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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-04-13 · Heft 15 (13.4.1845) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 15 (13.4.1845)
Date
1845-04-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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119 als die Erörterung über den Eid. — H. sprach noch von einem andern Aufsatze, den er Ihnen neuerdings über dieses Thema geschickt *) und der gewiß wieder rumoren werde. — Ich bin — fügte er hinzu — mittlerweile auf einen sehr interessanten Punkt, die Auflösbarkeit des assertorischen Eides, aufmerksam geworden. Es stack mir die Gewißheit in den Gliedern, und doch fehlten mir juristische Beweise. Da meine ganze Zugend so ausschließlich auf dem talmudischen Meere herumschiffte, habe ich wie ein alter Seemann einen gewissen Znstinkt, den Sturm in den Gliedern zu fühlen. Nun fand ich, wo nicht schlagende Beweise, doch so starke I n d i c i e n, daß der Znculpat darauf mehr als moralisch gerichtet werden kann ". — So sprach der wackere Mann, der die Befreiung seiner deutschen Brüder von den Sclavenketten des Rabbinismus sich zur heiligen Lebensaufgabe gemacht. Ich drückte ihm die Hand und nahm mir vor, Ihnen dieses Alles gleich nach meiner Rückkunft mitzutheilen, nicht zweifelnd, mir dadurch den Dank Ihrer Leser zu verdienen. Gott mit uns allen! per Zül)er Rabbiner. Breslau, im März. Die hiesige Nabbinats-Angelegcnheit hat auch schon ein Curiosum an den Tag gefördert. Der Rabbiner zu Zülz in Oberschlesien hat sich nämlich veranlaßt gefunden, eine „nothwendige Erklärung"!! in den Anzeiger der Breslauer Zeitung setzen zu lassen. In dieser Erklärung, die von den lächerlichsten Tiraden und Wendungen angefüllt ist, wollte er, „der reißenden Fluth vorlauter Fama einen Damm entgegensetzen, als wollte er von der Provocation (!) des Obervorstchcr - Collegiums Gebrauch machen." Er müsse vielmehr den von hier aus vielseitig (?) an ihn ergangenen Aufforderungen dieselbe Antwort erwidern , die er dem Vorstande (??) der Berliner Gemeinde ertheilt hatte, und die also lautete: „Wenn dasMckroskopIhrer Freundschaft mich der unverdienten Ehre würdigte, so bin ich doch nicht arrogant genug, mich als Leuchtthurm des großen Weltmeeres der Wissenschaften, wie der Gemeinde zu Berlin, aufführen zu lassen." Was übrigens die mehrseitigen Aufforderungen und den Vorstand zu Berlin betrifft, so scheint der Mann die Sachen mit dem Mikroskop seines Eigendünkels angesehen zu haben. Am Schluffe verspricht er, ein Werk „über das Iudenthum" herauszugeben, und *) Wir werden denselben in einer der nächsten Nummer bringen, und bemerken bei dieser Gelegenheit, daß wir später Hrn. H. selbst riethen, die Entgegnung auf Kirchheim im O r i e n t, da dieser auch im Angriffe erscheint, erscheinen zu lassen, wozu er sich auch verstand. Die Red. fordert seine Gemeinde auf, ihm die nöthige Ruhe zu gewähren, damit er bald „an den Schrcibepult gehen könnte." Dies wäre auch ganz besonders im Interesse des deutschen Stils zu wünschen. Fortschritlr im Synagogen -und Schulwesen. Saarlouis, 1. März. (Corresp.) Die Reform-Bestrebungen machen hier und in der Umgegenv sichtbare Fortschritte. Die Elementarschule unter der Leitung des Herrn Blüth ist in gutem Stande; die Kinder werden regelmäßig in allen Elementarfächern und in der Religion nach Herrheimer'S Handbuch unterrichtet; auch in der französischen Sprache durch denLehrer Herrn Levy, der zugleich Lehrer dieser Sprache an der evangel. vereinigten Militair- und Civilschule ist; endlich auch im Singen durch den besten Gesanglehrer des 36. Regiments. Die alljährigen Prüfungen sind stets mit großem Lob der Schulcommission unter Vorsitz des Königl. Schul-Inspectors abgehalten worden. Die Stadtkasse giebt eine jährliche Steuer von 25 Thlr. zur Erhaltung der Schule. In der Synagoge ist der Mizwoth-Verkaus längst abgeschafft. Heute, am 1. März, wurde der Gottesdienst zum erstenmale mit Chorgesang nach der Braunschweigischen Agende abgchaltcn. Dieser Chor bildete sich durch das Bestreben rer angesehensten und wohlgebildetflen jungen Leute hiesiger Gemeinde von selbst. Der würdge Vorsteher, Herr Cmanucl Rous, befördert unv unterstützt alle diese Reform-Bestrebungen auf das lebhafteste; auch ist er der erste und Haupt-Commissarius der Schule, und nimmt sich derselben sehr an. Wenn hier der einzige Uebclstanv gehoben wäre, der darin besteht, daß die Synagoge noch zur Zeit ein Privat-Eigcnthum von 6 Famil.envätern ist, die zum Theil noch steif orthovor sind, so würde das Gute und das Bessere hier Riesenschritte machen, namentlich durch den guten Willen der jungen Leute und durch das edle Streben des genannten Herrn Rous. Das Interesse der Juden an den kirchlichen Angelegenheiten. Breslau im März. (Corresp.) Die Elberfelder Zeitung und nach ihr die Deutsche Allgemeine und der Courier Fran- §ais brachte uns neulich die mehr einfältige, als maliciöse Nachricht, als wären die hiesigen aufgeklärten Juden mit ihrem Anführer , Hrn. vr. Geiger, geneigt, sich dem „christlich - katholischen (Glaubensbekenntnisse" anzuschließen. So lächerlich dies auch war, so fühlte sich doch Geiger veranlaßt, jene Berichterstatter aus gebührende Weise in den beiden erstgenannten Zeitungen zurechtzuweisen. Die Veranlassung zu jenem Berichte mochte wohl das

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