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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-03-16 · Heft 11 (16.3.1845) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 11 (16.3.1845)
Date
1845-03-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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A« müteln, sondern zugleich den Rabbinen Gemeinden zu verschaffen und ste in den Stand zu setzen, ohne getrübten Blick in die Zukunft frei und redlich an das Werk der Reform zu gehen, wie schon das Programm angedeutet hatte: „Besonders hoffen wir," heißt es in demselben, „aufrichtige unv sachkundige Religionslehrer „durch diese Erklärung zu überzeugen, daß die Wahrheit in Zsracl „eine Gemeinde habe. Möge denselben die Gelegenheit und die ^Unabhängigkeit nicht fehlen, dasjenige, was in der That den Kern „ihrerBestrebungen bezeichnet, immer offener hcrauszustellcn, und „denreligiösen StandpunktwahrheitlicbcnderLaien mit dem ganzen „Gewicht ihrer Gründe, mit der ganzen Weihe ihrer Stellung zu „unterstützen, eine Wirksamkeit, der dieselben sich bisher kaum „annähernd hingeben konnten." Dcnkgtäubigen Rabbinen, deren schwierige und mißliche Lage man erkannte, sollte vorgearbeitct werden, und man stieß von dieser Seite her auf den größten Widerstand! Ja, es gibt noch Dinge unter dem Monde, von denen sich unsere Rabbinen nichts träumen lassen. *) Geschichte des Tages. Krakau den 15. Febr. 1845. Meinem Versprechen gemäß, (S. Nr. 7.) übermache ich Ihnen nachfolgcudefinngetreueUebersetzungdcsScndschreibcns, welches unser Beth-din,mit dem Rabbiner an derSpitze**) gegen die Rabbiner-Versammlung erlassen. SolcheDcmonstrationen müssen einerseits der Rabbiner-Versammlung zur Ehre gereichen, indem sie sich voraussehen ließen und doch nicht das gereifte Bewußtsein dieser würdigen Versammlung zum Schweigen veranlassen konnten; andererseits aber ein starkes Licht in die schauerlichen Tiefen des Rabbinismus werfen. — Dieses Sendschreiben lautet nun, wie folgt: „ Schmer; und Trauer überfallen alle Handhaber ver Torah, die Gott fürchten und seinen Namen achten, wegen des Gräuels, der in Israel geschehen! Es find steche Leute, die sich Rabbiner nennen, hingegangen zur Versammlung in Braunschweig, und da haben sic be- *) Wenn der Verfasser bei dieser Bemerkung an die bekannten „Gutächtlcr" wider den Reform-Verein gedacht hat, so läßt sich nichts dagegen sagen. Die Bedenken welche aber die wirklich denkgläubigen Rabbinen geltend gemacht haben, find wohl mehr äußere Formeln, die Form derAbfassung des ersten Artikels in Rücksicht auf das, was dem Bewußtsein und den Gefühlen des Volkes noch Bedürfniß ist, betreffend; und verweisen wir in dieser Beziehung auf die Corrcspondenz aus Thüringen in Nr. 47. Iahrg. V. d. B. D i e R e d. **) Hiemach scheint derselbe sich eines Besseren oder vielmehr Aergeren besonnen zu haben. Die Red. schlossen, die Bande der Torah zu zerreißen und wegzuwerfen Die Hölle von unten zitterte vor ihrer Versammlung, Furcht umringt das Volk Gottes, wegen des Getöses dieses Gottlosen-Bnndes, der mit übermüthigem Frevel anstürmt, um die Fundamente unserer heiligen Religion auszureißen und zu zerschmettern re. re. Dies wird Zeder aus den Protocollen ersehen, welche in jener Versammlung von Gottlosen abgcfaßt worden. Jedes Auge muß thränen, jedes Herz bluten, die Ohren gellen vom Hören ihrer Gotteslästerungen und Schmähungen! Es ist in ihren Augen ein Leichtes, gute Gebräuche abzuschaffen, die seit Jahrhunderten überall verbreitet sind. Worte gegen die Männer der großen Synagoge auszustoßen, die Mußaph-Gebete und auch andere, die durch jene gegründet worden, abzubringen. Sie beißen auch die Ferse unseres Messias, indem sie beschlossen, nicht mehr um die Erlösung und Errettung zu beten. Ihr freveles Herz ließ sie auch gegen die überlieferten Gesetze, die dem Moses am Berge Sinai zur mündlichen Weiterlieferung übergeben wurden, sprechen und handeln, ja selbst gegen Gesetze, deren Uebertretung die Strafe der leiblichen Züchtigung, oder gar des Todes verwirkt. Diese Gottesläugner haben erklärt, daß die Ehe mit Nicht-Jüdinnen erlaubt sei, während es doch Jedem klar ist, daß auf eine solche Ehe die Strafe der Ausrottung steht. Die Frevler erstechten sich auch zu sagen, daß ein Aharonide eine geschiedene Frau heirathen dürfe, daß die Kinderlose auch ohne Chalizah sich verehelichen könne. Ferner, daß die Trauungen vor Zeugen allein keine Gültigkeit habe, von dessen Gegentheil jeder Gesetzeskundige überzeugt ist. Sie haben auch gleichsam einen Vergleich mit der Torah machen wollen, wählten das Eine und verwarfen das Andere, und dieß auch bei den Sabbathgesetzen re. re. Diese stechen Gottesläugner, die die göttliche Torah nicht bestrahlt, erhoben ihr Haupt und achteten nicht auf alle die Warnungen Gottes, auf die großen, schrecklichen Strafen rc. re. In Wahrheit sollten wir uns das Herz und die Kleider zerreißen, wie es auch Esra wegen der stemden Frauen gethan. Es beben die Festen unserer Haut (?!), daß es so in unfern Tagen geschehen! Der Glaube ist aus ihrem Munde verschwunden; selbst Sünder, machen sie noch Andere sündigen. Wir müssen uns nur wundern, daß die großen und wahrhaften Rabbiner in Deutschland dazu schweigen; warum sie nicht wie Helden ihre Hüften gürten, um bei den hohen Regierungen zu erwirken, daß man jene Rabbiner heraussondere aus der Gemeinde Israels, oder daß man sie so lange verstoße und verfolge, bis sie ihre Ketzerei gänzlich aufgegeben. Damit solche Leute nicht mehr mit dem Namen Israels genannt würden. Denn jetzt sind sie keine Aegyptter und keine Juden, keine Jsmaeliten und keine Israeliten. Auf solche Weise

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