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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-02-02 · Heft 5 (2.2.1845) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 5 (2.2.1845)
Date
1845-02-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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den heiligen Idealfrieden, wie er noch unter Lessing über ihr lagerte, aufgcben mußte, und nicht mehr getrennt von der Welt und den geschichtlichen Ereignissen, die sie in Bewegung setzen, an der Tafel der olympischen Götter im Nektar und Ambrosia schwelgen konnte, sondern frisch eingreifen in das Leben und die bittern Pillen verschlucken mußte, die es seinen Kämpen reicht, dadurch aber auch gerade auf das Leben einwirkte, die rauhen Ecken abschliff und natzonal'e Begeisterung und idealen Aufschwung schufkann selbst die N el igion in ihrer friedlichen Umzäunung nicht mehr verharren und, wie in frühem Jahrhunderten, dem Leben abgewandt bleiben, in kindlicher Behaglichkeit und bewußrloser Unschuld im Ucberirdischen schwelgend, und die Menschen eben daher in zwei Lager theilend, die entweder dem Leben entfremdet in stiller Klause einem beschaulichen oder, bei den Juden, grübelnden Leben sich hingcben, oder als sogenannte Weltkinder den gordischen Kneten zerhauen so gut es eben gehen will, sondern wie die Wissenschaft so muß auch die Religion hervor an's Tageslicht und im Kampfe mit dem Leben ihren heiligen Beruf bethätigen. Es muß aber sich Alles an dem d'ebcn bctbciligen, gemeinschaftlich soll gewirkt werden und die zersplitterten Kräfte müssen sich associiren, und das eben ist die Kraft unsers Jahrhunderts; man will und soll aber dabei der Idee nicht entfremde: werden, sondern in der Wirklichkeit das Höhere festhalten, in dem Leben, an dem man sich betheiligen muß, die Religion nicht als ein abseits liegendes Terrain gelten lassen, in das man, wie Moses einst in das gelobte Land, blcs aus der Ferne schauen könne, ohne es betreten zu dürfen. — Dies ist der Charakter unsers Jahrhunderts : auch die Religion muß in das Leben treten. Wenn dabei vorzüglich das Iudenthum zur Sprache kommt, so liegt dies einmal in seinem ursprünglichen Wesen, wodurch dasselbe eben weniger durch dieLehrc, so groß und so ausgezeichnet diese auch war — aber wohlgemerkt eben dadurch, daß sie der Vernunft nicht dogmatisirend gegenüber trat, sondern gerade mit dem Leben und den Aussprüchen des gaffenden Menschenverstandes in Uebereinstimmung blieb — als durch Satzungen und Anordnungen für das Leben seine Anhänger von Andern scheidet; sodann in der Geschichte der Juden, welche so lange von aller Teilnahme an dem Leben zurückgedrängt waren, dcßhalb in eine eigene Welt sich einbauten und auf das Leben draußen in der Bildung ihrer religiösen Institutionen keine Rücksicht nahmen und keine zu nehmen brauchten, so daß es in der Natur der Sache liegt, daß jetzt, wo sie in das Leben eintreten sollen, wo die Betheiligung an dem Leben ihr heißester Wunsch, gleichsam zu einer religiösen Begeisterung bei ihnen gediehen ist, jene Institutionen mit dem neuen Leben nicht selten in Collision kommen müssen, und. sie ihr Augenmerk darauf zu richten gezwungen sind, wie sie die religiösen Satzungen mit dem Leben versöhnen, wie sie eingehcn können in das Leben, ohne den wesentlichen Inhalt ihrer religiösen Anordnungen aufzugeben. Daß die Sache ihre Schwierigkeiten hat und tausend Hemmnisse ihr cntgegentreten müssen, wird jedem klar werden, der den Gegensatz der Zeitverhältnisse in seiner nackten Blöße sich vorzuführen die Kühnheit hat: früher factische, gewaltsame Ausscheidung aus dem Leben von außen, und der Wunsch ausgeschieden zu bleiben, und hier vorzüglich sind die größten Steine gehauen worden zu der chinesischen Mauer — der Satzungen, durch welche man sich gegen das Leben hermetisch absperrte; jetzt von außen eindringen zur Betheiligung an dem Leben, von innen das Streben und Ringen darnach: wie sollen nun jene Steine ausgebrochen werden, ohne daß das ganze Gebäude wankend werde? — Dies ist offenbar die Aufgabe. — Und gerade für den Sabbath ist diese Ausgabe von besondern Schwierigkeiten umgeben. Der Sabbath ist schon im mosaischen Gesetze unter allen äußern Satzungen am meisten hervorgehoben; er ist das Bundeszeichen zwischen Gott und Israel, weit mehr als die Beschneidung. Ja, seine Stelle im Dakalog mitten unter den erhabensten Grundlehren des Glaubens und der wichtigsten Geboten des Sittengesetzes, so wie die Anempfehlung desselben durch die Propheten, welche fast alle übrige Satzungen übergehen, an Stellen, wo sie Gerechtigkeit und Liebe und Weihe des Lebens zu heiligem Gottesdienste als der Menschheit höchstes Ziel begeistert verführen, lassen kaum die Meinung abweisen, daß der Sabbath mehr noch als Zeichen im gewöhnlichen Sinne, daß er vielmehr wirklicher, unmittelbarer Ausdruck des göttlichen Bundes bilden sollte. Auf der andern Seite ist cs aber auch allerdings der Sabbath, der mit den für ihn ungeordneten, wenigstens in der Theorie unangetastet dastehenden Satzungen am meisten störend

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