Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-02-16 · Heft 7 (16.2.1845) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 7 (16.2.1845)
Date
1845-02-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2566751-2566964-2566971--1324-2569089
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

54 „gen würde." So denkt, so spricht der acht-, der naivgläubige Jude. Er braucht nicht erst auö einem Mendels sohnschen Nochbehelfe ein System zu zimmern, nicht eine Rettungsbarke in eine Arche zu verwandeln, welche die Gerechten mit ihrem Viehstande bergen soll gegen' die neu eingebrochene Sündfluth; die Friedenstaube, welche der Verfasser ausgeschickt, hat das ersehnte Oeldlatt nicht zurückgebracht; er kann, wie College E t t l i n g e r ferner versichert, „vom allgemein religiösen Gesichtspunkte aus „gesehen, nicht anders als ein rcligionläugnenvcr Ungläubiger er- „scheinen"; und hat nicht auch College Hirsch in Emden Prinzipien, denen des Verfassers gleich, mit im Auge, wenn er behauptet:*) „Durch das Bekenntniß zu solchen Prinzipien hat man „sich unzweideutig von dem Iudenthume losgesagt, zu dem sich „ die bestehenden jüdischen Gemeinden weit und breit bekennen "? Wie viele ähnliche Aussprüche ließen sich wohl noch aus diesen Gutachten, aus diesen oceidentalischen Fundgruben rabbinischer Weisheit und Toleranz zu Tage fördern, wenn wir uns überwinden könnten den finstern unheimlichen Schacht zu befahren. Krakau im Febr. — Dieser Tage ist an den hiesigen Rabbiner Meiscls ein gedruckter Brief, von dem bereits genugsam entlarvten und berüchtigten Hirsche! Lehren und noch einem gewissen El. Abrah. Prinz zu Amsterdam unterzeichnet, angelangt, in dem auf die frechste und ruchloseste Weise die würdige Nabbiner- Bersammlung zu Braunschweig verlästert wird, und die orthodoxen Rabbiner aufgefordett werden, gleiche Schmähbriefe zu schreiben. Zch habe jetzt diesen Brief vor mir, und ich will Ihnen, mein Herr Redakteur, eine sinngetreue Uebersetzunz desselben für Ihr geschätztes Blatt übermachen. Denn so bedeutungslos er auch sowohl wegen seiner Nichtigkctt, als auch wegen seiner schmutzigen Quelle ist, so dürfte es doch von Interesse sein, dieser Klasse von Leuten zu zeigen, mit welcher verachtenden Gleichgültigkeit ihre Schmähungen ausgenommen werden, sowie auch dem christlichen Publikum einen Begriff zu geben, von der Frechheit dieser Leute, und inwiefern sie berechtigt sind, über Intoleranz der Fortschreitenden zu klagen. Jener Brief lautet nun, wie folgt: „An die Herrlichkeit der Rabbinen der Genonim rc. rc. Ihr wißt es wohl, habt es doch gehört, das große Aergerniß, das in Israel geschehen! In der Stadt Braunschweig haben sich nämlich verschiedenartige Männer versammelt, zum Theil Rabbiner, zum Theil noch keine Rabbiner, und unter ihnen ein großes Gemisch von bekannten Epikurfim und Minim. . Sie nannten sich: „deutsche Rabbiner-Versammlung ," und veröffentlichten ein Heft: „Protocolle der ersten *) Trier, a. a. O., S. 2. Rabbiner-Versammlung, abgehalten zu Draunschweig vom 12. bis zum 19. Juni 1844," das die von dieser ruchlosen Versammlung verhandelten und beschlossenen Gegenstände enthält. Es gellen die Ohren vom Hören, die Augen zerstießen in Thränen und es sträuben sich die Haare dessen, der ihre Gotteslästerungen und Schmähungen tieft! fflcm müßte sich darüber die Kleider zerreißen, wegen der Entweihung der „mündlichen Ueberlieferung," deren verpflichtende Kraft und Autorität sie geläugnet haben! Einer unter ihnen war gar so frech und sagte, daß das '/ETI nü’pJ abzubrin. gen sei, damit dem Talmud keine Autorität eingeräumt würde! Ein Anderer sagte, daß die Religion nicht bestehen könne mit dem Talmud und den Poskim, und wieder ein Anderer leugnete die Ankunft unseres gerechten Messias, der über das Volk Gottes herrschen wird; er sagte ferner, daß nicht mehr um die Wiederkehr des Opfcreultus zu beten wäre. W'r halten es für sündlich, alle die Lästerungen und Schmähungen auch gegen die große Synagoge hier niederzuschrciben. Sie haben auch beschlossen, die von dieser festgcstelltcn Gebete abzuändern, die hebräische Sprache aus dem Gebete zu verdrängen, und aus diesem Alles zu entfernen, was die Erlösung und Errettung betrifft, sowie besonders die Mufsafgebete. Auch das Hornblasen und das Lulabschütteln wollen sie abändern, ja selbst die Mezizah abschaffen, die von dem heiligen Talmud geboten wird. Die Sabbath und Festverbote wollen sie mit den Bedürfnissen der Zeit in Einklang bringen, theils durch Bedienung von Nicht-Juden, theils durch Zurückführung der betreffenden Gesetze auf die „ geschriebene Thorah." Mancher sagte sogar, daß der Sabbath gefeiert werden könne, ohne daß man sich von den Arbeiten enthalten müßte. Einer machte auch den Vorschlag, Manches von den verbotenen Speisen zu erlauben. Sie berathschlagten auch darüber, mit einem prüfenden Auge den Schul, chan Aruch durchzngehen und dann einen neuen zu machen, besonders in Bezug der Ehevorschriften. — Von all' dem Gesagten ist zwar noch nichts zur Ausführung gebracht worden; aber schlimm genug, daß sie die Sachen einem Ausschüsse zur weitern Berathung übergeben haben, um das von ihm Beschlossene in der nächstjährigen Versammlung vorzunehmen. Wehe dem Geschlechte, in dessen Tagen sich so was ereignet! Das Ausstößen solcher Worte gegen die große Synagoge, den heiligen Talmuv und die heiligen Poskim, auf die das ganze Haus Israel gestützt ist, weil sie unser Leben und die Dauer unserer Tage sind! Aber sie haben auch schon eine Thal ausgeführt, haben einen in ganz Israel seit 400 Jahren angenommenen Brauch abgeschafft, nämlich das Gebet Kol-nidre. Dieses ist auch ihrer würdig! Denn von jeher haben die Gottesläugner, die Getauften, dieses Gebet boshaft verdächtigt, daß es die Eidschwüre der Juden auflvse, da-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.