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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-02-02 · Heft 5 (2.2.1845) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 5 (2.2.1845)
Date
1845-02-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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sich des Beifalls der Geistlichkeit zu erfreuen haben. Hr. Frankel, indem er der naivglaubigen Partei daS Zeitwort: glauben vorconjugirt, sucht sie zwar dadurch zu beschwichtigen, daß er mit: ich glaube, du glaubst, ansängt, und in Beziebung auf den Reform- Verein hinzusiigt: er glaubt nicht; das geschieht aber ganz willkührlich und unberechtigt, und riecht etwas nach Oberrabbinismus. Der Glaube der hiesigen Neformftcunde und der des Hr. Frank e l sind einer und derselbe, und sie find nur verschiedener Ansicht über die Empfänglichkeit derer, bei welchen man ihn zur allgemeinen Geltung bringen will, unserer Glaubensgenossen nämlich- Daher find seine Ausstellungen an der hiesigen Reform nicht theologischer, sondern psychologischer, moralischer, politischer Natur nicht von dem Iudenthmne, sondern von der Iudenheit hergcnommen. Von Sophisterei und Wortschwall entkleidet, sagt der Aussatz zu den hiesigen Reformfreunden: Ihr kennt die Juden nicht, und schüttet das Kind mit dem Bade aus; haltet nur eure Taschen und Tbiiren zu, sie kennen dann kein Gebot mehr; auch habt ibr eine Aussicht bei ihnen durchzudringcn; sie haben sich Iabrhnnd rrte in all das Zeug hincingelebt, und lassen sich so mit einem male große Fetzen davon nicht entreißen; sie sind gefräßig, und, gewohnt das Obst mit der Schale zu verschlingen, welche ihnen ein Thcil des Ganzen scheint, geben sie diese nicht gutwillig her; idr seid Tölpel und fallt mit der Thür in's §>aus; Pfuscher seid ihr, versteht die Kunst nicht und verrathet den Meister; Dilettanten, die dem Gcwerbsmanne das Brod vor vem Munde wegnehmen, Verschwender, die in einem Tage durchbringen, woran ein Oberrabbincr sein Lebenlang zehrt, und wovon er noch seinen Nachsolgeru übrig läßt; wollt ihr vielleicht, daß sich in Zukunft Rabbinen begegnen, ohne mehr einander auszulachcn? „Maßlose"! In Dorten wird dieß begreiflich nicht ausgesprochen; allein es ist die Stimmung, in welcher der Aussatz versaßt worden, cs ist der Geist, der ihn durchweht, es ist der Gedanke, der ihm zum Grunde liegt. Entschwunden ist die schöne Zeit, wo man einen „bibel- „ scheu Orient" schreiben, zugleich Ehacham werden, und sich in Rabbcnu - Tams - Tefillin zeigen konnte. Macht Phrasen und Dorre auf Kanzeln und in Dethäusern, welche und soviel ihr wollt, aber schreibt nicht, wenn ihr nicht erkannt sein wollt; das merke sich Hr. Frankel, und daß einem deutschen Lese-Publikum klingende aber hohle Redensarten nicht böhmische Dörfer find. Es ist cm gewöhnlicher, leicht erklärlicher Fehler unsrer Rabbimn, daß sic, auch wenn sie schreiben, häufig in den Prediger- Ton fallen, und man könnte geneigt sein, damit zu entschuldigen, daß auch der Aussatz diesen Ton anschlägt. Allein Hr. Frankel hat seinem eigentlichen Wesen nach rieft Richtung nicht, er ist an wissenschaftliche Bebandlung seines Gegenstandes gewödnr. und wir finden;. B. nicht, daß seine Abhandlung: „Neber Oeffem- „lichkeit und Mündlichkeit res Gerichtsverfahrens nach mosaisch- „talmndischem Rechte"'-) den Prediger verrarhe. Das aber ist es eben; weil er nicht die auf dem Wege wissenschaftlicher Forschung gewonnene Neberzeugnng frei heraus sagen darf, weil Lebens¬ und Pastoral-Klugheik, Rücksichren aller Art ihm die Feder führen, weil er gezwungen und mit Widerwillen ein ihm fremdes Feld betritt, muß er den Mann rer Dissen'chaft verläugnen, Phrasen statt Resultate, Schein für Wirklichkeit geben, auf der Oberfläche bleiben statt in die Tieft ut steigen, mic einem Worte, er muß sich versachsen. Darum haben wir schon unser Bevancru ansgedrückt, daß Zun; und er sich neben ihrer unwürdigen Genossen in dieftn Kampf eingelassen, und die Achtung derer, die sie wahrhaft zu würdigen wissen, ans das Sr-iel gesetzt haben. Wir haben nun den Borwurf der Sovdisterei und des Wortschwalls, welchen wir dem Aussätze gemacht, zu rechtfertigen, und wollen oieß an einigen Säßen aus den vielen, die sich darbieren, versuchen. Insbesondere pathetisch ist der Eingang. wo vorn Iudenthume gehandelt wird, der jedoch, mehr ans den Esseki berechnet als wahr und durchdacht, weit, sebr weit über das Ziel hinansssamt. Ja. „es har vas Iuven- „thum nicht vergeblich seine Kämpft durch so viele Jahrhunderte „durchgemacht; es har das Iudenthum nicht vergeblich feine Ströme „gegen Morgen und gegen Abend en:>arwt, mit seinem Lichte w „vielen Völkern vorgelenchrei, die noch heute, sich dessen bewußt „oder unbewußt, in ftmen Strahlen sich sonnen; es hat das Inden- „thum mit unzähligen Geschlechtern sich ftrtgebildet, sie selbst zur „Fortbildung angetrieben." Ist es aber danach zu verwundern, wenn der Strom, welcher vor Zeiten das Morgenland als Inden thum durchstoßen. stch nun nn Abendlande als Christenthum er gießt? Ist es nicht naturgemäß, daß der Bergstrom, wenn "er sich in einen See verwanaelr, Gestalt und Namen verändert, und de findet sich der S o n d e e g l a u b e, wenn er Aeltreligion wird, in andrer Lage? Wie der Frosch in ver Fabel zerplatzt rie aufgeblähte Phraft, und lest sich auf — in christliche Welt- Anschauung. Und wenn sich Geschlechter fortgebildet haben im Indenlhume und dieses in ihnen, .. cmrrrt unsre Zeit sich in Titanen „große gegen dasselbe, sieht sie mit Verachtung auf ras Iudenthum „herab," weil sich in und an ihr diese Fortbildung manifestirr^ Hat sich das Iudenthum „überlebt, aufgezehrt, und ist aus ihm „der Geist entwichen", well er reife Früchte, jedenfalls frische Dlütben zeigt? Von solcher tönenden Rede kann ein Zuhörer betäubt werden, bei dem senkenden Leser bringt sie eine der beabsichtigten entgegengesetzte Wirkung hervor. Da es unsere *) Denen Zeitschrift.!v44, Heft 4.

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