Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1845)
- Date
- 1845-02-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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40 Eisenach. Die nächste Raddiner-Versammlung, i Wir freuen uns, nachstehend unseren Lesern über diese Versammlung ein Schreiben des Kirchcnraths Maier an den Gemeindevorfiand in Frankfurt a. M. sowie die Ainwort des letzteren mittheilen zu können. Wir gedenken hierbei, daß die Einladung zur Teilnahme an dieser Zusammenkunft von dem, durch die erste Rabbiner-Versammlung hierzu ernannten Ausschuß bewirkt werden wird, und daß sicherer Kunde nach die Mitglieder der Commissionen fleißig an den ihnen aufgctragcnen Geschäften arbeiten. No. 1. An den Wohllöblichcn Vorstand der isracl. Gemeinde in Frankfurt. Wie ein wohllöbl. Vorstand aus dem hier angeschlossenen Protocolle gefälligst entnehmen wolle, hat die erste in Braunschweig abgehaltene Rabbiner-Versammlung als den Ort der nächsten Zusammenkunft Frankfurt, und als den Termin hiefür den 15. Zuli l. Z. bestimmt. Längst schon würde ich als Vorsitzender jener Versammlung eine jenseitige verchrliche Stelle hiervon in Kcnntniß gesetzt haben, hätte ich nicht den Druck der Protocolle, aus welchen die Zwecke, welche diese Versammlungen anstreben , am deutlichsten zu ersehen find, abwarten wollen, um ein Exemplar derselben bcizulcgen. Indem ich mich nun hiermit dieser Pflicht entledige, glaube ich nicht einen wollöbl. Vorstand auf die Wichtigkeit dieser Versammlungen erst aufmerksam machen, noch die Bitte um Unterstützung derselben hinzufügcn zu dürfen. Der Einsicht eines vcrehrlichcn Vorstandes werden die fruchtbaren Keime, welche für . bessere Gestaltung des Zudenthums in diesem jungen Institute enthalten sind, nicht tmganyui sein, sowie von dessen Eifer für alles Gute, die Unterstützung und Förderung dieser Anstalt vertrauensvoll erwartet werden darf. Aus eben diesem Grunde enthalte ich mich unter Hinweisung auf tz. 5 der Statuten (Prot. S. 7) jedes weiteren Vorschlags hinsichtlich der Anstalten, welche für diese Versammlung zu treffen sein dürften. Die Weisheit eines wohllöbl. Vorstandes wird das Zweckdienlichste vorzukehren wissen, und der Edelsinn, welcher die Israeliten Frankfurts auszeichnct, sichert ohnehin jedem, der an dieser Versammlung Theil nehmen wird, eine fteundliche Aufnahme im Voraus zu. Verbinden würde mich übrigens die .jenseitige Stelle, wollte dieselbe die Güte haben, mich von dem, was sie in dieser Sache zu thun für gut findet, in Kennmiß zu setzen. Mit ausgezeichneter Hochachtung ic. Kirchenrath Maier. No. 2. Der Vorstand der isracl. Gemeinde in Frankfurt Sr. Hochwürden dem Herrn Kirchenrath vr. Maier in Stuttgart. Aus Ihrer werthen Zuschrift vom 21. v. M. und aus den uns gütigst mitgcsandten Protocollen haben wir mit wahrer Freude entnommen, daß unsere Stadt als der Ort der nächsten R.-V. bestimmt worden ist. Wir wissen die uns dadurch zugedachte Ehre vollkommen zu würdigen und es möchte wohl kaum der Versicherung bedürfen, daß wir gerne bereit find, ein Institut zu befördern und zu unterstützen, welches sich die, durch die Zeitläufe so bedrängte bessere Gestaltung des Indenthums und den wahren Fortschritt unserer Glaubensgenossen zur Aufgabe gestellt hat. Bei unserer Staatsbehörde haben wir bereits um Erlaubniß zur Abhaltung der auf den 15. Juli 1845 projectirtcn Versammlung nachgesucht, und nach erlangter Genehmigung werden wir nicht verfehlen, alle erforderlichen Schritte einzuleitcn, damit der Aufenthalt so vieler würdigen Männer in hiesiger Stadt, nicht nur, wie zu erwarten steht, als ein erfolgreicher, sondern auch in socialer Beziehung als ein angenehmer von denselben betrachtet werden könne. Von den später zu treffenden Anstalten für die quästionirte Zusammenkunft werden wir die Ehre haben Ew. Hochwürden s. Zeit in Kcnntniß zu setzen und wollen indessen diesen Anlaß benutzen, Sie unserer ausgezeichneten Hochachtung zu versichern, womit wir verharren. Frankfurt den 1. Dezember 1844. Der Vorstand der israel. Gemeinde Emanuel Höchberg. A. Maas. Heidelberg: Erwiederung des Rabbiners Fürst. (Forts.) Die israel. Gemeinden der ehemaligen Rhcinpfalz bildeten eine Gesammtgeineinde unter dem Namen „rheinpfälzische Landjudenschaft" Qybxzz ruHD bnp> Diese hatten ihren Oberrabbiner, dessen Sitz in ftüheren Jahren hier, später in M a n n h e im war. Neben diesem Oberrabbiner war hier ein Stiftungsrabbiner, der die Verpflichtung hatte, iu den jüdisch-theologischen Lehrgegenständen Unterricht zu ercheilen. Die Stistungskasse bestand theilö aus Legaten und Schenkungen zu diesem Zwecke, theils aus Beiträgen ver einzelnen Familienväter der Rheinpfalz — es mußte nämlich jeder junge Ehemann 1 Prozent seiner Mitgift in die Stiftungskasse entrichten. — Außer dieser Stiftungskasse hatte die Landjudenschaft auch ihre Gesammtgemeindekasse zum Zwecke der Entrichtung der Inkognitionsgeldcr, der Besoldung des Oberrabbiners u. dgl. m. Nachdem diese beiden früher sehr reichen Kassen durch mehrfache Unglücksfälle ziemlich herabgesunkcn waren, beschloß das ehemalige Neckarkreis-Direktorium im Jahre 1822, daß beide Kaffen zusammengeworfen, und zur Errichtung einer Bezirks- Elementarschule dahier verwendet werden sollen. In contineuti protestirre der Großherzogliche Obcrrath der Israeliten gegen diese Maaßregel, „daß in dem Begriffe einer Elementar schule immer etwas Lokales liege". Dies zeigte auch der Verlauf rer Sache, die Schule war dem Namen nach eine Bezirksschule, thatsächlich aber blos eine Elementarschule für die hiesige israel. Gemeinde, und sämmtliche berechtigte Gemeinden mußten sich eigene Schulen, ohne Rücksicht auf das Bestehen jener Bezirksschule errichten. Diese Bezirksschule wurde sogleich bei ihrer Errichtung dem damaligen Schulkanditdaten Reh fuß übertragen. Als ich nicht lange darauf zum Dezirksrabbiner dahier erwählt und ernannt ward, äußerte sich in mehreren Gemeinden der Wunsch, die beregre Veränderung wieder anzufechten, welche Aeußerung von Jahr zu Jahr lauter uud allgemeiner wurde, — allein da hierdurch der selige vr. Rehfuß mit seiner Familie brodlos geworden wäre, so gab ich mir alle erdenkliche Mühe, die betteffendcn Gemeinden von ihrem Vorhaben abzubringcn, was ich durch eine Menge rer bewährtesten Männer bezeugen kann. (Forts, folgt.) Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe iu Offenbach.