Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 15 (13.4.1845)
- Date
- 1845-04-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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118 Israels die seiner würdige Form zu geben, und bitten daher chrerbretigst Ew. Hochwürden im eigenen und im Namen ihrer Gleichgefinnten im Interesse der heiligen Sache mn ein gefälliges Gutachten über nachstehende Fragen. Dasselbe soll uns zur Selbstkräftigung, zur Abwehr der gräßlichen Verketzerung unsrer Gegner dienen und Dero hohe Verdienste in Israel vergrößern. Wir bitten nämlich um Ew. Hochw. gefälliges Gutachten über: 1. Ist das Placircn des Almcmors an die Synagogenlade, die Einführung von den in den größer» jüdischen Gemeinden bereits üblichen Gebeten mit Chorbegleittmg erlaubt und zur Erhöhung des Gottesdienstes räthlich? 2. Ist das Aufstellen des Trauhimmels und die Trauung jüdischer Brautpaare innerhalb einer Synagoge vor der heiligen Lade unsem Religionsgrundsätzen nicht zuwider? 3. Können israelittsche Gemeindevorsteher bei ihren öffentlichen Beratungen sich erlauben, mit entblößtem Haupte zu sitzen? 4. Ist das der europäischen Gesittung fremdartige Entbehren der ledernen Schuhe und das Tragen des Sterbekittels am Versöhnungstage ein so wichtiges Gebot, daß die Unterlassung desselben eine Entweihung — und der Bestimmung des hohen Festtages zuwiderhandeln heißt? 5. Ist der Geist, welcher diese und ähnliche Reformen imIudenthume erheischt, für die Erhaltung und Erhöhung des Zudenthumes heilversprechend? Da es uns weniger um eine gelehrte Erörterung obiger Fragen , als um ein bestimmtes, die Wichtigkeit der Richtung anschaulichmachendes, mit Dero Amtssiegel versehenes Gutachten zu thun ist, so bitten wir ehrerbiettgst, mit nächst umgehenden Posten gefälligst unsere Anftagen zu beantworten. Der Allmächtige, der Ew. Hochw. bestimmt nach Dero ruhmvollem Wirken in Israel reichlich lohnen wird, wird auch dieser Ihrer Mühe seinen Segen nicht versagen. Wir schreiben an mehrere heutige Coryphäen Israels und erwarten schnlichst Dero baldiges Enviedern. Mit größter Verehrung und Ergebenheit Ew. Hochw. unterthänigste Diener Papa, 19. Febr. 1845. Samuel Schlesinger, Israel. Vorsteher des Löbl. Wesszrimer Comitates. Adolph Spitza, Vormund der israel. Gemeinde zu Papa. A. Hersfeld, Gemeinde-Repräsentant zu Papa. Holdhcim und die rabbinilche Lehre vom Lide. Von der Elbe. Ich komme eben von einem Gesuche bei Holdheim zurück und bin noch voll des erhebenden Eindrucks, den dieser Gottesgelehrte auf mich machte. Das ist eine ursprüngliche, kräftige Natur, welcher die Wahrheit über Alles geht, die nicht ruhen und rasten kann, bis sie zur vollen Geltung gebracht, die kein Ansehen, kein noch so lange bestandenes geschichtliches Vorurtheil scheut, aber eben so streng gegen sich selbst ist, den früheren Standpunkt verläßt, wenn er nicht mehr genügt und auf diese Weise weiter schreitet, mit kühnem Fluge eine Stufe nach der andern erglimmt. — Alles dieses erscheint Einem noch in einem wohlthucnderen Lichte, wenn man H. selbst auf längere Zeit spricht und die Unruhe seines Geistes bemerkt, die ihn fortwährend zum Denken treibt und ihn die schwierigsten Forschungen nicht scheuen läßt. — Es kam auch bald die Rede auf das Kapitel über den Eid nach der Lehre der Rabbinen. Ich äußerte aufrichtig mein Bedenken gegen seine Aufsätze im „Israeliten". Es giebt — sagte ich — Dinge, die, wenn auch in sich wahr und begründet, doch nicht recht goutiren wollen, weit selbst die Entschiedenen noch keine rechte Verdauungskraft dafür haben. So verhielte es sich auch mit der von H. bekannt gemachten rabbinischen Lehre über die Auflösbarkeit des Eides; man möchte nicht dem Talmud, der ohnehin so Vieles zu tragen habe, dieses noch aufgebürdet haben, am wenigsten darüber öffentlich gesprochen haben, da auch die Orthodoresten hierin ihm nicht beistimmen, ja gar nicht ahnen, daß so etwas in seinen Folianten vorkomme. Allein H. entgegnete mir: Diese Scheu rührt daher, weil der Talmud noch immer den Leuten in den Gliedern steckt, weil sie noch immer mit unsichtbaren Banden an ihn gekettet sind, noch nicht völlig frei und selbstbewußt sich ihm gegenüber stellen können, wie das die christlichen Theologen gegen eben so verwerfliche Kirchen-Lehren der früheren Zeit thun. Es komme aber gerade darauf an, zu beweisen, daß das rabbinische Iudenthum von Grund aus faul und selbst im Bewußtsein der orthodoxesten deutschen Juden sich überlebt hat, und von ihnen, wenn sie auch noch so sehr dagegen sich sträuben, desavouirt wird. Sie müssen und können nicht anders, als über Verrath schreien, „der Talmud enthalte nicht das, was ihm aufgebürdet wird," u. s. w. Damit haben sie sich aber dem Sieger auf Gnade ergeben, denn sie gestehen selbst ein, daß, wenn der Talmud das wirklich enthielte, sie sich von ihm lossagen müßten. Wir haben demnach nur zu beweisen'^ daß der Talmud das wirklich enthält, wovon sie sich lossagen. Sie sehen ja, daß Nichts, was der „Israelit" sonst brachte, so den Feuerbrand in das feindliche Lager geworfen und die schlafenden Wächter zur Abwehr aufschreckte,