Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1845)
- Date
- 1845-01-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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31 Fuß bringen sollen. Und worin soll diese Verbindung bestehen? In Grundsätzen und Meinungen? Da haben wir Glaubensartikels Symbole, Formeln, die Vernunft in Fesseln. Also Handlungen und zwar bedeutende Handlungen — d. i. — Cercmonien. Unsere Bemühung sollte eigentlich nur dahin gehen, den eingerissenen Mißbrauch abzuschaffen und den Cercmonien ächte, gediegene Bedeutung unterzulegen. Die Schrift wieder leserlich und verständlich zu machen, die durch Heuchelei und Pfaffcnlist unverständlich geworden ist. Alle unsere Halsstarrigkeit aber sollten wir dem jesuitischen Kunstgriffe entgegensetzen, mit welchem man uns mit allem Anschein der Freundlichkeit zur Vereinigung auffordcrt, und im Grunde uns nur hrrüberlocken will. Man nähert sich uns mit falschen Schritten, hebt den Fuß hoch auf und kommt gleichwohl nicht von der Stelle. Es ist das Vcreinigungsspstem der Wölfe, die sich mit den Schaafen so sehr zu vereinigen wünschen, daß fie aus Cchaaf- und Lammfleisch gerne Wolfsfleisch machen möchten. Der Raum ist zu enge, mich hierüber weitläufiger zu erklären. Ich denke aber Sie werden mich verstehen. Moses Mendelssohn. Ärakau im Januar. (Corresp.) Mir reißt die Geduld wie E l i h u; ich sehe meinen Freund leiden, und die sich gleichfalls für seine Freunde ausgebcn, salbadern und quacksalbern an ihm auf's Erbärmlichste hemm, und Keiner spricht das frische, Kraft und Leben erweckende Wort aus! Vor lauter Klugheit werden fie alle zu Narren, und wahrlich fie haben's darin schon so weit gebracht, daß man gar nicht mehr unterscheiden kann, ob's angeborene oder künstlich erzeugte Thorheit ist. Sie kennen wohl das von dem Reichstage ausgegangene und von dem Senate bestätigte Gesetz, daß der Jude, der sich verheirathen will, entweder eine Zeit lang deutsche Tracht angelegt oder bereits das Alter von 30 Jahren erreicht haben muß. Beides wird hier als etwas Furchtbares betrachtet; deutsche Tracht ist der erste Schritt zur Taufe in den Augen des hiesigen Pöbels, der hier gerade von den Reichen und den s. g. Gelehrten gebildet wird, und zu 30 Jahren ist man ja hier schon Großvater! Also was thun? Ja, da wird die Klugheit zu Schanden! Das Bes — Din sitzt, Kahel sitzt; wir wußten es schon lange, daß sie nicht gehn und keinen Schritt vorwärts thun. Unser Rabbiner Meise! schwankt wie ein schwaches Rohr; heute will er sich den ungeheueren Fortschritt gefallen lassen, morgen ist es eine rn*}, ein pdri .nrp gleich dem lern nytra suKoan anp"iy* Solchem großen Geiste bin ich freilich nicht würdig, den Schuhriemen zu lösen, aber diesen Schuhriemen getraue ich mir doch zu lösen. Es gehört eine eigene Gedankenverwirrung dazu, um die mcnschenfteundliche Absicht unserer Behörden mit den Religions - Verfolgungen zu parallelisiren Der Senat, die Residenten der Schulmächte, svrechen sich entschieden über die Absicht dieser Verordnung aus. Man will der zahlreichen und sich immer vermehrenden jüdischen Bevölkerung alle Wohnplätze außerhalb der ihnen bis jetzt im Kasimir gestatteten öffnen; allein man fürchtet, der Pöbel möchte in der jüdischen Tracht Anstoß nehmen und Streitigkeiten zwischen der Bevölkerung entstehen. Eine solche Besorgnis ist gar nicht ungegründet, theils in Rücksicht auf den Pöbel, theils auf die Ertravacanzen, denen sich die Juden hingeben. Also nur um ihre guten Absichten auszuführen, ohne ein wohlbewaffnetes Polizcicorps stets auf den Beinen haben zu müssen, wünschen die Behörden, die Umgestaltung der Kleidung zu bewirken. Ultra-liberale — unv wenn ich nicht irre, gibt es auch in Deutschland eine Partei unter den Juden, welche ihrem übertriebenen quasireligiösen Conservatismus unter den Mantel des Nliraliberalismus stecken und damit verrosteten Bornrtbeilen einen Glorienschein polilii'cher Freisinnigkeit zu ererben sich abmühen — solche wirkliche oder vorgebliche Ultraliberale Deutschlands werden hier dennoch noch von einem Eingriffe in die persönliche Freiheit sprechen; aber nehmen nicht alle Staaten solche Borfichtsmaaßregeln und oft in härterer Weise, ohne daß man in dem einzelnen Staat deßhalb ein begründetes Recht zur Klage hätte? Es find Farben verboten, weil darunter Abzeichen großer unreifer Bestrebungen gefunden werden, die man niederzuhalten die Macht hat; ist die hiesige Maaßregel nicht eine weit unschuldigere? Jedoch dies sage ich blos, weil ich an ein deutsches Blatt schreibe; bei uns spricht man von solchen Dingen nicht, aber die „Emüne", die Religion! Wir sind cs schon lange gewohnt, daß man uns die Form, die Hülle für die Religion ausgiebt, aber in dem Kleide, das Millionen von Glaubensbrüdern nicht tragen, die Religion suchen, das ist empörend! Ich spreche nicht von unwissenden , herrschsü'chligen Fanatikern wie einem RebbeSchaul, welcher der Verachtung, mit der er von jedem Redlichen belegt ist. trotzend. eine jede Gelegenheit ergreift, um seinen erblaßten Heiligenschein aufzuftischen; aber ich klage die Männer an, welche verständig sein wollen und Einfluß haben, dennoch unthätig die Hände in den Schoß legen, die sich des armen Volkes nicht annehmen um ihrer Engherzigkeit Willen, aus Furcht, ihr „Juches" möchte in einem Neste Polen's etwas angezweifelt werden. Da ist der Sohn unseres Rabbiners Meiiel mit der Tochter eines unserer reichsten Männer, Born st ein, verlobt; das Beispiel, von diesen beiden Männern gegeben» wäre entscheidend, aber da stehen fie rathlos! Meisel gebt mit den Senatoren, den Refivenren um und ist bei ihnen ganz fteisinnig, aufgeklärt, uns gar Bornstein! Ein Mann, der sich gewaltig auf Bildung piquirt, er spricht