Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1845)
- Date
- 1845-02-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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AS Avflcht nicht ist, den Auffatz Schritt vor Schrttt zu verfolgen, so greifen wir auf gut Glück zu, und finden auf S. 7: „das liebende „Vcrhältmß zwischen Vater und Kindern ist der Ausdruck des gan« „;en Complercs des (indischen) Glaubens." Ja wohl, das Verhältnis' zwischen Vater und Kindern, aber nicht das heutige, europäische , abendländische, liebende, das uns mit Wehmuth erfüllt bei den einfachen Worten des Dichters : „es ist der Vater mit „seinem Kind", sondern das astatische, morgenlandische, patriarchalische, wo der Vater zugleich Stammhaupt, Selbstherrscher, Richter, gar Vollstrecker ist; da wird die Liebe von Ehrfurcht, und diese von Furcht übcrwogcn; ras ist ein ganz verschiedenes Bcrhältniß; deshalb heißt es: „aller Dinge erstes ist die Furcht „Gottes" *) nicht die Liebe zu Gott, und Hr. Iosep h Hirsch, Rabbiner;u Crcuznach gab die jüdische Ansicht über dieses Verhältnis richtig wieder, als er seiner Gemeinde die Einweihung der Synagoge am Vorabend des “"“i nicht erlaubte, weil es unstatthaft sei, am Tage des göttlichen Gerichtes über Leben und Tod, vor dem allmächtigen Weltenrichter mit Musik zu erscheinen. ü Berlin. Ein gefälliger Zeitungswind wehte mir schon früher, ich weiß nicht woher, die Nachricht zu, daß der „Israelit des 19. Jahrhunderts" mit dem neuen Jahre seinHoflagcr in der gurcn freien Stadt Frankfurt aufschlagen werde; und ich freue mich im Herzen darüber, daß wir Correspondentcn, die Gaugrafcn und Herzoge in partibns iuückoliuw die wir in den fernen Grenzgebiercn über Alles, so um uns vorgcht, das Gericht hegen und das Land vor den Einfällen unserer slavisch-polnischen Nachbarn schützen, einmal in der alten würdigen Reichsstadt zur Huldigung erscheinen sollten. In der That ist Frankfurt, der Heerd der neuen lebcnsftischcn Bewegung, der würdigste Platz-, wo der wahre Israeli: res 19- Jahrhunderts wirken und schaffen soll; und man darf daher mit voller Ucbcrzcugung zu dieser Umpflanzung den innigsten Glückwunsch rem Blatte und der guten Sache die cs vertritt, darbringcn. Für dicßmal können wir aus unsrer Mark nichts besseres berichten, als daß wir uns vorgenomnren, der guten Sache, der wir dienen, ferner treu, hold und gewärtig zu bleiben, und mit Gott, für die Ehre ihrer Farben zu leben und zu streiten; und wenn wir auch nicht wie unser unbekannter Vetter Liebden, der weithinzielenvc S ch ü tz e von Frankfurt, der jetzt erst recht im Rohre fitzt, und sich Pfclle schnitzen kann nach Herzenslust, jeden Tag einen *) n&rp “Qi bi rw&n **) Allgemeine Zeitung des Judenthums, I. 1844, No. 48. guten Sttauß ausfechten werden, so wollen wir doch auch das Schwert in seiner Scheide nicht einrosten lassen, sondern es kräfttglich schwingen gegen des Wahrheitsreiches blinde Erbfeinde, wo sie sich nur immer zeigen. Seitdem ich über die Antrittspredigt des Hrn. Dr. Sachs berichtet habe, ist eine geraume Zeit verflossen; und wenn ich alles, was seine äußere Wirksamkeit bis jetzt gewesen, darlegen wollte, so müßte ich den prüftmgsvollen stillverklärten Pfad verfolgen, auf dem er in seinen Predigten die alten Erzväter treulich begleitet; wie er da auf hohem Kameele der Gläubigkeit bald durch den sonnenvergolveten Sand, bald durch die paradisischen Ebenen der heiligen Geschichte einberzieht, hier eine schimmernde Mioraschperle aufhcbt, um die Sinne zu ergötzen, dort ein Brünnlein grabt, um einen kräftigen Trunk zu reichen, und dort Händel anfängt mit den Ungläubigen und Unbeschnittencn, die sich anmassen, die Religion des Mägdlein Dina, auch für sich zur ehelichen Gemeinschaft zu fordern. — Außer dieser Predigt-Wirksamkeit, über die übrigens die Stimmen im Publikum sehr getheilt find, ist noch nichts Besonderes zum Vorschein gekommen.; doch hört man. daß Hr. Sachs damit umgehe, einige Verbesserungen im Gottesdienste einzusühren, und die theologischen Studien mancher Rabbinatscanditaten durch Privatvorlesungen oder dergl. zu fördern. Wir werden mit Freuden die Ersten sein, jedes wirklich lebendige Schaffen und Wirken des Herrn Sachs öffentlich zu würdigen. Sein Vernehmen mit Herrn Oettinger und den andern Rabbinatsmitglicdern ist die englisch-französische entende cordiale, die sich hinter dem Rücken doch mit scheelen Augen anfieht. — Das Zeitungszcschwätz von einer stundenlangen Audienz des vr. Sachs bei dem Minister Eichhorn, und von demnächst zu erwartenden Cultusreformcn auf „wissenschaftlich-ortbdorer Grundlage" beruht auf dem einfachen Faktum, daß Hr. Sachs dem Minister als neuer Gemeinde-Beamter, seine Aufwartung machte; ein bloßer Hinweiß auf die Schlußworte des, auch in Nr. 51 d. Bl. vom vorigen Jahre, mitgetheilten Ministerialrescriptes an die Breslauer Gemeinde, genügt um alle derartigen Prophezeiungen, daß der Staat eine Richtung auf Kosten der andern begünstigen, und nicht vielmehr eine dem Geiste des Judenthums angemessene freie Entfaltung Massen werde, völlig zu Nichte zu machen. — vr. Stern hat hier öffentliche Vorlesungen für das größere Publikum angekündigt „über die Aufgabe des Judenthums und des Juden in unserer Zeit"; die Frequentation derselben dürfte den besten Höhemesser für den Grad des Interesses abgeben, das man hier an den Fragen des Judcnthums nimmt. — In: literarischen Leben ist es ziemlich still; die neuesten Hefte der Frankelschen Zeitschrift bewegen sich in einem Dunstkreis von Langweiligkeit, der aber