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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-03-23 · Heft 12 (23.3.1845) · page 12

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 12 (23.3.1845)
Date
1845-03-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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8 len. Die Mehrzahl wird sich schwerlich in seinem Sinne aussprcchen. Meint er aber damit die Religion des jüdischen Volkes hinter Sachsen, in Polen und Rußland, von welchem man nicht sagen kann, ob dessen Unwissenheit oder dessen Aberglaube größer ist? Für dieses zu reformiren, wird auch dem Radikalsten nicht in den Sinn kommen, so wenig als den Mohren weiß zu waschen. Wenn eine Reform vvrgenommen werden soll, so geschieht es für diejenigen, in welchen das Bedürfniß hiefür auf eine Weise erwacht ist, daß es sich nicht mehr unterdrücken läßt, deren Zahl schon jetzt nicht unbedeutend, in stetem Zunehmen begriffen ist. „Diese sind — wird treffend hinzugefügt — der Ansicht, daß, so wie das Iudenthum schon mehrere Male die Formen des Gottesdienstes geändert habe, könne es dieses, unbeschadet seines eigenthümlichen Wesens, auch jetzt wieder; es liege Ln seiner Wurzel eine solche Kraft, noch einmal eine neue Blüthe zu treiben. Die Rabbiner-Versammlung bekannte sich in ihrer Mehrheit zu der letzten Ansicht, und Hr. Frankel wirst ihr deshalb Mangel an Liebe zum Judenthum vor. Allein, wer hat mehr Liebe zu einer Religion? derjenige, welcher derselben ihre gebildetsten und intelligentesten Genoffen zu erhalten sucht, oder der, welcher durch Verketzerung und Schmähung dcrselselben sie ihr abwendig macht? derjenige, welcher den Zwiespalt in der Religionsgemeinde auszugleichcn bemüht ist, oder der, welcher durch Starrheit und Schroffheit ihn vergrößert und erweitert? derjenige, welcher ihr Zeit und Kraft, Vermögen und Ehre willig opfert, oder der, welcher ihr nicht anders, als mit Phrasen und Bannstrahlen, die er aus seinem Studierzimmer schleudert, dient?" „In derThat— so schließt der Verfasser, nachdem er noch die besondern Einwürfe Frankels entkräftet — waren die Rabbinen von der alten, ächt orthodoren Schule weit vorsichtiger, ehrlicher und ehrwürdiger, als die von der helldunklen Farbe der neuern Zeit. Jene erklärten Kunst und Wissenschaft, Bildung überhaupt, außer der religiösen, geradezu als unverträglich mit dem Judenthum und jeden Juden, der ein deutsches Buch las, für einen Ketzer, bfinen vfcsa 'Mis — das war consequent, vernünftig; diese ermahnen zum Besuche der Schulen, zur Erlernung von Künsten und Wissenschaften, verketzern aber alle diejenigen, welche eine Reform des Ritus und Cultus wünschen, weil sie in ihrer jetzigen Gestalt mit ihrer Ueberzeugung und ihrer Bildung nicht harmoniren — das ist inkonsequent, unvernünftig. Doch jeden Widerspruch gleicht die Geschichte aus und so wird auch der Widerspruch im Judenthum seine Ausgleichung finden, wenn auch Dutzende von Frankels mit Händen und Füßen sich dagegen sträuben. Ihr aber, meine Freunde und Aintsbrüder denen es nicht um ihr eigenes Ich, sondern um das Heil der Brüder, nicht um Durchsetzung eigensüchtiger Absichten und Meinungen, sondern um die Erhaltung der Religion zu thun ist, laßt Euch nicht irren durch Erscheinungen wie die, welche wir so eben besprochen haben. Noch hat das Licht mit der Finsterniß zu kämpfen, aber der Sieg ist so gewiß, wie der Tag nach der Morgendämmerung." Dieser Glaube an eine bessere Zukunft, an die Heilung und Wiederherstellung unserer noch so kranken Zustände, wird gewiß der ganze intelligente Theil der deutschen Judenheit mit dem Verfasser theilen, und ganz besonders wird seine Schrift dazu beitragen, die Vorurtheile gegen ein Institut zu zerstreuen, das in nichts Anderm als in der Förderung einer solchen Zukunft seinen Zweck und seine Wirksamkeit findet. Gottes Segen mit ihm! Literarische Anzeige. In der Kürschnerschen Buchhandlung (M. Marcus) in Schwerin ist soeben erschienen und durch Unterzeichneten zu beziehen: l>r. Sam. Holdheim Großherzogl. Mekl. Schwer. Landes - Rabbiner das Religiöse und Politische im Iud ent h nm e. Mit besonderer Beziehung auf gemischte Chen. Preis 12 ggr. — 15 Ngr. Berlin. Plahnsche Buchhandlung. Verlag der 3> C. Hkrmann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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