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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-02-16 · Heft 7 (16.2.1845) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 7 (16.2.1845)
Date
1845-02-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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LS fasse ich dieses Pech zum zweiten und hoffentlich zum letzten Male an. Ich muß zur Ehre des Hrn. Dr. Mannheimer annehmcn, daß ihm meine Erklärung in der deutschen allgemeinen Zeitung 1843 Nro. 146 unbekannt geblieben ist. Ich habe dort den Verfasser des Machwerkes einen Elenden genannt, habe ihm eine infame Schurkerei vorgeworfen, und der Mensch schwieg, wenn man cs nicht reden nennen will, daß er fortfuhr aus seinem anonymen Verstecke heraus zu schimpfen. Wenn der Bube ein halbwegs gutes Gewissen und einen Funken Ehrgefühl im Leibe gehabt hätte, er wäre mir damals mit Nennung seines Namens entgegen getreten, und er schwieg. Ich denke, das sagte für jeden honnettcn Mann genug, und das hätte gewiß für Hrn. Dr. Mannheimer genug gesagt, wenn er die erwähnte Erklärung gekannt hätte. Man hat auch später die Unverschämtheit gehabt von dem Reform - Verein zu verlangen, er solle einen unverfälschten Brief veröffentlichen, chts wenn der Reform-Verein das Recht hätte, irgend Etwas mit meinen Privatbriefen vorzunehmen, wozu ich nicht die Erlaubniß gebe, freilich wenn er ein so weites Gewissen hätte, wie der Hr. Auszügler! Es ist wunderlich mit diesem Briefe gegangen. Wie man einerseits auf dessen Bekanntmachung drang, um der Reform-Angelegenheit einen Streich zu versetzen, so wünschte man sie andererseits, in der Hoffnung, daß hierdurch der Reform Vorschub geleistet werden würde; ich selbst habe die Uebcrzeugung, daß weder das eine noch das andere erfolgt wäre. Aber wenn ich auch keinen Grund hatte, mich den Forderungen roher Gesellen zu fügen, so hätte ich doch gerne den Bitten sehr verehrter Männer und lieber Freunde nachgegeben, wenn mich nicht eine gegründete Bedenklichkeit abgehalten hätte. Wie die Sache einmal lag, wäre es nothwendig gewesen, daß ich diesen Brief ohne Lüge mitgetheilt hätte, und da wäre ich gezwungen gewesen Manches zu sagen, was ich öffentlich gerade so nicht sagen möchte. Ich bin der Meinung, daß der Kampf, der unter uns entbrannt ist, auf dem Gebiete der Religion bleiben und nicht auf ein anderes gedrängt werden soll; ich möchte der Orthodoxie keine bürgerlichen Verlegenheiten bereiten, möchte nicht daß meine ehrlichen Waffen in der Hand von Judenfeinden 'zu Dolchen umgcwandelt würden, und das hätte leicht geschehen können. Der achtbare Auszügler könnte mir bezeugen, wenn sein Zeugniß überhaupt Werth hätte, daß ich hier die Wahrheit rede, er wußte sehr wohl, warum er von dem Vielen, was ich über den Messiasglauben gesagt habe, nur drei verstümmelte Zeiten aushob. Wenn die Orthodoxie ihrerseits minder bedenklich gewesen ist, wenn sie recht absichtlich einen Meinungsstreit in einen Kriminalprozeß verwandeln wollte, so sollen wir das nicht nachahmen. Ich kann es wohl entschuldigen, aber nicht billigen, wenn man zur Gegenwehr schon hin und wieder denselben Ton angeschlagen hat; noch scheint es mir nicht nöthig zum Aeußersten zu greifen. Es ist das nun einmal die Art der Orthodoxie, was ihr an geistiger Kraft abgeht, das sucht sie durch weltlichen Zwang zu ersetzen. So machte es Salamo ben Abraham schon im 13. Jahrhundert. „In solchem Ge- „dränge nahm der fromme Salamo zu dem Mittel „seineZuflucht, zu welchem die ohnmächtige Orthodoxie, „der inneren geistigen Zuversicht ermangelnd, immer „ greift, er d e n u n c i i r t e. " (Wissensch. Ztschr. f. jüd. Theol. Bd. Z. S. 96.) Und Salamo ben Abraham hat ein vortreffliches Gcdächmiß, noch nach 600 Jahren hat er seinen Operationsplan nicht vergessen. Hoffen wir noch immer, daß die Orthodoxie zur rechten Zeit sich eines bessern besinnt, daß sie durch die ersten leisen Klänge eines gleichtönenden Gegengesanges gewarnt, auf halbem Wege umkehrt. Vielleicht sieht sie ein, daß die rostigen Waffen, die sie zu neuem Gebrauche wetzt, zweischneidige Schwerter sind, an welchen sie sich leicht zu Tode verwunden könnte, daß sie Gefahr läuft, das Gift, welches sie aus dem Talmud und den sich daran rankenden Schmarozerpflanzen braut, an den eigenen Mund setzen zu müssen. Aber freilich, wenn sie in ihrer Raserei beharrt, wenn man uns nicht blos bürgerlich todschlagen will, sondern auch schon darüber nachdenkt, ob uns ein ehrliches Begräbmß zu gestatten sei, dann wäre Schonung Verbrechen gegen die Selbsterhaltung, dann giebt es einen Kampf auf Leben und Tod, was Gott verhüten wolle.

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