strebten, hatten wir selbst platterdings nichts zu thun, um unsere Sache zu befördern. Wir konnten selbst bei unbegränzter Offenheit, bei der Rück-

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