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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-02-16 · Heft 7 (16.2.1845) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 7 (16.2.1845)
Date
1845-02-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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51 Aber was kümmert sich der große Seelsorger um solche spitzfindige philosophische Doktrinen! Ihm ist das wahre orgamsche Iudenthum, das bleiche Bild des Rabbinimus, wie er in den mittelalterlichen Iudengaffen zusammengeschrumpft ist, auch die Federn in Haar und Bart, auch der Modergeruch der Kleider, auch der tausendjährige Schmutz, auch Aussatz und Eiterbeulen, alles, alles ist ein untrennbarer Theil des Organismus. Und der Ton in welchem der Mann spricht! Sollte man nicht glauben ein Prophet und Richter sei aus dem Grabe erstanden und habe das Volk vor dem Baal knieend gefunden? Doch nein, ich mag die Schatten der Heiligen nicht erzürnen, daran erinnert er nicht, weit mehr an einen hohläugigen Großinquisitor, der so recht mit Lust Tausende zum Holzstoß verurtheilte. Denn man kann wahrlich dieses Gutachten nicht lesen, ohne sogleich an Bannstrahl und Inquisition, an Tortur und Scheiterhaufen zu denken, darum erhob sich auch allgemein ein Schrei des Entsetzens als diese Bannbulle bekannt wurde, nicht blos unter denen, gegen welche sie geschleudert war, auch solche, welche Hr. vr. Mannheimer zu den seinen zählt, erschracken vor dieser Sprache, wie vor einem Gespenste, das plötzlich aus dem Grabe steigt. Hr. vr. Mannheimer nennt sich einen Seelsorger. Wunderlich genug daß der fromme Mann im ganzen Bereiche des Iudenthumes keinen passenden Namen für seinen Beruf finden konnte und ihn beim Christcnthum erborgen mußte. Sollten nicht auch die Titulaturen ein untrennbarer Theil des Organismus sein? Cr nennt sich einen Seelsorger, aber er hätte wissen sollen, daß nach biblischen Begriffen die wesentlichste Seelsorge darin besteht, daß man seinen Mund und seine Zunge hütet; er hätte wissen sollen, daß von der Grobheit einer Kapuzinerpredigt bis zum Ansehen der dreifachen Krone noch ein weiter Abstand ist. Der feurige Holdheim hat bereits das hohe Pferd, auf welches sich der Seelsorger gesetzt hat, so ganz und gar zu Schanden geritten, hat bereits dessen Unwissenheit so schonungslos aufgedeckt, dessen Anmaßung so unerbittlich gegeißelt,*) daß man es dabei bewenden lassen konnte. Dieser ausgezeichnete Gottesgelehrte hat hier einmal wieder mit so scharfer Sense geschnitten, daß ein armer Nachleser nichts mehr zu thun findet; man *) Uebcr die Beschneidung von Vr. Samuel Holvheim 18t4. sieht wohl daß er auch das biblische Gebot: „du sollst „nicht alles genau auflesen" zu denjenigen rechnet, welche keine Geltung mehr haben. Ich würde daher gerne das Gutachten des Hrn. vr. Mannheimer mit Stillschweigen übergangen haben, wenn ich mich nicht genöthigt sähe, mich meiner eigenen Haut zu wehren; ich kann ihm den Mangel an Kenntnissen leichter als den Mangel an guter Lebensart Nachsehen. Und wahrlich von einem Ueberflusse an guter Lebensart zeigt es doch wohl nicht, daß er seinem Votum über die Beschneidungs- und Reform-Frage auch noch ein Urtbcil über die religiösen Gesinnungen zweier Privatpersonen einwebtc, welches man ihm schwerlich abgefordert hat, daß er sogar die Erlaubniß gab, dieses Urtheil mit abdrucken zu lassen. Und dennoch, wenn es mich nur allein beträfe, ich würde vielleicht geschwiegen haben. Ich nehme eine so unendlich kleine Stelle im Iudenthume ein, daß ich es mir gewissermaßen zur Ehre rechnen kann, wenn man sich die Müde giebt, mich ausdrücklich hinaus zu werfen; aber daß selbst ein Riesser nicht vom seelsorgerischen Fanatismus verschont wird, das ertrage ein Anderer. Hr. vr. Mannheimer will uns die Pille versüßen, indem er uns genial nennt; ich muß jedoch dieses Beiwort eben so entschieden von mir ablehnen, wie ich es für Riesser mir Wärme irr Anspruch nehme. Allerdings ist er genial, der unerschöpfliche Vertheidiger unseres guten Rechtes, so genial, daß er zehnmal zehn Seelsorger mit Geist versorgen könnte, ohne den Abgang zu merken. Und einen solchen Mann wagt Hr. vr. Mannheimer wie einen Confirmanden abzukanzeln! Wie er eigentlich meine religiösen Gesinnungen erfahren hat, ist mir ein völliges Räthsel, da ich nie in der entferntesten Beziehung zu ihm gestanden, nie vordem Erscheinen seines Gutachtens ein einziges öffentliches Wort über unsere religiösen Verhältnisse gesprochen habe. Ich würde ihm nach seinen Ansichten ein schlechtes Compliment machen, wenn ich ihn für einen Propheten hielte, da unter den tiefsinnigen Aeusserungen der Talmudisten auch eine Art vorkömmt, welche sagt, daß seit der Zerstörung des Tempels, die Gabe der Prophezeihung auf Kinder und Narren übergegangen ist. Wenn mich nicht Alles trügt, wenn ich einige Anspielungen richtig deute, so ist der Tert seiner Strafpredigt nichts Anderes als das berüchtigte Memoire. Ungern

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