Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1845)
- Date
- 1845-03-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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05 „unmittelbarer Nachkomme Arons ist, und dem Priesterstande „angehört, wird von Vielen, die sich für diese Wahl interesfirt „haben, als einer der merkwürdigsten Züge betrachtet werden, da „die heilige Schrift auf den Beruf des Cohen in schwierigen „und zweifelsüchtigen Zeiten unmittelbar und mit Nachdruck hinweist." Dahingegen verthcidigt dasselbe Blatt die Londoner jüdischen Reformers gegen ein anderes Blatt, tbe family herald, das denselben vorgeworfen hatte, sie würden sich am Ende entnationalisire n , wir würden sagen, nationalisiren; solche Schmach wehrt jenes, wiewohl gleich seinem Patrone den Reformern abhold, edelmüthig ab. Und dieses Blatt erscheint in Lonvon, nicht in Bedlam, im Jahre 1845 nicht im Jahre 1845, es nennt sich „die Stimme Jacobs," fopyi ^p), nicht „der Feind „Israels." (^ntP» KJlttr)! P t c Aufgeklärten u nd di. Altgläubigen. (Von der untern Mosel.) (Corresp.) Soeben durchlas ich in Nr. 2 und 3 des „Israeliten" den bcrrlichcn Aufsatz „Von der unteren Weser", der mich sowohl seines Gehaltes als auch der wehmüthigen Stimmung wegen, die den würdigen und ernsten Verfasser durchdringt, sehr an- und aufrcgte, was mich denn auch sogleich bestimmte, meine vielfachen übrigen Arbeiten bei Seite zu legen und folgende Gedanken niederzuschreiben, um sie den Spalten des „Israeliten" zu übergeben. Ich kann mich so recht in die Lage des edlen Verfassers hinein versetzen, der, mit einem ernsten, nicht mehr jugendlichen Feuereifer für unsere reine Religion, sich sehr unbehaglich fühlen muß, in seiner nächsten Umgebung, die nichts mit ihm für die Religion fühlt und an deren Kälte und Leere sein heiliges Feuer keinen Zündstoff und sein vollgepreßtes Herz kein Mitgefühl findet. Aber er möge sich beruhigen, wenn ich ihm versichere, daß das, was ihm in feiner nächsten Umgebung nicht, ihm desto mehr in der weiteren Entfernung, bis zur unteren Mosel hin, geworden, so daß ich ihn nur bitten muß, uns doch öfters seine gediegenen Aufsätze durch den „Israeliten" zukommen zu lassen. Ich gehe nun zu dem über, was ich eigentlich wollte, nämlich zur Beschreibung meiner nächsten Umgebung und anderweitigen Erfahrungen. Wenn auch in meiner nächsten Umgebung keine solche Nüchternheit, Gleichgültigkeit und Leere in Religionssachcn, wie in der des Berichterstatters von der unteren Weser herrscht, wenn vielmehr ohne finstere Bigotterie, ohne wilden Feuereifer für das Alte und Veraltete man in hiesiger Gegend dem Judenthume anzugehören sich innig bewußt ist, und der größte Theil, wenn auch mehr aus Gewohnheit als inniger Ueberzeugung, die meisten religiösen Vorschriften noch ausübt, unv wenn endlich hienach hier, wo der religiöse Fortschritt sich schon Bahn gebrochen, noch ein großes Feld für denselben vorhanden ist, der, in den Furchen des hier noch bestehenden Glaubens gepflanzt, in kurzer Zeit aufkeimen, gedeihen und schöne, genießbare Früchte hervorbringen würde, so befällt mich bei all diesem dennoch ein tiefes Mißbehagen und eine innere Wchmuth wegen der in meiner nächsten Umgebung gemachten traurigen Erfahrung, daß der Heranwachsenden Jugend, gleichviel ob sie sich dem höheren Geschäfiöleben oder dem Sruvium gewidmet, sich eine Nüchternheit, Gleichgültigkeit und Leere bemächtigt gegen Alles, was die Religion unv das religiöse Leben angeht. Dieses stimmt mich noch um so trauriger, als ich mit vielen Anderen die größte Hoffnung auf unsere jungen Generationen setzte, und in meinem eignen jugendlichen Sinn, mit meinem heiligen Eifer für Juden und Judenthum den schönen, goldenen Traum hatte, mit dieser und durch diese würde unv müßte bald eine neue schöne Generation, eine goldene Aera für das Juventhum entstehen unv für künftige Generationen begründet werden. Ach l der schöne, goldene Traum, der mich so hoch beglückte, wie hat mich der getäuscht! Sie find zerronnen all' die Hoffnungen, die er mir so schön vorspiegelte, und ich sehe jetzt, nachdem ich erwacht und durch manche Stürme des Lebens ans meinen jugendlichen Träumen gewaltsam aufgerüttelt worden bin, mit hellen Augen daß es leider nur ein Traum war!!-In diesem Traume dachte und äußerte ich mit vielen Anderen mit dem alten Geschlechte sei nichts anzufangen, sei kein Bund zu flechten, es sei von seinen Vorurtheilen, Gewohnheiten und Ansichten nicht mehr abzubringen, es müsse daher in der Wüste des Lebens, in welcher es schon viele Jahre herumirre, auch sterben, ohne das gelobte Land der Freiheit zu sehen und in dasselbe einzuziehen. Die Nachkommen, die Jüngeren hingegen, die müssen wir für dasselbe heranbilden und erziehen, damit sie glücklicher denn ihre Vater werden, unv erkräftigen und erstarken im wahren geistigen Glauben. Aber will denn dieses jüngere Geschlecht auch nur im Geringsten mitkämpfen, oder das kleinste Opfer für die Eroberung jenes Landes bringen? Zieht es gleich den Stämmen Gab und Rüben nicht vielmehr die fetten Triften und die Genüsse ves Lebens allem Höheren und Religiösen vor?? — Sehr nachtheiligen Einfluß hatte daher auch jener Grundsatz auf viele Rabbinen und Gemeinden, da die Alten verloren unv die Jüngeren nicht gewonnen wurden. Ich erdreiste mich daher, kühn die Behauptung niederzuschreiben: Nur mit den vernünftigen, wohlwollenden Altgläubigen, weil sie, im Glauben erzogen, in ihm noch leben und sich für ihn interessiren, können wir in das gelobte Land einziehen, und nur