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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-03-09 · Heft 10 (9.3.1845) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 10 (9.3.1845)
Date
1845-03-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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75 und mündlich sortgepflanzte zweite Leb re. Sabbach Fol. 31 wird von einem Nichtjuden erzählt, daß er zu Schamai kam und fragte: Wie vielerlei Lehren, nmn Israel habe, worauf dieser antwortete, „zwei": eine schriftliche und eine mündliche. In der That ist auch der Talmud nicht eine Erklärung des schriftlichen Gesetzes. Denn abgesehen davon, daß er unzählige neue Gesetze und Verordnungen, von welchen in der Thora kein Wort steht, enthält, modifizirt und vermehrt er die schriftlichen Gesetze mit so vielen neuen Bestimmungen, daß aus denselben etwas ganz anderes, neues wird. Der Talmud selbst nennt sich, wie gesagt, nirgends „Auslegung," und Maimonid es, der ihm diese Benennung gibt (Einleitung zur Mischna Tara) hat keinen Beleg dafür; denn die Stelle, die er dafür anführt, sagt etwas ganz anderes. Diese lautet: (Berachoth Fol. 5) „Rabbi Levi, Sohn des Chama, lehrt „im Namen des Rabbi Simon, Sohn des La-Nisch: Welches ist wohl der Sinn der Schriftstelle:" ,,„D aß ich dir „„gebe die steinernen Tafeln und die Gesetze „„und die Gebote, die ich nieder geschrieben „„habe, daß du sie einlehrcn sollst?"" Die Tafeln, das sind die zehn Gebote; die Gesetze, das ist die Schrift; die Gebote, das ist die Mischna; die ich geschrieben habe, das sind die Propheten und Hagiographen; die du sie lehren sollst, das ist die Gemara. Dieß lehrt uns, daß dies Alles dem Mosi auf Sinai mitgetheilt wurde. „Maimonides, der das Schwierige der Annahme einer mündlichen Offenbarung neben einer schriftlichen überhaupt fühlte, sucht sich dadurch zu helfen, daß er jene zu einer Erklärung macht, und um dieses nur einigermaßen zu rechtfertigen, führt er die obige Stelle aus Berachoth an, die aber nicht das beweißt, was er damit zu beweißen sucht. Nach demLehrbegriffe der Synagoge ist der Talmud eine zweite zur mündlichenUeberlieferung geoffenbarte Lehre, min s'jqsp, eine solche kann es aber neben einer in Schriften niedergelegten Offenbarung, aus Gründen, die wir oben angeführt haben, nicht geben. 4. Die Entstehung des Talmuds hat eine und dieselbe Ursache mit dem Erlöschen des Prophetenthums: Die Aufstellung der Bücher Mosis als alleinige Richtschnur für Glauben und Lebeu. Nur in so lange ist eine eigentlich geistige Fortbildung der Religion möglich, als kein alleingültiger Codex vorhanden ist; erkennt eine Kirche einen solchen an, so hört von demselben Augenblick an die religiöse Fortbildung auf, und die Erklärung des beiligen Coder tritt an ihre Stelle. Dies; ist die Geschichte aller Kirchen und auch die der jüdischen. Der dem babylonischen Eril waren die Bücher Mosis zwar vorhanden, aber dem Volke nicht bekannt, und noch weit weniger allgemein von demselben anerkannt. Jedes Blatt der israelitischen Geschichte beweißt dieses. Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft, fanden die Männer, welche an der Spitze des Volkes standen, für rathsam, die Schriften Mosis als norm« vitae und fnlei aufzustellen und sich selbst ihnen unterzuordnen. Don nun an hieß es: inyo wan „Es darf fein Prophet mehr „ctwas Neues sagen, und alles Leben und Streben mußte geregelt werden, nrc nun nend miD" wie es in dem Gesetzbuche Mosis geschrieben stebt. In keinem Buche, das erweislich älter ist, als das babylonische Eril, findet sich dieser Ausdruck; dagegen ist er in den Büchern und Schriften nach dieser Epoche der ewige Refrain. (S. Zunz, gottesdienstliche Verträge Kap. 3.) In der schmerzlichen Erinnerung an die überstandcuen Leiden, welche die Lehrer des Volkes als eine Felge seiner Uebertremngen des göttlichen Gesetzes darstellten, kannte das Volk nichts höheres, als die Beobachtung des Buchstabens. Man klammerte fick an Buchstaben fest, der als alleingülrigeRichtschnur fürGlauben und Leben hingcstellt war, hierin liegt die erste und wichtigste Ursache zur Entstehung des Talmuds. (Forts, felgt.) Geschichte des Tages. f Frankfurt a. M. im Febr. Große hagere Gestalt, gelben Teint, lange Arme, verlegene schlottrige Haltung, schwarze Kleidung; das ist P a g a n i n i, P a g a n i n i, wie er leibte^nnd lebte, der wlederauferstandenePaganini, Pagaiiini redivivus! Doch nein, Hr. Dr. Philippson läßt sich aus dem Braunschweigischen S i e so beschreiben. Wenn wir versichern, daß wir

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