Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1845)
- Date
- 1845-03-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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7 wurde, muß aufgehoben, umgestaltet werden, wenn auch Talmud und Schulchan Aruch es für mosaisch und für ewig verbindlich erklären, so wie jedes Gebot, jede Institution, die für das Wesen der Religion nothwendig oder förderlich ist, beibehalten werden muß, wenn sie auch von den spätesten Lehrern des Volkes herrührten." Ob ihre — nämlich der Volkslehrer — Worte Gehör, ihre Anordnungen und Vorschläge Eingang finden werden, das hängt nicht von ihnen ab, da ein Zwangsrecht, ein Zw angsmittel ihnen nicht zu Gebote steht und sie auch im Entferntesten nach keinen solchen verlangen. Sie haben blos zu thun, was ihres Amtes ist, den Gemeinden den Weg zu zeigen, den sie gehen sollen." Dieses bezeichnet der Verfasser auch als den Standpunkt, welchen die Rabbiner-Versammlung eingenommen. In ihr sei eine Anzahl Männer zusammengetreten, „ um sich zu berathen, was zur Erhaltung der Religion geschehen müsse, und der größte Theil ihrer Thätigkeit habe sich darauf beschränkt, die Reform derjenigen Institute vorzubereiten, für welche sie eben so dringend verlangt wird, als sie [ in der That nothwendig erscheint." — Jeder der die; Sache nur mit klarem Auge ansieht, wird dem Berfas-, ser gewiß unbedingt hier beistimmen, wie nicht minder die Faseleien des Hrn. Frankel von einem Bewußtsein des Volkes, das bei jeder Reform geachtet werden müsse auf ihren wahren Gehalt zurückzuführen wissen. Dieser reducirt sich nämlich darauf, daß keiner Gemeinde eine Reform, welche ihr Gewissen noch verletzt, aufgedrungen werden dürfe; im Uebrigen aber dürfen die jetzigen Volkslehrer nicht verkennen, wie ein großer Theil der deutschen Iudenheit, durch ein richtiges Gefühl, wie durch äußere Rothwendigkeit getrieben, längst über tausend Satzungen des Rabbinismus, denen die Religionslehrer selbst keine innere Wahrheit mehr zugestehen können, hinausgcgangen, wie ein noch größerer, mit jedem Jahre zunehmender und bald das ganze jüngere Geschlecht umfassender Theil gemäßigte Reformen in Eultus und Leben verlangt, aber nur selbst sich nicht die volle Einsicht und das ganze Recht zutraut, sie ins Leben zu rufen, und wie es darum Pflicht, heilige und unabwendbare Pflicht; der religiöser Führer ist, dem ersten Theile durch Ver-! kündigung erleuchteter Prinzipien eine starke und feste Ueber-! zeugung, ein r el i g i ö s es B ew u ß t se i n zu verschaffen j und dem andern durch Einführung solcher gemäßigter Re- | formen in seinen heiligsten Bedürfnissen zuHülfezu koinmen. Im Verlaufe der Schrift kömmt der Verfasser auf Philippson zu sprechen, der wegen der Beschlüsse, denen er selbst beigestimmt nachher in seinem Blatte, der Versammlung ihre „kritische Richtung";um Vorwurf machte. Obgleich nun diese Angriffe das Gepräge der Falschheit und Gereiztheit an der Stirne tragen, so ist doch die Geduld des Verfassers mit welcher er alle Blößen und Iuconscquenzen d ieses Gegners der Rabbiner-Versammlung aufdeckt, anzuerkennen, sowie es nicht minder einen feinen Takt verräth, daß er als wirklicher Präsident mir so vieler Schonung und Mäßigung dem Herolde der Versammlung*), dem diese, wenn es sonst angegangen, wohl eine Auszeichnung schuldig gewesen, spricht, ja einen hingeworfenen Verdacht gleich selbst mit dem Beisatz entkräftet, er halte Philippson für einen zu gründlichen Gelehrten und besonders für einen zu großen Talmud isten *'*), als daß er dieses von ihm glauben könne. Der Verfasser unterwirft nun den speciellen Aufsatz des Dr. Frankel gegen die Rabbiner-Versammlung einer Untersuchung. Da unsere Leser jedoch schon früher ***) erfahren, von welchem Gehalt dieses Produkt ist, so beschränken wir uns darauf, aus der Entgegnung unsersBerfassers nur einige interessante Bemerkungen hervorzuheben. Zuvörderst geschieht Hr. F., wie unsere Leser schon durch das, was wir ihnen über dessen Erpeetorationen mitgetheill, einseben werden, kein Unrecht, wenn M. von ihm sagt: „ In dem ersten Hefte seiner Zeitschrift spricht er noch von einer Erhaltung des Iudenthums durch Fortschritt, jetzt verursacht ihm das Wort Reform schon Krämpfe; noch eine Rabbiner-Versammlung und der Zelot in acht polnischem Auszug ist fertig." „Aufdas was der Recensent auch hier wiederum von Bolkswillen und Volksjudenthum wiederkäut, wollen wir nicht zurückkommen, da er schwerlich selber weiß, was er damit will. Versteht er darunter das Iudentbum des jüdischen Volkes in Sachsen, seiner eignen Heerde? Nun er möge die Stimme pro et eontru in Dresden und Leipzig;äb- *) So nannte sich Philippson selbst in seiner Rede an die Nabbiner-Bcrsammlung. **) Dieses muß Herr Philippson auch wohl jetzt sein, da der beorer, bei weld>em er vor etwa 4 Jahren ansing Unterricht im Talmud zu nehmen, schon damals sehr erfreut über die Lernbegierde und Capaeitat seines Schülers gewesen. ***> Nr. 52 Zahrg. V. dieser Blätter.