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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-04-13 · Heft 15 (13.4.1845) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 15 (13.4.1845)
Date
1845-04-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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117 Fuld, mit denen er täglich verkehrt, nennt er „ Koryphäen der Talmudschule" (wo das Wörtchen: Thora einzuschieben), „ die sowohl ihrer talmudischen und polyhistorischen (soll vielleicht heißen : polnisch-rabbinischen) Kenntnisse als ihrer socialen Stellung (?) halber die größte Achtung genießen"; er hätte hinzufügen sollen, bei wem, da begreiflich nicht alle Classen der Gesellschaft die Kenntnisse and Stellung dieser Herren gleichmäßig zu würdigen im Stande sind. — Ehe wir das Vorwort verlassen und zu dem Inhalte der Schrift übergehen, glauben wir noch bemerken zu müssen, daß wir es mit dem Verfasser, als Ausländer, was Sprache und Ausdruck betrifft, nicht genau nehmen, und seine desfallsige Entschuldigung, (S. IX.) gelten lassen, ihm jedoch rathen möchten , vor deren Publikation künftig seine Productionen, deren er noch mehre zu veröffentlichen verspricht, einem verdeutschen Sprache Kundigeren zur Durchsicht zu übergeben, auch am Druckorte für einen bessern Corrector zu sorgen. (Fortsetzung folgt.) Stern's Vorlesungen und die Kapuginaden von Sachs. £1 Berlin. Man hat als die Tendenz der Stern'scheu Vorlesungen wohl die Gründung einer neuen deutsch-jüdischen Kirche erkennen wollen, und hie und da hört man auch schon von einem Ron ge des Iudenthums sprechen. Wir halten diesen Vergleich für hinkend; cs ist einmal unsre deutsche Art, alle Erscheinungen zu rubriciren und zu classificiren, oder unter einen Hut zu bringen, und jedes Ding, nicht für sich, sondern im Verhältniß zu einem andern zu betrachten. Ronge trat mit dem vollständigsten Bewußtsein auf, ein Schisma zu machen; er verwirft Lehrbegriffe und Dogmen, und constituirt feinen Anhang zu einer concreten kirchlichen Gestaltung. Stern krltisirt zunächst blos und giebt allgemeine Maßstäbe zur Bcurtheilung der Verhältnisse; er spricht von einer Zukunft des Zudenthums, von einer deutsch-jüdischen Kirche, wie von eincut Product, das sich aus den Elementen der Gegenwart herausarbeiten soll; er giebt Umriffe zu einem Baue, zu dessen Ausführung vor der Hanv weder er selbst, noch irgend wer vie Materialien liefern kann. Seine Kirche ist eine Art platonischer Construction, in welcher die ideelle Wahrheit in unmöglichen Formen zur Erscheinung kommt; diese Kirche soll ein großer Organismus sein, dessen einzelne Organe, die Gemeinde, die Landeskirche, die deutsche Gesammtkirche, in immer weiteren Kreisen thätig sein und gewissermaßen das fortwährend schöpferische und sich neu erzeugende religiöse Bewußtsein darstellen sollen. Die Repräsenim üblichen Vorcomplimente unsres anwesenden Rabbinen Stein Erwähnung zu thun. tauten dieser Organe sollen die Mitglieder der Gemeinde fein, in der überhaupt der Schwerpunkt der Verfassung liegt, ohne specifischen Unterschied von Geistlichen und Laien; die Norm derselben soll nicht ein bestimmtes fertiges Gesetzbuch, selbst nicht ein neues sein, sondem das ewig flüssige schöpferische religiöse Bewußtsein werden. Man sieht, daß diese Verfassung ein Ideal ist; aber wer die Wahrheit nach ihrer speculativcn Allgemeinheit ausspricht, beweist hinlänglich, vaß er nicht eine momentane concrete Reform beabsichtigt. — Während wir also, nach unsrer Meinung, Herrn Stern von allen Ronge-Bestrebungen entfernt glauben, müssen wir doch in dem Benehmen des Hrn. vr. Sachs gegen ihn in der That eine Aehnlichkeit mit dem Gebühren der römischen Hierarchie bekennen. Der Letztere benutzt oder mißbraucht seine Kanzel, um in lächerlichen, unangemessenen Anspielungen gegen die jedenfalls redlichen und ungeschminkten Reden Stern's loszuziehen; ja er vergißt die Würde und den Beruf eines Verkündigers des Gotteswortes so sehr, daß er wie ein fanatischer Ketzerrichter im wahrhaften Sinne des Wortes „ F l ü ch e" auf das Haupt der Anversmeinenden herabbeschwöri; er verliert die Besinnung und die Vernunft eines gebildeten Menschen so sehr, daß er, ganz wie die Römlinge, gegen die Zeitungen und die Presse eifert, in welchen zu seinem Bedauern seine Gemeinde heimischer ist, als im Wort Gotttes und in ihrem eignen Innern. — Herr Sachs muß verblendet sein, wenn er nicht sieht, wie selbst seine wenigen Verehrer zu seinen drolligen Kapu- -inaden die Achseln zucken und wie er durch seinen umnächügen Fanatismus sich die Herzen aller Wohlmeinenden entfremdet. Deformen in Ang arn. Papa (in Ungarn). Aus dieser Stadt ist an den Redacteur dieser Blätter das nachfolgende Schreiben ergangen, welches schon dcßhalb veröffentlicht zu werden verdient, da es einen Blick in die dortigen Zustände gewährt. Die R e d a c t. Die gewichtige Stimme der Zeit an das heutige Israel ist auch in unsre hiesige, aus 3500 jüdischen Seelen bestehende Gemeinde gedrungen, Kiese zur Erhöhung ihres sehr im Argen sich befindenden Gottesdienstes auffordernd — und die Hälfte der hiesigen Israeliten haben Gottlob die hohe Bedeutung derselben begriffen. Aber auch hier findet die Einführung des Guten mächtige Widersacher — und die Geschmacklosigkeit erhebt noch immer triumphirend ihr Haupt, das Vorhaben der Befferoenkenden verketzernd. Unterfertigte gehören zu denjenigen hiesigen Familienvätern welchen nichts theurer und heiliger ist, als dem religiösen Leben,

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