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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-03-09 · Heft 10 (9.3.1845) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 10 (9.3.1845)
Date
1845-03-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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79 durch die Irrlehren eines Ununterrichteten gefährdet glaubt; an Theilnahme des Publikums sollte es gewiß nicht fehlen. (Nachbemerkung der Redaktion:) Ueber obigen Gegenstand ist uuS noch eine andere Mitthcilung zugekommen, in welcher von einer bevorstehenden Bewegung unter den Juden Berlins, ähnlich den des Frankfurter Reform-Vereins, die Rede ist. Wir werden dieselbe in der nächsten Nummer bringen. Aus Thüringen. Die Braunschweiger Rabbiner - V e r s a m m l u n g. (Vierter und letzter Brief.) Ich konnne nun an die orthodore Fraction jener Versammlung, und obgleich sonst der Orthodoxie eben nicht hold, so verweile ich doch diesmal gern bei ihr; denn in der Braunschweiger Rabbiner-Versammlung war sie es nicht, wenigstens nicht in dem colossalen, glühenden Sinne des Talmuds , der (Sanhedrin 90) denjenigen, welcher auch nur die Göttlichkeit eines prip“, einer ms? mü, eines "ISim bp leugnet (und wie Wenige von der B. Rabb.-Bersammlung sind von einem solchen Unglauben frei!), für einen gottlosen Ketzer erklärt, dem man an das Leben gehen dürfe, ja müsse (n^nr mso rwy 'n Jninn vielweniger, daß man mit solchen freundlich umgehen dürfe. DaS thaten aber die Orthodoxen in der Braunschw. Rabbiner-Versammlung, und darum waren sie es auch nicht in talmudischen Sinne. Sie waren es aber auch nicht in einem anderen; denn zur Orthodoxie gehört doch immer, daß man auf das Innigste von der Wahrheit seines Glaubens durchdrungen ist, daß man gar nicht begreift, wie eine andere Ueberzcugung und ein anderes Sweben in Wahrheit vorhanden sein könne. Das begreifen aber die Orthodoxen in der Braunschweigcr Rabbiner-Versammlung gar wohl; das verriethen sie durch die ungcheuchelie Achtung, welche sie den Männern von ganz entgegengesetzter Ansicht zu erkennen gaben, deutlich genug und darum foncirte ich mich mit ihnen und verweile noch in der Erinnerung gern bei ihnen. Ja ich thue dieses um so lieber, als ich hier wieder auf's Neue sah, wie unsere Orthodoxen in die Klemme gerathen, zu welchen Erzwungenheiten, Halbheiten, Widersprüchen sie ihre Zuflucht nehmen müssen, sobald sie auch nur einen Schritt von dem vliinpfen Buchstabenglauben sich wegwendcn. Denken Sie nur. welche Gründe sie dem pcn HU’pÜ beim Schwören, der hebräischen Sprache beim Gebete, und den talmudischen Sabbath¬ und Speisegcsetzen unterlegte. „Esdürfe, — meinte ein Mitglied — nur y?n ntrp», geschworen werden, um dem Schwörenden in die Sesle zu rufen: Der Eid ist eine gottesdienstliche Handlung;" als ob, wie Sie bereits bemerkt *) das HD’p: nicht bloß auf einer von den gewöhnlichen talmudischen Auslegnngsweisen beruhe; als ob die hohe Bedeutung des Eides, als *) S. Iahrg. V. Nr. 45 dieser Blätter. einer Anrufung Gottes zum Zeugen und Richter der Wahrheit, noch von einer solchen Förmlichkeit abhängen könne. „Es müsse — „bemerkte ein Anderer — ein gemeinsames Band für die Israeli- „ten geben, das sei die hebräische Sprache." Ferner „kür „die Mission der Juden — fügt ein Dritter hinzu — als eines „besondern Religionsvolkes bedurfte es einer besonderen Svrache; „die hebräische Sprache sei aber die vollendete Religions- Sprache." Ist aber wirklich die hebräische Svrache die vollendete Religionssprache? (Schluß folgr.) Die rabulistischen Orthodoxaster. (Schluß.) Aber die wohlfeile Orthodoxie mit der wächsernen Nase kennt auch ganz andere Resultate. Es ist ein Geringes, daß sie von „ m a kka b ä i s ch e n Psalmen " spricht. Makkabäische Psalmen! Also es ist Nichts an der talmudischen Behauptung, raß zehn Alte die Psalmen verfertigt haben, das ganze Buch aber von David rcdigirt worden? Man weiß auch recht gut, was renn eigentlich zu jener Annahme von makkabäischcn Psalmen gc'ührr hat, nämlich hauptsächlich die Erwähnung des Exils in mehreren Psalmen; die alte Orthodoxie behauptete in gutem Rechte, David over Assaf u. s. w. habe in prophetischer Voraussicht dieser Leiden geklagt. Aber die neuere vorgebliche Orthodoxie nimmt, trotz ihrem Schimpfen über alle und jede Reform, doch Anstoß an der Weissagung, ruckt daher alle biblischen Bücher so weit herunter, daß sie von den Gegenständen post eveotuu» sprechen, ganz wie es die Kritik thut, nur mit dem Unterschiede, daß diese dadurch mit dem Glauben nicht in Widerspruch kommt, da ihr der Glaube ein Inneres ist, nicht auf den Krücken äußerer Thatsachen hinkt, während die gefärbte Orthodoxie durch solche Annahmen mit ihrem Glauben sehr ins Gedränge kommt; denn ihr ist der Glaube ein historischer, traditioneller, positiver, und wanken diese Grundlagen, so stürzt ihr ganzes Gebäude. Genug, keine Weissagung in den Psalmen, also auch diese nicht inspirirt, und wir haben vorläufig in der Bibel zwei Bücher, die sich keines übernatürlichen Ursprungs erfreuen, Chronik und Psalmen. Doch unser Ree. wird noch gesprächiger; um einem Manne gegenüber zu treten, her ein dogmatisches Vorurtheil gegen den Talmud hat, darf man sich schon einige Ketzereien erlauben. Die makkabäischen Psalmen sollten beweisen, daß die hebräische Sprache um diese Zeit „einen neuen Aufschwung, eine Naturwichtigkeit angenommen hat;" ftellich nur der, welcher davon sprechen kann, daß eine Sprache einen Aufschwung und eine Naturwichtigkeit a n nimmt,

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