Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1845)
- Date
- 1845-03-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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7& unseren Augen nicht mehr trauen, so dürfe« Sie nicht glauben, eS geschehe dcßhalb, weil wir dergleichen in der allgemeinen Zeitung des Iudenthums gelesen; die hat uns an Aergeres gewöhnt. Nein, der Grund ist, weil wir Sic mit diesen unseren Augen gesehen , und jener Beschreibung so ganz unähnlich gefunden haben, daß wir wünschten unter Ihren Amtsgenossen auf keine unangenehmere und weniger stattliche Persönlichkeit zu stoßen, als die Ihre. Sie brauchen darüber nicht zu erröthcn, das Complimcnt ist so gar groß nicht. Da wir ferner schon verschiedentlich das Vergnügen hatten, uns längere Zeit mit Ihnen zu unterhalten, und nicht bemerkt haben, daß Sie stotterten, um Worte Verlegern oder in der Unterhaltung langweilig wären, so wüßten wir nicht, weßhalb Sie in der Rabbiner-Versammlung zu Braunschwcig ein anderer gewesen sein sollten. Allein £r. vr. P hi l ip p s on sagt's, und Brutus, ja Brutus war ein glaubwürdiger Mann. Wir haben über die letzte Angabe nachgedacht, und glauben den Grund gefunden zu haben, in — „des Dr. Philipp so ns Hauskäppchen." In einem Lustspiele: „ des Dr- Faust's Hauskäppchcn " muß, wer dieses Käppchen aufsetzt, alles sagen, was er denkt. Uns scheint das Morcun-Käppchen des Hrn. vr. Philippson die umgekehrte Eigenschaft zu besitzen, daß es den, welcher reden will, wie er denkt, stottern und verlegen macht, woraus sich zugleich erklären würde, weßhalb er auch in der Rabbiner-Versammlung diesen Hauptschmuck nicht abzulcgen für angemessen erachtete. Uebrigens haben wir nicht gefunden, daß die im vorigen Jahrgange Ihres Blattes (Nr. 29, 37, 39, 40 und 42,) erschienenen Personalzeichnungen aus der BraunschwcigerRabbiner-Versammlung, auf welche jener Artikel der Philippsonschen Zeitung anspielt, und die er als Motiv verschieben will, dem Ansehen dieser Versammlung oder der einzelnen Theilnchmer an derselben irgend zu nahe getrcteu wäre oder geschadet hätte. Am wenigsten hatte Hr. vr.Philippson Grund sich über dieselben zu beschweren, dessen Persönlichkeit vom Verfasser mit unverkennbarer Vorliebe gezeichnet ward. Es war vielmehr Hr. vr. Philippson, welcher zuerst gegen die Versammlung öffentlich aufgetreten, indem er die Protokollsuhrung und Protokollführer, sodann die Versammlung selbst verdächtigte und verunglimpfte, und so das Signal zu den seitdem gegen dieselbe weiter versuchten Verdächtigungen und Verunglimpfungen gegeben hat; dieses Verdienst können ihm die Herren Frankel und Lehren nicht streitig machen, wie es ein Hr. Lcvy hinsichtlich der ersten Anregung zu jener Versammlung gcthan, darüber kan» Hr. Philippson ruhig sein; doch dürfte e r insbesondere wohl daran thun Personalitäten zu vermeiden. Noch könnte man geneigt sein, von daher, daß der Bericht aus Churhessen (Nr. 6) und der ftagliche aus dem Braunschweigischen, beide am Schlüsse eines „Stuhls" Erwähnung thun, auf gleichen Magdeburger Ursprung derselben zu schließen, wie aus der Erwähnung von „Abonnenten" im letzten auf die Verspürung eines ärgerlichen Abgangs an solchen zum neuen Jahre; an letztem Umstande wäre jedoch Ihr Blatt nicht Schuld, welches nach Tendenz und Inhalt dem Philippsonschen Abtrag zu thun wenig geeignet scheint. N. S. Eben kommt uns eine Brochüre zu: „ Die erste Rabbiner-Versammlung und ihre Gegner von Kirchenrath vr. Maier. Sie ist in Gesinnung löblich und in Haltung würdig, zeigt von genauer Kcnntniß und richtiger Würdigung der deutsch-jüdischen Zustände, und äußert sich über dieselben mit großem Freimuthe, man kann davon sagen: e’est un livre de bonne foi. Die Herren Philippson und Frankel werden nach Verdienst gewürdigt und kommen dabei schlecht weg. Daß aber auch der unbekannte Verfasser der oben schon erwähnten Personalzcichnungen unter den Gegnern der Rabbiner-Versamnilung aufgeführt wird, während derselbe offenbar aus einem vielleicht zu großen Enthusiasmus für sie es unternahm, die Persönlichkeit der Theilnchmer gewissermaßen der Geschichte zu überliefern, ist uns eben so sehr ausgefallen als der gereizte Ton, in welchem die Weise besprochen wird, wie Hr. vr. Maier selbst gezeichnet worden, und die auf ihn einen höchst ungünstigen Eindruck gemacht zu haben scheint, den übrigens kein unbefangener Leser sonst gcthcilt haben dürfte. Die Brochüre verdient dankbare Anerkennung und allgemeine Verbreitung; sie ist geeignet die Achtung, in welcher deren Hr. Verfasser bei dem intelligenten Theile seiner Glaubensgenossen bereits steht, noch zu vermehren. Breslau den 18. Febr. Das Wahleollegium für die nächstens vorzunehmende Rabbinerwahl ist bereits zusammengesetzt, und zwar, indem, den Statuten gemäß, das Obervorsteher-Collegium sich 10 Ersatzmänner wählte, welchen dann noch 35 durch das Loos bestimmte Männer beigcgcben wurden. Unter diesen befinden sich auch entschiedene Opponenten, und man hofft, daß die geeignete Person werde gefunden und die endliche Versöhnung vermittelt werden. Der ganze Streit ist bereits von dem prinzipiellen Gebiete aus das rein persönliche hinübergezogen, und er muß daher nach der Feststellung des Persönlichen, sein Ende nehmen. — Herr G. Tiktin hat, so wie Herr Fasse!, von Crotoschim eine Einladung zur Abhastung einer Deraschah erhalten, und seine Anhänger wollten dies zur Anfachung einer schnell auftodernden Begeisterung für ihn benutzen. Es zeigte sich aber hiebei, wie sehr man sich allgemein nach dem Frieden sehnt, und wie selbst viele Tiktianer eine eine ehrenhafte Entfernung des Streitpunktes wünschen. Unser Obervorsteher-Collegium hat bei dem jetzt hier versam-