Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1845)
- Date
- 1845-03-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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- Capua 1× ep/1047865
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Buch ist ein späteres, nach früheren Relationen gearbeitetes Ge» schichtsbuch, das phantastisch ausschmückt, keine Geschichte schreibt' sondern sie dichtet aus seiner Zeit heraus, mit vorgefaßten Meinungen der Vergangenheit schildert, kurz ein Buch, wie es Herr Frankel heute schreiben würde, wenn er eine „lebhafte Phantasie" hätte. Und das giebt man uns für Orthodoxie aus? und dabei pocht man auf den Talmud, der sich so anführen ließ? Wahrlich diese Orthodoxie ist gar sehr widerspruchsvoll und sehr bequem, sie urthellt nach „Gefallen" und Laune, sie coquettirt nach beiden Seiten, aber nur ein Blinder täuscht sich über ihre mit Schönpflästerchen belegten Runzeln. Da ist mir doch Herr Hirsch in Emden mit seinem „ trüben Ernste und ernstem Trübsinne" weit lieber; er ist fteilich auch etwas von der neueren Bildung inficirt, aber er wendet doch gegen sich selbst alle mögliche Erorcismcn an, um den Teufel aus sich zu bannen, von dem höchst wirksamen ’E 'TH HHEltf an bis zu dem Hunde vertreibenden TXO 'Ti KTK, und man muß bekennen, cs ist ihm in hohem Grade gelungen den Teufel, Vernunft, aus sich hinauszüjagen. Aber trauriges Geschick der edelsten Bestrebungen! Hamilkar Hirsch hat ein Hannibalchen, das ihm vielen Kummer machen muß, weil es frühzeitig sein Capua gefunden hat. Hr. Hirsch war nämlich ftüher beschäftigt, mächtige Bollwerke um sein talmudisches Karthago zu ziehen, und gegen die neuere Richtung Streifzüge zu machen; aber er kam jämmerlich zen'etzt aus diesem Kampfe zurück, in welchem ihm besonders Geiger gegenüber stand, so daß er sich kampfesmüde zurückgezogen hat und nur noch zuwellen seinen „ trüben Ernst und ernsten Trübsinn " aushaucht. Allein, ein zweiter Hamilkar, hatte er damals ein Hannibalchen bei sich in der Person eines gewissen Grätz aus dem Großherzogthum Posen, und dieses Hannibalchen ballte damals das Fäustchen und schwor, daß es einst fingerfertig an Geiger sich rächen werde. Rach vielen wunderlichen Schicksalen, gelangte Hannibalchen nach Breslau, und nachdem es da eine Zeitlang unfern Blicken verschwunden war, tauchte cs als vorgeblich orthodoxes Kannibalchen in den Steppen des „Orients" auf, zuerst als Correspondent und nun als Referent: in beider Eigenschaft sprüht er Feuer und Flamme gegen Geiger, der mit catonischem Ernste noch immer von seinem vueterum censeo nicht ab* lassen will, aber seltsamer Weise tritt der Hirsch'sche Wolf auch als ein Frankel'sches Schaaf auf, und das muß sicher Hamilkar tief beugen. Lassen wir die ekelhaften Correspondenzcn und nehmen wir die Recension, die unser Orthodoxaster sich zum Weihnachtsgeschenke gemacht hat und an deren bunten Lichterchen er sich noch heute freut. Wer doch auch ein solch' unschuldig Kindlein wäre! Leider aber ist die falsche Kritik, und selbst wenn sie von Herrn Fürst begünstigt wird, ein bloßes Flittergold, das vor der Fackel der ersten Kritik als ein albernes trügerisches Spielzeug erscheint. Um die wohlbegründete Behauptung zu entkräften, daß das Hebräische in der Zeit des zweiten Tempels eine religiöse Gelehrtensprache, die eigentliche Volkssprache aber das Aramäische und die Büchersprache das Griechische war, zieht der Recensent von allen Seiten Truppen zusammen. Da rücken die „ Sapdanim" an, welche als Sprachverwandte Meister manchen kräftigen und zarten Klagegesang dichteten; aber soll daraus das fortdauernde Leben der hebräischen Sprache bewiesen werden? Nun dann müßte man in Babylon im 5. und 6. Jahrhundert auch hebräisch gesprochen haben, denn auf Nabina und R. Asche wurden auch die finnigen Klagegesänge verfaßt: "iDrD pns by Bttn i)p:n DHDH und ronbiy rftSJ D'TTiO EK, die in keiner Sprache, an rhythmischer Abrundung keiner früheren Arbeit dieser Art nachstehn'. Hieraus aber folgt, mit welcher Freudigkeit und welchem Geschicke man sich bis in die spätesten Zeiten, gerade wie in Deutschland im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts, noch gegenwärtig in den flavischen Ländern die hebräische Sprache an eignete, während die Folgerung, daß man sie noch gesprochen habe, eine unsinnige ist. Diese kritische Unreife zeigt sich in der ganzen Neccnfion; es soll hier jedoch mit der einen Probe genügen, wie unter dem maßlosen Dünkel immer nur die Verworfenheit und Halbwisserei verborgen ist; eine genauere Darlegung aller jener unreifen Behauptungen mag Geiger'n selbst überlassen bleiben, wenn er cs der Mühe werth halten sollte. Betrachten wir hier nur das orthodoxe Mäntelchen, das der Recensent sich als freudige Wortbedeutung eines künftigen Rabbinertalars umhängen möchte. Herr Frankel hat wieder für die Orthodoraster den Ton angegeben; an Geiger, sagt er, ist eine gewisse Befangenheit, ja, was sehr zu bedauern, sogar Lieblosigkeit gegen das talm. Judenthum nicht zu verkennen (Ztschr. I. S. 327). Das greift unser ungerathner Zögling Hirsch's auf und spricht gleichfalls von dem elepmatischen Vorurthcile Geiger's gegen den Talmud, welches dessen Grammatik in eine schiefe Stellung bringt, und im Allgemeinen wird der Vorwurf ausgesprochen, dem eifrigen Talmudstudium habe man aus mißverstandener Aufklärung Valet gesagt. (Schluß folgt.) Berichtigungen: S. 42. Spalte 2, Z. 5 v. o. statt eine Zunge, lies die Zunge — „ —-13 v. o. st. höllischen l. hämischen — „ —-7 v. u. st. Vereinigungen l. Verirrungen — 43, — 1 — 3 v. u. st. ausgemacht l. ausmachet Verlag der I. C. Hcrmann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.