Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1845)
- Date
- 1845-02-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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30 nicht etwa aus den Schachten der tiefen gelehrten Forschung auf« gestiegen ist. Wenn dieser Hermes-Leichenführer aller jugendlich strebenden Kräfte, nicht mit den ihm eigenthümlichen galvanischen Zuckungen des Geistes „dem Acheron der Starrglau- „bigkeit ein Todtenopfer zuführt, so wandelt er selbst wie ein „Schatten an den Ufern der lichten Oberwelt, und erzählt uns „Geschichten bei denen wir schon längst gegähnt und uns geärgert „haben." — Eine eigenthiimliche Schrift hat uns schon das neue Jahr gebracht, die des ErwähnenS werth ist. Ein protestantischer Dorfpfarrer, vr. M. L ö w e n st c i n „ schrieb über Judcnbekeh- „rung und Judcnemancipation in besonderer Beziehung auf Preu- „ßen". Der Verfasser ist selbst jüdischen Ursprungs, ist aber trotz seiner Anhänglichkeit an das Christenthum, nicht zu dem evangelischen Eifer res heiligen Hengstenbcrg und seines bekehrten Saulus, des 1)r. Frankel aus dem frommen Wupperthale gelangt. Im Gegcnthcil, obwohl er im Christenthume das höchste und einzige Ziel aller Bestrebungen für die Juden steht, so ist er doch ein ehrlicher Feind des Missionärunwesens, und des Begriffs-Undings vom christlichen Staat. Er redet mit allen schon tausendmal aufgedcckten Gründen der völligen Emancipation das Wort, die nach seiner Ansicht, der Anfang der Bekehrung im christlichen Sinne sein müsse. Trotz des apostolischen Hindergrunds, der selbst bei den Wohlwollendsten noch die Aussicht auf den reinmcnschlichen und gerechten Standpunkt verreckt, zeugt diese Schrift von einer gesunden tüchtigen Gesinnung, und ist unseres Dankes werth. Die Schreibart des Verf. ist jedoch etwas altmodisch; das Schriftchen hat daher neben mancher derben Wendung, noch vieles von der Pcdanterei des Eelehrtenstyls aus dem ancien rechne, und wimmelt von Citaten und Noten, die oft zu nichts dastehen, als um die Rcminisccnzen jahrelanger Lectüre gelegentlich aus dem Collcktaneum zu befreien, und sie in die Spältchen der Darstellung, zu mehrerer Ansehnlichkeit und Würde, zu stopfen. Frankfurt a. M. im Januar. Die Anstalten zur zweiten Rabbiner-Versammlung werden hier eifrig betrieben. Vom Senate ist die Erlaubniß dazu eingeholt, der Gemeinde-Vorstand bat ein eignes Local dazu angewiesen, und eine Commission ernannt, welche alles Erforderliche zu besorgen hat; der Rabbiner hat mit Rabbinen benachbarter Städte Besprechungen deßhalb gehabt; alles läßt hoffen, daß die Versammlung stärker als die erste besucht werden wird. Ein höchst wichtiger, in Braunschweig bereits angeregter Punkt betrifft die Reisekosten der die Versammlung besuchenden Rabbinen und Prediger, die nicht alle so gestellt find, daß es ihnen leicht fiele, sie aus eignen Mitteln zu bestreiten. Diese Kosten würden billig von den betreffenden Gemeinden getragen, deren Vorstände wohl allenthalben die Wichtigkeit dieser Versammlungen für unsere Glaubensgenossen, für die deutschen insbesondere, einsehn, und für Herbeischaffung der erforderlichen, verhältnißmäßig unbedeutenden, Mittel Sorge tragen werden. Der günstige Eindruck, welchen die Versammlung zu Braunschweig aus das gewiß unpartheiische christliche Publikum gemacht, der sich am besten aus der inzwischen erlassenen Verordnung dortiger Regierung wegen des Juden-Eives abnehmen laßt, wirr übrigens mehr geeignet sein, Einsichtsvolle auszuklären und zu bestimmen, als die hämischen Insinuationen res Hrn. Frankel ::j in Dresden, der als Tenkgläubiger, Reformer mit Maas, und entpuppter Schmetterling pamrcn will , und für seine Ansichten, wenn cs ihm mit denselben Ernst wäre, viel von diesen jährlichen Versammlungen zu erwarten hätte, denen sie nichts desto weniger ein Dorn im Auge zu sein scheinen. Bei dieser Gelegenheit in uns die Lebcnsregcl wieder eingefallen, welche ein alter Talmudlehrer in unserer Ingens uns gegeben, nämlich keinem Böhmen Zutrauen, wie auch geschrieben stehe: N'E' “i:n £rp2 ■’r.N' (er las Bcihm), eine Auslegung und Anwendung, die nicht mehr und nicht weniger haltbar scheint, als viele andere im Talmud und in rabbinischcn Schriften. Daß Herr Samuel Hirsch m Lurembnrg, rer gegen die hiesigen Reformfteunde mit ftlch' 'philosophischer Grobheit ausgetreten, sich gegen Hrn. Frankel, jedenfalls eine derbe Zurechtwemmg verdiente, ,o klemmürhig gezeigt^), bedauern wir seinetwegen, weil dies von geringer Einsicht und unsicherer Haltung zeigt. — Es treibt sich seit euuger Zeit hier ein polnischer Jure herum, f) der insoftrn zu een Ausnahmen gehört, als er vom eigenen Gelee lebt, und eine hebräische Brochüre gegen die neuen Rabbinen, insbesondere gegen Holdheim hat drucken lassen; sie soll, wie wir hören, ein Ausfluß der alten bekannten polnisch-jüdischen Arroganz und Ignoranz sein. Die Natur hat es diesen polnischen Juden an Geist nicht fehlen lassen, aber „der Talmud ist in der polnisch - iiidsschen Schule", wie Bernays schon bemerkt, -hss) „zur tödtenden Er- „sticknngsbullc aller geistigen Regung" geworden, nnv läßt st'e „cntgeistigt und idiotisch rahinwelken." Auch ihnen wird eie Stunde der Erlösung schlagen, ihr Geist, von seiner Fessel befreit, wirs sich laben an der Quelle europäischer Wissenschaft, ihrem Auge wird sich erschließen das Reich des Schönen, dann werden frcitut) schwinden Dünkel, Verblendung und Selbsttäuschung, aber auch Müsfiggang, Schmutz und Elend, unv sie werden mit der Gefittung den Werth des Bürgerthums kennen lernen und die Fähigkeit zu demselben erlangen. *) Dessen Zeitschrift, 1844, H. 8. **) Edenv., 1844, H. l. ***) Orient 1844, No. t) Es ist dies kein anderer als der in No. 4 von Krakau aus fignalifirte Heilpern. (A. -. Red.) -i-h) Der bibel'sche Orient, S. 54.