Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1845)
- Date
- 1845-02-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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60 absetz:, verläumvet, unv das alles mit dem besten Gewissen und, wo eS angeht, mit dem bekannten Wahlspruche: in magorem Del Klm-inui, oder das ist nicht den Regeln dieses oder jenes Ordens, vielmehr der menschlichen Natur gemäß, die nun einmal nicht besser ist. Nur geschehe es mit Verstand, die Lüge sei nicht plump, die Verläumvung nicht handgreiflich, sonst bringen sie die beabsichtigte Wirkung nicht hervor, und man macht sich überdies lächerlich. Nein, da versteht unser neuer Freund, (denn das ist und bleibt er, er mag wollen oder nicht,) Herr Oberrabbiner Frankel in Dresden, das Metier besser, und wir gestehen, daß es uns sehr nahe gegangen, ihn in Ihrer Entgegnung (Nr. 6) so hart angelassen zu sehen. Sollten wir cs gerade heraussagen? nun denn, die Anmerkung *), welche Sie so in Harnisch gebracht, hat uns besonderes Vergnügen gemacht. Wir schmeicheln uns nämlich, daß cs unsere Artikel sind, welchen Hr. Frankel Zügellosigkeit und Gehässigkeit vorwirst, und es Ihnen verargt, daß Sie, ein Herr College, denselben die Spalten Ihres Blattes össnen. Und Sie merken nicht, wo man hinaus und daß man zugleich Sie fangen will? Wohl, wir wollen versuchen, cs Ihnen deutlich zu machen, und zugleich zu erklären, aus welchem Grunde uns jene Aeußcrung des Hrn. Frankel zum wahren Vergnügen gereichte. Die Mitarbeiter an den jüdischen Zcirschrifren, fast durchgängig Rabbinen, Prediger, Rabbinats- Candwaten re., äußern sich über die Mißbräuche, das Zeitungemäße, das Abgestandene im Iudcnthume mit einem Rückhalte, mit einer Scheu, die sich aus Stellung und Ansicht rechtfertigen, in ihren Kreilen heimisch sein mögen, aber so wenig das wievergcben, was bei weitem der größte Theil der gebildeten und intelligenten Juden Deutschlands darüber denkt, daß diesen die Schreiber mehr wie Heuchler **), mit oder wider Willen, Vorkommen. Selbst die am weitesten vorgeschrittenen Rabbinen pflegen sich über den Glaubenszustanr dieses Kerns der deutschen Iudenhcit Illusionen zu machen, und vollends Hr. Frankel, der Iud enthum, Iud en heit mnv Volk durch einander mischt und gebraucht, wie cs ihm gerade dient, dabei aber immer die böhmisch-, nicht die deutschjüdsschen Zustände vor Augen hat, und daraus ein Glaubens-Spsiem zimmern will, das sich bezeichnen ließe als Iudenthum aus dem Volke für das Volk, wo jedoch unter Volk nicht wie sonst das aus erwählte, sondern die Plebs vcr. *) Frankel, Zeitschrift, Januarheft, 1845, S. 11. **) Diese Bezeichnung ist offenbar zu hart. Auch beweisen die Gutachten über die Breslauer Angelegenheit, wie die Protocolle der Rabbiner-Versammlung zur Genüge, daß die Zeit der freien Meinungsäußerung auch für die Rabbinen gekommen. Die Redaktion. standen würde. Wir hingegen haben es von vornen herein als unsere Aufgabe und Pflicht betrachtet, jene nirgends vertretenen Ansichten und Gefühle in Worte zu kleiden, wußten jedoch recht gut, daß wir dadurch vielfaches Mißbehagen erregen würden. Allein soll die Reform im Iudcnthume, wie man seit der Iulircvolution sagt, eine Wahrheit werden, soll sie im wesentlichen, wie kaum anders möglich, von Nichtrabbinen ausgehen, so muß erst, so zu sagen, die Wahrheit selbst zur Wahrheit werden, nämlich zur Anerkennung kommen, und das können nur Nichtrabbinen bewirken *) Wir haben die Ceremonien und Verrichtungen im Iudenthume, welche den Inbegriff der Frankelschen Religion der That bilden, nicht lächerlich machen, sondem nur aussprechen wollen, was die jüdischen Städtebcwohncr in Deutschland ziemlich allgemein davon halten; unsere Schuld ist cs nicht, wenn diese, und wir mit ihnen, sie größtcnthcils nur noch lächerlich finden können. Solche zugleich verkündende und warnende Stimmen, solche Worte des Freundes, wenn auch des zürnenden und strafenden, sollten zum wenigsten denen willkommen sein, welche sie in ihrer wahren Bedeutung aufzufassen und zu begreifen im Stande, und zu denen wir Hrn. Frankel zu zählen gerecht genug sind. Mag der große Haufe unseren Zuruf mißverstehen und darin finden, was ihm gutdünkt, niemals werden wir Hrn. Frankel den Schimpf anthun zu glauben, er stehe mit demselben auf gleicher Stufe der Erkenntniß; und redet er nichts desto weniger dessen Sprache, so halten wir uns deshalb nicht für berechtigt auf ihn herabzusehen, sondern können darin nur eine Absichtlichkeit, eine affectirte Bornirtheit, eine Iournalisten-Taktik erkennen. Er widerlegt uns nicht; das ist er nicht im Stande weil er für sich denkt wie wir, und eine Apologie des Kaporerschlagens und Taschlichmachcns zu schreiben denn doch nicht über sich gewinnen könnte; er stellt sich nur als verkenne er unsere Absicht, als finde er in unseren Mittheilungcn Spott und nichts als Spott, als reiche sein Auffassungsvermögen nicht über das eines gewöhnlichen, ungebildeten, denkfaulen Naivgläubigen. Dadurch hofft er nicht nur trotz Denkgläubigkeit und Häutung wieder Gnade zu finden in den Augen der Herren, sondern auch Sie mit uns zu veruneinigen. Das ist der falschen Rede wahrer Sinn, und wir konnten deßhalb sagen, unser böhmischer Freund sei ein ganz anderer Mann als Ihr Magdeburger College. Was uns aber Vergnügen macht, ist, daß dieser Mann, der eine schiefe Stellung einnimmt wie keiner, unsere Haltung, weil sie eine ge- *) Diese Ansicht wird, zumal in der Allgemeinheit, wie sie der verehrliche Correspondent ausspricht, gleichfalls durch die eben angeführte Thatsache widerlegt. Die Red.