Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 15 (13.4.1845)
- Date
- 1845-04-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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115 festigen. Eine ethnologische Untersuchung des Wortes müßte indessen die figürliche Bedeutung der Stelle über allen Zweifel 'erheben. Das Wort kommt außer den Parallelstellen 5. Mos. 6, 8 und 11, 19 in der Schrift nicht weiter vor. Die Erklärung, vu bedeute in Caspien zwei und N2 in Afrika zwei (Sanhedrin, Fol. 4), ist zu lächerlich, um eine Beachtung zu verdienen. Die andere Erklärung des Talmuds (Sabbath, Fol. 57), die es mit dem Cbaldäischen rrsviv zusammenstellt und es mit „Stirnband" übersetzt, genügt aus dem Grunde nicht, weil, wie der Talmud selber anerkennt, die Benennung des Stirnbandes mit usata von den Thephillin hergenommen wurde, mpoa nruDt? Ebenso wurde auch das Armband genannt, weil man es an der Stelle trägt, an welche man die Thephillin legt. Das Wort hängt offenbar mit dem persischen w, einbrennen, einzeichnen, tättowiren, znsammmen, bedeutet also „Einzeichnung", „eingebranntes Merkmal", und heißt so viel als frofr, das in der Parallclftelte (/2. Mos. 13, 9) steht. *) Denkt man dabei an die Sitte des Alterthums, nach welcher der Sklave den Namen oder Namenszug seines Herrn, der Soldat den des Feldherrn, der Gläubige den seines Gottes auf der Stirn oder dem Arme oder der Handwurzel eingebrannt oder t a t t o w i r t trug. (S. Gesenius Commentar zu Iesaias 41, 5; 49, 16. Spencer de leg. hebr* lib. II. Cap. 14. S. 1, und besonders Apoc. 13, 16.) So ist die Bedeutung der Stellen keine andere, als die: „ Die Worte, die ich Dir gebiete, nimm zu Herzen re. Binde sie zum Zeichen auf Deine Hand, und sie seien Dir als eingebranntes, tattowirtes Denkzeichen ftrofr) zwischen Deinen Augen." Mit andern Worten : „Gott und sein Gebot sei Dir stets gegenwärtig, wie Dir der gegenwärtig ist, dessen Namen Du auf der Hand und auf der Stirn eingezeichnet hast."— Es bestätigt dieses somit die Vermuthung Aden Esra's, daß die Stelle gleiche Bedeutung habe mit den Spr. Sal. 3, 3, und daß das Gebot der Thephillin sein Dasein blos der mißverstandenen wörtlichen Auffassung der Bibelworte verdanke. Die 8ub 10—15 aufgeführten Nebenbestümnungen *) Lange nachdem diese Zeilen geschrieben waren, fand ich in Peter Beer Geschichte der Sekten I. pag. 210, daß schon Freuthal in seinem mir unbekannten Buche „Jkare Emunah" auf die Vermuthung gekommen sei, daß riiSBiö mit „tättowiren" Zusammenhänge. der Thephillin können daher unmöglich Milcheilungen Gottes sein, da sie sich auf Etwas beziehen, das in der Schrift nicht vorhanden ist. Zch breche hier meine Untersuchungen über die s. g. eW'.-i ab, da das Bisherige für jeden Unbefangenen genügt, um die Ueberzeugung zu begründen, daß diese Traditionen nicht von Gott herrühren können. Meine nächste Untersuchung wird die 13 hermeneucischen Regeln d.es Talmuds, n:rnj .i-m-!""' zum Gegenstände haben. — r. Geschichte des Tages. Die Schrift von Misses. / (Frankfurt a. M.) Beitrag zur Würdigung der Wirren imJudenthume,vonZ. M-...s. Leipzig, 1815. Erinnern Sie sich noch des Polen Heilpern, der eine hebräische Brochüre gegen Hold he im geschrieben (Nr. 5 d. B. u. Z.), welche unser Hr. vr. Z o ft im Lit. Bl. des Orients so ausführlich besprochen, und der, wie diese im Uebrigen, spurlos, wahrscheinlich nach Polen, wieder verschwunden ist? Er war zum Besuche eines dahier lebenden Landsmannes und Freundes, Hrn. I. Misses, aus weiter Ferne gekommen, und hatte durch dielen sentimentalen Zug Verwunderung erregt. Nun aber stellt sich heraus, daß diese Zusammenkunft ihren guten Grund gehabt, und zwischen Beiden wahrscheinlich über ihre literarischen Producrionen ein mündlicher Ansrausch von Meinungen und Ansichten startgefunden hat, ehe sie dieselben der Oesseutlichkeit übergaben; denn von Hrn. Misses hat die bemerkre Brochüre soeben die Presse verlassen. Es sind jedoch beide Freunde *) ziemlich verschieden und weichen in vielen Stücken von einander ab. Hr. H e i l v e r n setzt einen Werth in seine polnische Tracht (Nr. 4 d. B. und I.), Hr. Misses hat solche abgelegt; jener schreibt hebräisch. dieser deutsch; jener hat seinen Stand auf dem Berge Grisim und flucht, dieser seinen Sitz auf dem Berge Carmel und segnet **); jener hat aus rabbinischen Schriften etwas von Wissenschaft und Philosophie erfahren, dieser aus wissenschaftlichen Werken die rabbinischen Schrift *) Letzterer nenntErsteren, (S. 2, Anrn.3) seinen gelehrten (?) Freund; mit größerm Rechte hätte er von ihm als von seinem reichen Freunde reden können, reich nämlich an hebräisch-linguistischen Conjecturen. **) "pzi urusn non 'bbp, S. x.