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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-03-16 · Heft 11 (16.3.1845) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 11 (16.3.1845)
Date
1845-03-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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SV haben anch zur Zeit derSecte der Schabathajancr die großen Rabbiner und Führer in Polen nicht eher geruht. bis jene durch die Obrigkeit genöthigt worden sind, sich öffentlich taufen zu lassen uuv aus der Gemeinde Israels ganz und gar herauszutreten, so daß der Name dieser Secte von der Welt verschwunden ist. Nun ist aber diese böse Rotte noch verderbter als alle Seelen, die unter uns seit dem zweiten Tempel aufgestandcn. Diese Frechen, überholen noch die Gottlosigkeit und machten öffentlich eine Bcrsammlung und förderten Schriften an den Tag, die voll von Minoth sind, die die ganze Torah umkreisen, Gebote und Verbote, auch solche, auf deren Uebcrtretung Ausrottung (durch Gott) oder der Tod durch die (jüdischen) Gerichte steht, — Alles ist ihnen gleich, es zu säubern und zu reinigen nach ihrem verderbten Sinn. Sie läugncn, daß die Torah vom Himmel sei re. re. Wehe ihnen und wehe ihrer Seele! Da wir nun befürchten, daß diese Minim das unwissende Volk verleiten könnten, oder daß die kommenden Geschlechter ihnen in die Irre folgen würden, so haben wir uns verpflichrct gesehen, ihre Ruchlosigkeit aufzudecken und öffentlich zu verkündigen, daß diese „Berräther des Lichtes," die in den Mauern des Hauses Israels Risse machen, nicht zu den Kindern Israels gehören. Hierdurch sollen unsere Brüder gewarnt sein, daß sie nicht straucheln und sich nicht daran kehren, daß diese Lugner sich Rabbiner nennen, sondern daß sie nun wissen, daß ihr rechter Name ist: Gotteslängner, Epikurfim und Minim. Ihr Name werde nicht in Israel genannt, denn sie sind von den Gefallenen, die in die Hölle fahren und nicht wieder hcrauskonnnen. — Und nun Ihr Söhne Israels! wir verkündigen es Euch heute, daß alle Gesetze und Gebote der Torah wahrhaftig und ohne Fehl sind, sowohl die geschriebenen als überlieferten, und daß alle Worte der Gemara und der ihr folgenden Poskim wahrhaftig und unverbrüchlich sind, und wer sich von ihnen entfernt, sich vom wahren Leben entfernt. Wer aber in irgend einem Punkte ihnen widerspricht, ist ein vollkommener Frevler und Epikuros, und wer etwas erlauben will, was die Gemara verboten hat, hat keinen Antheil an dem Gotte Israels und an seiner Gemeine, es ist ein Unreiner und wird unrein bleiben! Und noch verkündigen wir Unterzeichneten, daß Alles, was jene Versammlung gebracht und noch bringen wird, nichtig und eitel ist. Fern sei es jedem Israeliten, auf sie zu hören, sei es nur in Betreff irgend eines Minhag's, vielweniger, sich etwas zu erlauben, was die heilige Gemara, oder die Poskim, die frühern oder spätem, nicht erlaubt, am wenigsten aber in Betreff irgend einer auf die Schrift begründeten Sache. Ihr habt auch die Pflicht, überall einander anzufeuern und die Stimme mächtig zu erheben, daß man dieser Versammlung nicht im geringsten folge. Unsere Augen sind übrigens zum Himmel gerichtet, daß er, wie er uns Jahrtausende vor den Secten der Saduzäer, Böother und Schabathyaner beschützt hat, — welche Secten alle verschwunden sind — so auch in unfern Zeiten den Händen dieser Ruchlosen nichts gelingen lassen wolle, und daß an uns die Verheißung durch Iesaia (Ies. 54. 17.) erfüllt werden möge: „Jedes Werkzeug gegen Dich wird nicht glücken." rc. :c. Das hiesige Beth-din und an seiner Spitze der Oberrabbiner. Berlin, irn Februar 1845. (Eorresp.) Unter Juden giebr es hier jetzt wenig Neues, denn Stern's Vorlesungen über das Iudenthum sind nichts Neues mehr; sie werden hier schon als antiquirt angesehen. Hierinit soll nicht gesagt sein, als wäre der Inhalt der Vorträge selber etwas Antikes, von dem Speicher unseres vorelterlichen Fleißes Aufgerafftes, nein, sie find nichts weniger als dieses. Unser Redner ist kein Historiker, ist kein Frosch, der rückwärts hüpft, er ist vielmehr ein strenger Logiker mit Augen , starr auf das Vorwärts gerichtet. Im Gesagten ist sein Lob und Tadel zugleich enthalten. Der strenge Historiker Zun; hatte, als er vor drei Jahren ähnliche Vorträge hielt, wie jetzt Dr. Stern, schon durch das streng historische seines ersten Vortrags seine Zuhörer verloren. Das raifonirende vorwärts wollende Element, so wie der moderne Schnitt der Stern'schen Vorlesungen haben den Redner vor einem ähnlichen allzuschnellen Abfall seiner Zuhörer, besonders seiner Zuhörerinnen zu bewahren gewußt. Indessen war es doch eigentlich die Ankündigung der über die Aufgabe des Iudenthums zu haltenden neun Vorträge, die den Ankünvigcr im Munv der Frauen (denn auf diese sind sie besonders berechnet,) wie überhaupt des lauen Publikums berühmt machte. Die Berliner halten, gleich Kindern, auf das Versprechen mehr, als auf das Versprochene, füblcn sich glücklicher in der Erwartung einer That, als in der That selber. Dr. Stern ist ein Grammatiker, und sein Recensent L. Rellstab ein Aesthetiker — zwei Umstände, welche nicht wenig dazu beigetragen haben, daß man sich von der tiefen Popularität jener Vorlesungen viel versprach. Dr. Sachs und sein Berufer Dr. Veit wurden bis jetzt unter vem Publikum nicht bemerkt, und zwar, wie man vermuthet, darum nicht, damit das conservative Ohr von reformarorischen Worten nicht entweiht werde. Der Redner findet in den hiesigen Zeitungen wegen seiner freisinnigcn Ansichten viel Anfeindungen. So eben habe ich wieder einen Artikel vor mir, wo ihm eine große Ignoranz in Sachen des Iuventhums und eine Unkunde des Talmud's und selbst der heiligen Schriften vorgehalien und nachgewiesen wird. Natürlich scheuen die Einsender solcher Schinähartikel das Licht des Tages, sie ver-

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