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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-01-26 · Heft 4 (26.1.1845) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 4 (26.1.1845)
Date
1845-01-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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französisch, den Gipfelpunkt unserer Bildung, er liest deutsche und ftanzösische Werke— wcnn's keiner sieht, er ist reich und unabhängig, und gerade er war Anfangs einer der heftigen Opponenten, später zog er sich still zurück, und nun — will er seinen Schwiegersohn nach Wielizka auswandern lassen! Schmach und Schande über solche Männer, die ihre eigenen Kinder aus Eigensinn und aus Schwäche ins Unglück stürzen, dabei aber noch die ganze Gemeinde mitreißen! Aber ich muß auch leider die Zugend anklagen, die, sonst muthiger, die einzige Hoffnung der Zukunft, gleichfalls sich diese ganze Misere ruhig mit ansieht. Unsere Jugend hat eine große Mission in dieser Angelegenheit; die jungen verheiratheten Männer, die den Zwang des Gesetzes nicht fühlen, müßten hier freiwillig ein Beispiel geben und den Bann lösen. Was nützt die Theorie, wenn der Muth fehlt, einmal ftisch, und es gilt, eine gesunde Lebenspraris herbeizuführen? Damit jedoch diesem trüben Gemälde auch der Humor nicht fehle, erlauben Sie mir noch eine kleine Erzählung. Vor Kurzem ist ein Herr P. M. Heilp ern, der früher inTomaschow wohnte und jetzt in Mischkolz in Ungarn seinen Wohnsitz hat, hier durchgereist. Der Mann, der in seiner alten Heimath für einen Apikaures galt, jetzt ein eingefleischter Magyar sein will, capricirt sich gleichfalls auf seine jüdisch-polnische Kleidung, und da er nach Preußen reiste, so sprach der Secretair des preußischen Residenten seine Verwunderung darüber aus, daß er sich dieser Kleidung nicht entäußere; auf hohem Kothurn ließ nun Heilpern seine pathetische Rede ertönen, daß er es dem Staate zum Trotz thue. Der Secreiair vifirte ihm seinen Paß, fignalifirte ihn nicht als gefährlich , lachte ihn vielmehr aus. Vielleicht kommt ihnen übrigens diese drollige Erscheinung auch zu Gesichte, und meine Charakteristik desselben kann Ihnen von Nutzen sein. Der Mann hat weislich gedacht, ist seinen eigenthümlichen Weg gegangen, hat einen sehr verständigen Sohn, aber er ist gegenwärtig ein Exemplar einer seltenen Verdrehtheit. Er ist ein Kritiker, aber nicht mit Gründen, sondern mit jenem ursprünglichen Takte, der den wirklichen Genie's und den Befangenen eigen ist; der Mann hält sich natürlich für's Erstere. Der Talmud ist ihm heilig, aber was ihm nicht gefällt, haben entweder dieKaräer oder, wie er sich gelehrter ausdrückt, die Schule des R. Zehudai Gaou, hineingesetzt, oder es find Schreib- und Druckfehler darin. Sein Haß concentrirt sich jetzt vorzüglich aufH o l d h e i m, den wackern offenen Kämpfer, und er will gegen ihn in Leipzig eine Brochure herausgeben; ich mache ohne Scheu den Spion und verrathe, daß seine Hauptwaffe ist — alle Stellen im Talmud, wo es heißt: KDjnx tSHpon t>3 ifiHpD Kp fJ3*n, seien corrumpirt, es müsse heißen: "21 t£n:ön ^3 fiTUöNp» Er soll auch ein geistreiches Gutachten ausgearbeitet haben, ob Holdheim -W3 ist. Er hat sich in Breslau einige Zeit aufgehalten, da erschien gerade die schöne kleine Sammlung: D'iTO'tflJOIpJ siugs machte sich Herr H. darüber her und Lberschrieb dieselbe, wie sie der Verfasser sicher geschrieben haben müsse, nicht wie sie uns jetzt vorliegen. Wie gesagt um v"O^> '13 31L51313 habe ich dieses göttlichen Instinkts erwähnt, an sich verdiente der Mann nicht die öffentliche Besprechung. Heidelberg, im November. (Vorbemerkung der Redaction: Nachstehende Erklärung des Rabbiners Fürst ist erst in unsere Hände gekommen, als andere Blätter sie schon gebracht. Es wünschte aber dennoch Hr. Fürst, daß sie noch besonders in unser Journal abgedruckt werde, welchem Wunsche wir nicht entgegen seyn wollen. Die Redaction.) Seit mehr als 20 Jahren versehe ich das Amt der Seelsorge in 22 Gemeinden, und noch nie ist, weder über meinen öffentlichen noch über meinen Privatcharakter, eine Beschwerde an eine Behörde oder an das Forum der Oeffentlichkeit gelangt. Dagegegen sucht seit einigen Wochen ein Anonymus in mehrfachen Zeitungsartikeln mein Wirken und Streben auf alle mögliche Weise zu verdächtigen. Ich könnte nun zwar der Achtung und Liebe aller derer, die mich etwas näher kennen, getrost vertrauen; ich könnte mich wegen dieser Anfeindungen mit dem Bewußtsem, überall meine Schuldigkeit gethan zu haben, hinlänglich trösten, wenn ich solcher Dinge halber noch eines Trostes bedürfte; allein wenn thatfächliche Behauptungen mit kecker Stirne so oft wiederholt werden, so gewinnen sie am Ende doch bei dem minder Unterrichteten den Schein der Wahrheit — und so kann ich den zahlreichen Aufforderungen vieler Freunde nicht ferner widerstehen, und muß mein Stillschweigen brechen. Es kann nun fteilich meine Sache nicht sein, die in Nr. 35 der A. Z. d. J.'s und Nr. 36 und 39 des „Israeliten" gegen mich angeführten Momente lediglich zu widersprechen, sondern ich werde, soweit mir möglich, meine Behauptungen mit Urkunden (von denen einige auch in anderer Beziehung interessant sein mögen) belegen, gegen die meisten übrigen aufgebrachten faktischen Behauptungen, namentlich gegen den Schlußsatz des Art. in Nr. 39 des „Israeliten" beschränke ich mich blos im Allgemeinen, als gegen aus Aerger ersonnene Unwahrheiten, den direktesten Widerspruch einzulegen. Meine Handlungsweise wird in Beziehung auf die hiesige israel. Bezirks - Stiftung und auf einen gewissen Student F. angegriffen. Ich will diese der Reihe nach vorftihren. (Fortsetzung folgt.) Verlag der I. C. H ermann'sch en Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Kräh e in Offenbach.

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