Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-03-16 · Heft 11 (16.3.1845) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 11 (16.3.1845)
Date
1845-03-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2566751-2566964-2566975--1356-2569125
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

SS alleingültigen Coder für Glauben und Leben aufstellte, der Grundsatz xd wy mm7 galt, und man darauf dachte, einen Zaun um das Gesetz zu machen, damit dasselbe um so weniger übertreten werde. 6. Auch die künstliche Auölegungswcise der heiligenSchrift, um mittelst derselben neue Bestimmungen aus dem Buchstaben des Pentateuchs herzuleiten, was das Element des Talmuds bildet, .wurde bald erfunden. Spuren davon finden sich fast in allen nacherilischen Büchern. Schon die häufige Berufung auf die Bücher Mosis in Iosua, die maaßlose Lobpreisung der Thora in den später» Psalmen, besonders dem 119., die Einschärfung der Zerimonialvorschriften des Pseudo-Iesaias und des Maleachi, das Streben der Chronik, Alles aus der Thora herzuleiten, die Heraushebung eines dreimaligen täglichen Gebets in Psalm 55, und Daniel, sind als Anfänge der Auslegung zu betrachten, die wir später im Talmud angewendet finden, der nur darin viel weiter geht, feste Regeln dafür aufstellt und auf die ganze Thora sie anwendet. (S. Zunz a. a. O.) 7. Zur Erfindung und Anwendung dieser unnatürlichen Auslegung der Thora mögen die Streitigkeiten zwischen Sadducäern und Pharisäern nicht wenig beigetragen haben. Die Entstehung dieser Sekten hat offenbar keinen andern Grund als die verschiedenen Lehren und Gebräuche, die man im Auslande von andern Völkern angenommen und die Umzäunungsgesetze, die man von Esra an eingeführt hatte. Iemehr die Sadducäer sich allen, in der Schrift nicht ausdrücklich enthaltenen Lehren, Verordnungen und Satzungen, als Neuerungen, widersetzten, um so mehr war die andere Parthei, welche jene Lehren und Vorschriften heilig hielten und heilig gehalten wissen wollten, gcnöthigt, sie für altisraelitisch auszugeben und ihr Dasein in der heil. Schrift nachzuweiscn, und da dieses nicht anders ging, zu einer künstlichen Auslegung ihre Zuflucht zu nehmen, mittelst deren alles Mögliche aus der Schrift herzuleiten und wieder hinein zu tragen war. Im Talmud selbst finden sich noch viele Spuren von diesen Streitigkeiten: Menachoth Fol. 65. Succah 49. Torath Cohanim zu Achre-Moth, und aus Iosephus erfahren wir, daß bald nach Entstehung der Sekten die Pharisäer die Praris hatten, die später ihre Erben und Nachfolger, die Talmudisten, ausübten. Diejenigen menschlichen Gesetze, wofür eine Stelle in den Büchern Mosis, oder auch nur ein Anhaltspunkt sich fand, trug man da hinein; dasjenige hingegen, wofür man keinen Beleg finden konnte, erklärte man für reine, unmittelbare Offenbarung Gottes, dem Mosi auf Sinai zur mündlichen Tradition mitgetheilt. (Iosephus XIII. 10, 6. Vergl. mit Maimonides Vorrede zu Seder Saraim über D"c?n) 8. Die Aufstellung der mosaischen Bücher als alleingültigen Coder für Glauben und Leben, als norm» vitae et fitlei, die Umzäunungsgesetze, die man von Esra an entführte, die ausländischen Lehren, Sitten und Gebräuche, die sich allmählig einschlichen und die man der heiligen Schrift aufzupfropfen suchte, und die Streitigkeiten der Sadducäer und Pharisäer sind als die wesentlichsten und wichtigsten Bedingungen zur Entstehung des Talmuds zu betrachten. In den Schulen, welche später entstanden, wurde die Erklärung und Auslegung der mosaischen Bücher zur täglichen Beschäftigung. Hier bildeten sich allmählig die hermeneutischen Regeln aus, die man dann anwendete, um aus dem Buchstaben des mosaischen Gesetzes neue Gesetze und Verordnungen herzuleiten. Aus ihnen gingen die Lehren und Bestimmungen hervor, über deren Verständniß und Anwendung dann im Talmud gestritten ward. 8. Eine Untersuchung des Talmuds hätte eigentlich mit einer Kritik der dreizehn hermeneutischen Regeln nnQ a' zu beginnen, da diese die Grundlage desselben bilden; da indessen die sogenannten v"2 b“n imahfyän$tQ von diesen Regeln, und nach talmudischer Ansicht die reinsten und unmittelbarsten Traditionen sind, so sprechen diese vor allem Andern unsere Aufmerksamkeit an. nwzb ro^n nennt der Talmud ein solches Ritualgesetz oder auch nur eine nähere Bestimmung an einem Ritualgesetz, für die sich in den Büchern Mosis kein Beleg, ja nicht einmal eine Anspielung findet, die daher nicht, wie andere Decisionen, mittelst der dreizehn hermeneutischen Regeln aus Stellen der heil. Schrift hergeleüet sind, sondern die dem Mosi auf Sinai geoffenbart, von diesem mündlich mitgetheilt wurden und durch mündliche Ueberlieferung bis auf die talmudischc Zeit sich erhielten, wo sie dann in den Talmud ausgenommen wurden. (S. Maimonides Vorrede zu Seder

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.