Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1845)
- Date
- 1845-02-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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61 rade, unsere Sprache, weil sie eine freie, so sehr geniert; und daß dieser Mann, dem cs weder an Talent noch an Wissen fehlt, dennoch zu gewöhnlichen, um nicht zu sagen, gemeinen Mitteln seine Zuflucht nehmen muß, wo ihm die Wahrheit wie bei uns ungekünstelt entgegen tritt. Noch eins zum Schlüsse. Nach dem übereinstimmenden Zeugnisse der Reisenden sind im Oriente die Hunde besonders bösartig und unverschämt. Ein solcher morgenländischer, noch dazu dem Anscheine nach Metzger-Hund bellt uns in einem der neuesten Blätter des Leipziger Orients au. Was thun Sie, wenn Sie ein Hund aubcttt? Sie gehen vorüber und lassen ihn bellen? Auch wir thun ein Gleiches; passous lä-dessus. Vom Main. Die Sonne geht auf und verscheucht die finsteren Schatten der Nacht, trotz dem Acchzen und Krächzen der aufgcschcuchten Nachtvögel. So bricht sich auch unser junges Institut der Rabbiner-Versammlung siegreich eine geebnete Badn, trotz der Hemmnisse und Verdächtigungen, welche ihm von mancher Seile in den Weg gelegt werden. Wie sehr dieses Institut aus dem Bewußtsein des Volkes selbst hervorgegangen ist, beweist die höchst aufmerksame Aufnahme, welche sich die Theilnehmer im jüngsten Sommer zu Draunschweig erfreuten, und welche auch jetzt schon zu Frankfurt für sie vorbereitet wird. Man kann nichr genug die erwartungsvolle Spannung rühmen, mit welcher schon jetzt dieser Angelegenheir in den verschiedenartigsten Kreisen besprochen wird, und wie, obgleich noch mehrere Monate zwischen dem Jetzt und dem Zeitpunkt der Zusammenkunft liegen, doch schon alle mögliche Anstalten getroffen werden, um alle sich anmeldcnden Rabbiner würde- und liebevoll auszunehmen. Auch ist die Erlaubnis zu dieser Versammlung bereits von dem hohen Senate erlheilt worden. Mögen nur diejenigen, welche Theil zu nehmen beabsichtigen, nicht zu lange mit ihren Anmeldungen, bei dem betreffenden Ausschüsse, an dessen Spitze Rabbiner Stein steht, zögern, damit das Comictz baldmöglichst einen ohngefähren Maßstaab für die zu treffenden Vorarbeiten erhalte. H Berlin. Die nun begonnenen Vorlesungen des vr. S. Stern über die Aufgabe des Zudenthums liefern den erfreulichen Beweis, daß das gebildete jüdische Publikum einen regen Antheil an der Lösung seiner wichtigsten Lebensfrage nimmt: die ersten beiden bis jetzt gehaltenen Vorträge waren über Erwartung stark besucht. Und hier hört es nicht eine erbauliche Salbaderei, sondern eine klare kritisch - historische Auseinandersetzung eines ihm meist unbekannten Stoffes. Herr Stern ist kein Theologe, braucht also anderweitigen Rücksichten keinen Zoll der Wahrheit zu opfern; und spricht daher mit großer Unbefangenheit nicht nur über das Wesen deö Zudenthums, sondern was noch schwieriger ist, des Christenthums, und sein Verhältniß zum ersten. Dies war nämlich der Gegenstand des zweiten Vortrags, nachdem er im ersten einen Ueberblick der jüdischen Geschichte gegeben hatte. Herr Stern ist kein subversiver Kritiker; er steht mit seinem Fühlen und Denken im Hegel und sein Prinzip ist daher die Anerkennung der relativen historischen Berechtigung. Die Geschichte ist ihm die Verwirklichung des fortschreitenden Geistes, und die Ueberwindung des einen Moments durch des andern. Im alten Zudenthum sieht er den positiven Inhalt der absoluten Religion aber mit der nationalen Schranke behaftet und daher der Erstarrung ausgesetzr. Christus will diese stets lästiger werdende Form durchbrechen und den wahren Geist des Zudenthums frei machen — er weiß sich blos als den vollendeten Israeliten. So ist in ihm und in den meisten Evangelisten der Zusammenhang mit Lein Iuventhume noch lebendig und sichtbar. Aber schon den Heiden gegenüber, denen die Idee eines, außerhalb der freien menschlichen Selbstbestimmung liegenden höhern Willens, die Idee eines unsichtbaren außerweltlichen Gottes unbegreiflich war, müßte Johannes den Geist des Iudenihums verdunkeln und ihn in eine heidnische Anschauung kleiden; er bring! den Heiden den sichtbaren Gort den vollendeten Menschen; statt ihrer menschlichen Götter, den göttlichen Mensch. Im Panlini'chen Christentbume wuchs diese Sclbstovwrung für das Heidenthum bis zur völligen Ablösung vom Judentum; es enrstanv die feindliche Kluft zwischen den beiden sich immer enger und einseitiger abschließenden Formen, die doch von einem Geist getragen waren. Die Geschichte der Kirche im Nittelalrer ist nun die immer liefere Versenkung des Christenlhums in das Heivenrhum, die in der Hierarchie , in der priesterlichen Arrogarion der göttlichen Machtvollkommenheit, ihre Soitze erreicht; die Reformation, indem sie zunächst diese äußerste Eonwauen; des heidnischen Prinzips angriff, begründet die Rückkehr zum reinen Geist des Christenrhums; uns je näher der Protestantismus seinem endlichen Ziele, der Selbstbefreiung des Geistes von den Fesseln der Ueberlieferung, rückt, desto enger wird die Berührung mit dem Iusenihume, das in gleichem Bestreben , nun alle die Formen abstreift, mit denen es sich gegen seine heidnische Transformation in der mittelalterlichen Kirche verschanzte. Die Zukunft wird es lehren, ob Iurenthum und Christenrhum, die eines Geistes find, und wie Vater und Sohn zu einander stehen, sich endlich nach langer Entzweiung finden werden. — Die Ausführung dieser Gedankenreihe war eben so klar als elegant, vielleicht für den nichtphilosophischen Hörer und für die Damen zuweilen etwas zu abstrakt; dagegen rekapitulirte Herr Stern