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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-04-06 · Heft 14 (6.4.1845) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 14 (6.4.1845)
Date
1845-04-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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111 der ersten Rabbiner - Versammlung. Das Schristchen ist wacker, wenn ihm auch etwas mehr Tiefe und etwas weniger Empfindlichkeit hätte nützen können. Ihr freundnachbarlicher Herr College, Philippson, ärgert fich wieder seinerseits darüber, und schreibt und,läßt schreiben „Briefe in den Wind"; nun, fie find damit bezeichnet, und ich drücke Hrn. Philippson die Hand für die richtige Beurtheilung dieser Briefe. Die zweite Rabbiner-Versammlung wird trotz Hrn. Frankel und halb trotz Hrn. Philippson zu Stande kommen und ein herrliches Ferment werden, wie es die erste schon geworden. Run eto. marnun de tabula! Ich verspreche Ihnen auch, jetzt recht lange zu schweigen. N. S. Was nützt, geehrter Freund, mein Versprechen? Da hat Holdheim bereits wieder zwei Schriften veröffentlicht; die eine allerliebste unter dem Titel: Die erste Rabbiner-Versammlung und Hr. vr. Frankel (35 S.), scharf und treffend, voll tiefen Ernstes, der aber durch das innere freudige Bewußtsein, durch den frohen Muth Holdheims eine heitere Gestalt hat. Die andere ist mehr eine Sammlung von Bruchstücken, die wir lieber einzeln ausgearbeitet gesehen hätten, als in einem Buche vereinigt, wo fie als ohne rechten inneren Zusammenhang und zumTheile auch als etwas ftühreif erscheinen. Man erkennt daraus den Mangel einer größer«, für längere Aufsätze bestimmten Zeitschrift, die in kurzen Zwischenräumen erscheint *), so daß ein Gedanke nicht nothwendig als Buch in die Welt treten muß. Das Schristchen heißt: „ Das Cercmonialgesetz im Mcsfiasreich, als Vorläufer einer größeren Schrift über die religiöse Reform des Judenthums; nebst einem kritischen Anhang über den Aufsatz: Reformbestrebungcn und Emanzipation, in der Zeitschrift für die Interessen des Judenthums (153 S.)". Glück auf, mein wackerer Kämpfer! Zeuch hin, Samuel, von Dan bis Beerseba, um Israel zu richten, denn treu ist Samuel demHerrn. Pie Wahl Messet'» in Prag. gl Berlin. Nicht geringe Verwunderung erregt hier die in aller Stille, wie es scheint ohne vorgängigc Concurrcn; vollzogene Wahl des vr. M e i s e l aus Stettin, zum Prediger an dem Tempel in P r a g. Nicht nur daß derselbe in Beziehung auf seinen Vorgänger im Amt, den hiefigen vr. Sachs, dem, trotz seiner extravaganten Reactionsmacherei, ein ungewöhnliches Rednertalent *) Wir können dem nicht beistimmen. Auch größeren Aufsätzen kann eine solche Form gegeben werden, daß fie, je nach ihrer Tendenz, in eine der bestehenden Wochenschriften passen, wie dieses die in unserer Zeitschrift aufgenommenen „Aphorismen über J|n Talmud" beweisen. Die Rcdaction. und ein, durch verschiedenartige Studien angeregtes wissenschaftliches Bewußtsein nicht abzusprechen ist, als eine schlechte Acquifition erscheint; man begreift auch nicht, durch welche Vorzüge gerade Hr. vr. Meisel, vor so vielen andem strebsamen jüngern Theologen, die Aufmerksamkeit des Prager Tempelvorstandes auf fich zu lenken wußte. — Mit einer gewissen wehmüthigen N csignarion auf alle ihre wissenschaftlichen Ideale hört man nun die Bessern unter unsren zukünftigen Gemeindelehrern sagen: Also das ist der Weg, der zu den fetten Pfründen führt; zuerst um jeden Preis eine kleine Stelle erobert, und sollte man fie auch nur unter der schmählichen Beiordnung eines talmudischen aide-de-canip behaupten können; die kleine Stelle ist der archimedische Punkt, mit dem man Alles in Bewegung setzt; dann ein Paar Predigten, die mit rer alten runzlichten Orthodoxie liebäugeln — und dazu eine panegyrische Recension, nebst privater Empfehlung eines einflußreichen Oberrabbinerö — uns unser Glück ist gemacht! Wozu Studien, wozu Wissenschaft, wozu überhaupt Bestrebungen, wenn man nur schön — repräsentirt! Wahrlich, wenn es so fortgeht, daß Nepotismus und Betterschaften den Ausschlag bei der Besetzung der wichtigsten Stellen geben, dann wird man zur rabbinischen, wie weiland zur diplomatischen Carriere nichts bedürfen als Exterieur, Repräsentation und obendrein unbedingte Hingebung an das Glaubensbekenntnis der hohen Protcctoren. Wer fieht aber nicht das doppelte Nebel, Las für die Zukunft des Judenthums daraus hervorgeht? daß wir einmal ein Heer wohlgenährter, ewig predigender Pfarrherrlein erhalten, und dann bald eine Art hierarchisches Netz über die verschiedensten Punkte ausgebreitet sehen, dessen Fäden von einigen Parteihäuptern ganz leicht und geschickt gelenkt werden können! Ich weiß nicht, ob der Prager Tempelvorstand nichts weiter als einen Figuranten für die Kanzel gesucht hat, ob die Politik des dortigen Nabbinats eben einen Mann braucht, der wenig Selbstständigkeit hat, und also wenig Oppofition machen wird — oder ob man blos die Empfehlungen respektirte, die Hr. Meisel miibrachie; aber soviel weiß alle Welt, daß eine Scala, wie Zunz, Sachs, Meisel, nicht blos rückwärts gehen, sondern rückwärtsspring en heißt. —Man wird mir einwenden, daß Hr. Meisel ein gewandtes Prerigertalent so gut wie Einer habe, daß er — (roch weiter nichts; denn auf seine Biographie des Wessely werden fich wohl selbst seine Gönner nicht berufen;) nun, ich gebe es zu, dieses unleidliche Talent, das winzige Goldkörnchen einer aufgefundenen Idee in ellenbreite Phrasen auszuhämmern, aus tausend aufgepflückten Redeblumen einen bunten Strauß zu machen, an dem die Damen fich ergötzen, oder aus einem kernigen Brocken der heil. Schrift eine breite Bettelsuppe zu brauen, für die man bekanntlich ein großes Publikum bekommt. — Ist es denn aber schon so weü mit uns,

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