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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-03-02 · Heft 9 (2.3.1845) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 9 (2.3.1845)
Date
1845-03-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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betrachtet wurde, vollends alle Haltung verloren zu haben, woraus denn auch das Charakterlose seines Blattes und sein Auftreten gegen die erste Rabbiner, Versammlung seither entspringen möchte- Aus Rheinprcußen 9. Februar. (Corresp.) Heute wurde unser Provinzial-Landtag zu Coblenz eröffnet und wurden demselben, wie die öffentlichen Blätter berichten, von den christlichen Bewohnern der bedeutendsten Städte (Köln, Aachen, Trier, Bonn :c.) wie im Jahr 1843, Petitionen zu Gunsten unserer Enianzipation emgercicht. Auch sollen von Seiten der Israeliten selbst derartige Petitionen abgescndet worden fein. Allgemein behauptet man, daß auch der Erfolg auf diesem Landtage, so wie 1843 wieder sehr günstig sein wird, uud werde ich nicht ermangeln, Ihnen für Ihr bei uns fetzt auch vielgelescnes Blatt, das Weitere zu seiner Zeit mitzutheilen. London im Fcbr. (Tlx? voice of Jacob.) Die Erwählung des Herrn l>r. Adler, als unseres Oberrabbiners über Großbritannien und seine Colonien ist, wie Ihnen dieß schon bekannt ist, von den Vorstehern der verschiedenen Synagogen Großbrittanniens ausgegangen. Es ist wahr, der Erwählte hat das Glück gehabt, eine absolute Stimmenmehrheit zu haben! unter 134 Stimmen hatte er 121 für sich. — Allein wenn man bedenkt, daß unter so vielen Tausenden von Glaubensbekennern nur 134 Wähler sein sollen, so kann derjenige, den die Wahl trifft, keineswegs als von der Nation gewählt angesehen werden. Bringt man nun noch die vielfältigen Jntriguen und äußerliche Protectionen in Anschlag, die bei diesem alle bekanntlich vorgchcrrscht haben, so ist diese Wahl nicht mehr eine freie, sondern eine erschlichene zu nennen. Und es zeigt sich auch in der That unter der hiesigen Bevölkerung keine große Zufriedenheit mit der neuen Rabbiner-Ernennung, wie dieß die vielen Flugschriften, welche seit kurzer Frist hierüber erschienen sind, klar darthun. Wir haben zwar jetzt einen Rabbiner, aber keinen Prediger, wenigstens in den ersten Jahren wird unser Rabbiner uns hinsichtlich der gottesdienstlichen Vorträge nicht von Gebrauch sein. Es ist die Frage, ob er es in dieser Hinsicht je werden wird; denn der süddeutsche Dialekt, in welchem Herr Dr. Adler erzogen ist' ist zu weich und zerfließend, als daß er das hartconsonantischc und brcitrokalische der englischen Sprache sollte je richtig aussprechcn können. Im Uebrigen ist wohl der Berufene für die englischen Juden gut genug. Wir wollen sehen, was es wird. Die rabulistischen Orthodoxafter. Die Orthodoxie des vorigen Jahrhunderts war gesund und ehrlich, sie hatte einen Magen, der Kieselstein vertragen konnte und sie gab Andern die Kieselsteine ganz nackt als die gesundeste Nahrung; die heutige vorgebliche Orthodorie ist schwächlich und knistig, sie überzuckert die Kieselsteine und leckt daran und Andern zeigt sie dieselben als reinen canrirten Zucker. Ja, es ist wahr, die Orthodorie mit ihren steinernen Zügen ist in Deutschland aufgelöst worden, aber das schwächliche Gebräu, das durch diese Auflösung entstanden, ist wahrhaft eckelerrrgend. Nach dem Ruhme, das Haupt dieser vorgeblich Orthodoren von Orthodoraster zu sein, geizt Herr Frankel. Wir mögen ihn nicht weiter besprechen; denn seine langweiligen brombastischen Aufsätze charakterifiren ihn am Besten. Nur eine Bemerkung möge uns vergönnt sein. Die Fraukel'sche Orthodorie spricht Folgendes aus: „Die lebhafte Phantasie des Chronisten, sein Eifer, gottesdienstliche und aridere religiöse Einrichtungen hervorzuheben und sie auf frühere Zeiten zurückzuführen, sein Gefallen, den frommen Königen aus dem Hause Davids die bestmöglichen Verdienste zu vindiciren, dictirte ihm unwillkührlich den Gedanken, daß unrer dem König Josafat, von dessen getroffenen Anordnungen für Rechtspflege Nachrichten Vorlagen , sich ein Gerichtshof ausgebildet habe, wie ihn der Chronist zu seiner Zeit erblickte" (Zeitschr. f. d. relig. Interessen :r. I. S. 170 Anm.). Der gute Chronist, die liebe fromme Einfalt! Er wollte keineswegs betrügen, nicht einmal in majorem Dei "loriain, aber wußte es nicht besser; er hatte nun einmal eine „leb. hafte Phantasie," einen Eifer allem Religiösen und war es noch so jung, einen möglichst alten Ursprung zuzuschreiben, im „Gefallen" die frommen Könige Judas herauszuputzev, und i'o kamen ihm „iinwillkührlich" gar eigene geschichtswidrige „Gedanken." Ist das nicht zart ausgcdrückt? Aber was ist denn das mit dem ChronistenWir haben es mit einem kanonisch-biblischen Buche zu thun, das zu den Hagyographen gehört, das also durch den heiligen Geist eingegeben, inspirirt ist, das zwar dem Pentateuche untergeordnet, aber allen übrigen biblischen Büchern ebenbürtig ist. Aber die vorgebliche Orthodorie halt von der Göttlichkeit der biblischen Bücher Nichts, sie liebäugelt mit der Kritik, nur daß siz Alles hübsch zart ausdrückt; aber wo bleiben alle gesetzlichen Deutungen , welche der Talmud aus den Büchern der Chronik herausfindet, wo z. B. die 400 Kamele, welche die Dereschoth zu den Versen zwischen dem einen und dem andern (1 Chr.8, 37 ff.) trugen (Pesachim 62, 6)? Alles eitler Schaum und Dunst! Das

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