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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-02-09 · Heft 6 (9.2.1845) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 6 (9.2.1845)
Date
1845-02-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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43 Machtsprüche, nur glaube man nicht daß Schmähungen, Verdächtigungen etwas anders als Verachtung Hervorrufen werden. Wenn Hr. vr. Einhorn erwartete, daß der Reform- Verein sich darüber erklären würde, was man von der Natur Gottes, von der Freiheit des menschlichen Willens u. s. s. zu halten habe, was gar nicht Ln das Bereich der Thätigkeit des Reform-Vereins fällt, so erwarten wir von ihm, als einem Religionslebrer, daß er uns mittheilen wird, ob diese Fragen bereits im alten Testamente eine unzweideutige Beantwortung gefunden haben und wie diese lautet. Wenn e r dem Reform- Verein die Leugnung des Offenbarungsglaubens vorwirft, so verlangen wir, daß er sich vor allen Dingen einmal klar und deutlich über das Wesen dieses Glaubens ausspreche. Ich will mich im,Voraus verpflichten, wenn er darunter die Nothwendigkeit verstehen sollte, gewisse Ausdrücke der Bibel in ihrem schlichten Wortsinne zu glauben, ihn zu zwingen, mit S al am o benAb r ah a m wieder Gott in den Himmel einzuschließen, im entg cgengesetzten Falle aber ihn zu dem Geständnisse zu n öthigeu, daß es jedem Israeliten frei stehe, die Bibel und seine Vernunft ganz nach seiner eigenen Einsicht auszugleichen. Es ist übrigens höchst sonderbar, wie mitunter mit dem Glauben im Iudenthume verfahren wird. Wo es gerade dient, betet man Mendelssohn die Behauptung nach, das Iudenthum habe keine Glaubensartikel, und wo es wieder anders dient, bezeichnet man den Glauben an gewisse Dinge als die unerläßliche Grundlage des Iudenthums. In den „rabbinischen Gutachten über die „Verträglichkeit der freien Forschung mit dem Rabbiner- „amte" finde ich eine Aeußerung des Herrn vr. Einhorn welche so lautet (S. 133): „Wo hätte je das Iudenthum die bloße Aeußerung „einer Ansicht, welche dem Bestehenden zuwider- „ läuft, verpönt und verdammt, oder deren Ver- „ treter des Rabbineramtes für unwürdig erklärt „ und sogar mit dem Namen eines Copher gebrand- „ markt, das ächte Iudenthum, das trotz Maimo- „ nides keinen Dogmenzwang kennt, dessen Facto- „ tum die That ausgemacht? " Das ächte Iudenthum muß binnen Jahresfrist sehr wetterwendisch geworden sein! (Forts, folgt.) Geschichte des Tages. Wiesbaden im Januar. Ein hiesiger jüdischer Einwohner, dem Geiger seiner Zeit als Rabbiner nicht orthovor genug gewesen, auch ein sich so nennender Vertreter der Altgläubigen , hat für gut befunden, wie es heißt, um einer gegen ihn wegen geleisteten Meineids eingeleitetcn peinlichen Untersuchung arw dem Wege zu geben, die hiesige Start und Gegend zu verlassen. Seine Gläubiger sehen seiner Rückkehr sehnsuchtsvoll entgegen, da er es nicht für nkthig erachtet zu haben scheint, seine etwas verwickelten Vrrmögensverhäftuisse vor seiner Abreise zu ordnen. st Berlin. Wenn nicht die gute Sache der freien religiösen Forschung unv des praktischen Fortschritts das Zeichen des Sieges an ihrer Stirne trüge; wenn irgend eine Hemmung in idrem erobernden Laufe von jenen: unbeweglichen Schppnsstein derNeaclion zu fürchten wäre, so würde ich heut als ein treuer Thurmwarr des freier« lautern Judenthuins ein Feldgeschrei erbeben, und in das bewegte Lager der Unfern rufen: Simson auf! Philister über dir'. Eine geheime Verschwörung ist entdeckt; es giebt eine orthodore Propaganda die im Finstern schleicht, und Zunder sammelt zu einem großen Bannstrahl, der gegen die sündigen Häupter res modernen Iudenthums losgelassen werden soll. Es circulirt unter den ehrwürdigen Vätern der s. g. altgläubigen Parthei, ein fulminentes Manifest gegen die Theilnehmer der Bramischweiger Rabbiner-Versammlung sammt und sonders, gegen ihre Berechtigung irgend ein entscheidendes Urtheil abzngeben, und gegen die Verbindlichkeit ihrer Beschlüsse; ein Manifest, welches nicht nur die betreffenden Rabbiner crconnnunicirt, sondern auch den Gemeinden die den künftigen Congrcß beschicken, oder sich den Bestimmungen derselben unterwerfen sollten, mit dem Interdikte droht. *) An das hiesige Rabbinat gelangte diese Erklärung unmittelbar aus Altona uns sobald die gehörige Zahl der Unterschriften gesammelt , dann tritt die geharnischte Bulle unter dem Zeichen des Krebses in den Horizont der Gegenwart und der Blitz von hundert verwaisten Klausen wird mit dein Licht des neunzehnten Jahrhunderts seinen Wettkampf beginnen! Run ihr Brutuse des modernen Judenthums, ihr schlaft? Das ist der Zettel, den ich euch an die Pfosten eurer Thüre nagle, — rettet, befreiet, stellet her! Mein ist die Schuld nicht, wenn Ihr überfallen und besiegt werdet —•! Haha! Wer lacht da? — ich glaube, ich war es selber! *) Wir sind durch die Güte eines andern Correspondenten in den Besitz dieses Circulars gekommen und werden es in der nächsten Nummer mittveilen. Die Red.

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