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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-03-30 · Heft 13 (30.3.1845) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 13 (30.3.1845)
Date
1845-03-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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lOl befleißigt, unter der pomphaften Benennung „Rabbiner-Veri'ammlung Deutschlands" auftreten, und sich als maßgebend für Judentum und Rabbinismus constituiren zu sehen, unv konnte man bei der bekannten Geistesrichtung der Leiter jener Versammlung auch darum schon von ihr keine segensreichen Resultate erwarten: so würden wir, die Unterzeichneten, uns dennoch bei diesem ganzen, seit geraumer Zeit ausposannten Getriebe, die Verirrung von Glaubensbrüdcrn nur still bemitleidend, ruhig verhalten haben, wären die Berathungen jener Versammlung, in bescheidener Würdigung der Beschränktheit ihrer theologischen Kenntnisse gepflogen, und ihre Beschlüsse mit dogmatischer Wahrhaftigkeit gefaßt. Leider mußte sich jedoch, durch die erfolgte Veröffentlichung ihrer Protokolle, auch der enttäuscht sehen, der sich geschmeichelt, wenigstens einiges Ersprießliche vom etwaigen gründlichen Forschen jener Versammlung erhoffen zu dürfen. Außer bei einigen richtigen, das politische, bürgerliche Leben des Israeliten dem Staate gegenüber bestimmenden Belehrungen, — die übrigens auch bisher schon in allen Religionsbüchern sich finden, in allen Synagogen und Schulen gelehrt werden, und die ohnehin, bei der bekannten Nntecthanen-Treue des gläubigen Israeliten, als überflüsfig erscheinen können,—sieht er in den übrigen Verhandlungen dieser Versammlung das Judenthum angefeindet und verläumdet von Männern, die seine Beschützer, seine Lehrer sich nennen. Er sieht mit maßloser Arroganz über die wichtigsten Religions-Fragen ohne Forschung, ohne Quellenstudium aburtheilen. Kein Ansehn, so altehrwürvig es auch sei, wird geschont. Keine Autorität wird geachtet: selbst die mehr als 2000-jährige der großen Synode nicht, in deren Mitte sogar die letzten Propheten sich befanden. Die Schranken der Wahrheit werden niedergerissen; der Talmud, und somit auch das darin enthaltene traditionelle, göttliche Gesetz wird aus ras Schonungsloseste herabgewürdigt, und über dessen Verfall triumphirt. Mit der größten Oberflächlichkeit werden Beschlüsse theils eingcleitet, theils gefaßt und ihre Verbreitung zugesagt, die ganz darauf berechnet zu sein scheinen, dem Judenthume seine Basis zu entziehen und es so auszuhöhlen, daß es in sich selbst zerfalle. Die jetzt schon klaffende Wunde, welche die Verderbtheit der Zeit Israels Religion geschlagen, wird durch solches, das Heiligste höhnende Verfahren, noch mehr aufgeriffen; durch zwecklose Neuerungen die Kluft, die jetzt schon Israel in zwei Lager spaltet, noch tiefer gegraben; der Saame der Zwietracht zum Verderben des moralischen Zustandes ftiedlicher Gemeinden ausgestreuet. Und dies Alles geschieht, unter der heuchlerischen Maske der Glaubens-Treue und der Religionsbeschützung, und wird mit einer anscheinenden Zuverlässigkeit vorgenommen, die gar keinen Zweifel an der Wahrheit des Werkes und an der Reinheit der Absicht, die es erzeugt, zulassen soll. Doch diese, und die ihnen gleichgesinnten Männer haben sich geirrt, wenn sie in ihrer größer» Majorität glauben, das Judenthum dominiren und unter ihren Füßen zermalmen zu können; wenn sie hoffen, bald aus den Trümmern des Talmuds den Thron des Karaismus, oder vielmehr den des Götzens der Bequemlichkeit und Genußsucht errichtet zu sehen, um an dessen Stufen den zum Scheine getragenen Namen der Rabbinen abzulegen, unv dafür seine Würden zu empfangen. Noch ist Israel nicht verwaist. Noch bewachen Männer seine Heiligthümer. mit Willenskraft ausgerüstet, sie zu beschützen gegen versteckte und öffentliche Befeindungen, sie zu vertheivigen gegen Trug, Lift und Bosheit. Kaum _ war die Kriegsposaune zum organisirten Angriffe auf den Glauben unserer Väter erschallt, so traten die Männer, deren Amt es ist. den Glauben zu bewachen, auf ihre Warten, zu schauen, von weher rer Angriff geschehen, und nach welcher Seite der Glaubensveste er zuerst gerichtet sei. Unv nun, da er erfolgt, erkennen sie es als ihren heiligsten Berus, die Schlummernden zu wecken, sie von der herannahenden Gefahr zu benachrichrigen, und die Vertheidiger auf die Zinnen der bedrohten heiligen Veste zu rufen. Nach sorgfältig gepflogener, schriftlicher Verhandlung und gewissenhafter Prüfung aller Verhandlungen der gedachten Versammlung, haben wir, Unterzeichnete, uns vereinigt, Euch, Gläubige in Israel! zu verkündigen, daß sämmttiche Arlchluffe der sogenannt«, „Vraunschweiger Uadbiner-verlammlung",— mit alleiniger Ausnahme der, die politische Stellung der Israeliten dem Staate gegenüber, betreffenden, wohin auch der über die heilige Unverletzlichkeit des Eires zu rechnen; die aber, wie bereits erwähnt, auch jetzt schon überall in Israel Geltung haben, — dem wahren Iuscmhume entgegen, und somit sür den gläubigen Israeliten falsch und verwerflich sind; daß ein verderblicher Geist der Umwälzung und der Sektirerei ihre Verhandlungen durchwehet; daß auch die Arbeiten, welche sie für eine künftige Versammlung vorbereitet, dieselbe verwerfliche Lenden, haben; und daß wir es somit als Pflicht eines jeden, wahrhaft gläubigen Israeliten erkennen, nicht nur nicht Theil an solchen Verhandlungen zu nehmen, sondern auch solchen neuerungssüchtlgen Bestrebungen durch jedes gesetzlich erlaubte Mittel emgegenzutreten. Wir halten uns davon überzeugt, daß diese von uns abgegebene Erklärung noch von einer weit größern Anzahl Amtsbrüder, als wir, unterzeichnet worden wäre, wenn denselben Härte Gelegenheit gegeben werden können, sich uns anzuschließen. Erwartend, daß dieses ihrerseits vielleicht noch nachträglich geschehen werde, rechnen wir jedenfalls verttauensvoll aus ihre Glaubens-unv Amts- Treue, daß sie, wie wir, stets bereit find, mit dem Schilde der Wahrheit unfern uralten heiligen Glauben gegen List und Trug zu

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