Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1845)
- Date
- 1845-01-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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29 Auch haben dieniemals die Nachkommen noch nach 200V Jahren binden wollen." (S. 51 u. 52.) „Die Nothwendigkeit (bemerkt derselbe Redner) der hebräischen Sprache beim Gebet werde wohl von Niemand im Ernste geltend gemacht werden. Er verkenne keineswegs die Innigkeit der hebräischen Sprache im Gebet, und er selbst, für seine Person, so oft ihm das Bedürfniß zu beten entstehe, bete hebräisch; aber die Zeit welche er auf Erlernung dieser Sprache verwenden konnte, steht nicht Allen zu Gebote; ja bei dem jetzigen Standpunkte des Unterrichtes werde es fast zur U n m ö g l i ch k e i t, die hebräische Sprache, so wie früher, beizubehalten." (S- 51.) Dieses hatte auch schon Mayer in seinem Anträge ausgesprochen: „ Das Leben " — bemerkt er — „ ist stärker als jede Theorie." Bei den Anforderungen, welche das Leben gegenwärtig an die Volksschule machte und machen muß, ist es ihr zur völligen Unmöglichkeit geworden, eine fremde und zudem todte Sprache mit irgend einem Erfolge zu lehren." (S. 100.) Dieses waren aber nicht isolirte Aeusserungen einzelner Mitglieder, sondern die Ansicht, die Neberzeugung der Mehrheit der Versammlung, die sie offen dadurch bekannte, daß sie beschloß nach jenen Grundsätzen, ein Ebegesetz und eine Liturgie zu entwerfen, sowie darüber zu berathen , w ie d i e K l u f t; w i s ch e n Lehre und Leben durch Aufhebung oder Milderung mehrerer Sabbath- und Speisegesetze auszugleichen sei, und die betreffenden Vorarbeiten Commissionen aus ihrer Mitte übertrug. — Ja mit welchem heiligen Ernste die Versammlung das ansah, was in ihrer Mitte ausgesprochen ward möchten schon hinlänglich ihre Aeusserungen über die Verpflichtung das Ausgesprochene auch im Amte und Beruf auszuführen, beweisen: So bemerkte Herzfeld: „Uns liegt hauptsächlich daran, daß das, was durch Beratbung beschlossen, ausgeführt werde. Freisinnige Ideen hat es früher gegeben; aber wir müssen den Ideen Leben verschaffen. Wer die freie Ansicht billigt, muß auch die freie That billigen." (S.14.) Und in gleichem Sinne S. Hirsch: „ Unsere Versammlung muß ein moralisches Bewußtsein haben und daß sie dies hat, aussprechen, so daß ein Rabbiner, der mit der Majorität gestimmt hat, sich auf die Beschlüsse dieser Versammlung berufen könne. Er müsse aussprechen dürfen: Obschon dieses oder jenes gegen einen Paragraphen des Schulchan Aruch ist, so lehre oder thue ich es, und so und so viel Rabbiner haben mit mir gestimmt, auf die ich mich berufen kann." (S. 16.) / Frankfurt im Januar. Es kann Ihnen nicht unbekannt geblieben scyn, daß die leidige Judenfrage auch m der deutschen Maurerwelt debattirt wird. Wir sagen in der deutschen, denn sonst^ist sie in dieser besondernWelt nirgends nur aufgeworfen wor. den namentlich nicht in England, von wo das Maurerthum ausgegangen ist; diese ganze übrige Welt war ungründlich genug sich ein- ^ubilden, daß man Freimaurer seyn könne, ohne Christ zu seyn. Wir beabsichtigen keineswegs Sie damit weitläufig zu unterhalten, vielmehr genügt Ihnen zu wissen, daß viele deutschen Logen, insbesondere königlich preußische, die Maurerei für ein christliches Institut erklärt haben. Was von der Christlichkeit des Instituts zu halten, werden Sie übrigens daraus abnehmen, daß, was katholisches Christenthum betrifft, die Päbste die Freimaurerei als unchristlich in besonderen Bullen verdammt haben, unv daß, was evangelisches Christenthum bettifft, ein Geistlicher in Preußen vor einiger Zeit wie öffentliche Blätter meldeten, nicht zum Superintendenten befördert worden ist, weil er rem Maurer - Orden angehörte. Neben anderen Streitgegenständen bildet auch dieser einen zwischen mehreren hiesigen Logen, und der Loge: Carl zum Lichte, welche letzte unter dem Einflüsse res bekannten Hrn. M o l i t o r steht. Aus dieser Veranlassung hat Hr. Pfarrer Friedrich dahier als Manuscript für Brüder eine Brochüre*) veröffentlicht, welche im Vorwort folgendes enthält, was Sie und Ihre Leser interessiren kann. „Das Judenthum, mit seinen exclusiven (confessionellen) Gesetzen, Ge- und Verboten, seinen Talmudischen Abentheuer- „lichkeiten, seinen irdischen Messiasideen, dem hochmüthigen „Wahn seiner, als des Volkes Gottes, kurz: der ganzen verbitterten Ruine einer, seit Jahrtausenden entschwundenen „Vorzeit, mit ihren klimatischen und nationalen Bedürfnissen „und antiquirten Gebräuchen, gehört eben so wenig in die „Maurerei, als das Carlistische Christenthum, mit seinem ge- „heimen Naturlichte, seinem Pseudomysticismus, seinen unchrist- „lichen Traditionen, seiner Theocratie, Theosophie und seinem „magischen Geisterspuck. Allein einen MoseS Mendelssohn, Jacobsohn, Salamon Heine, Riesser, „uns so manche Ehreninänner der beiden hiesigen Logen zur „ausgehenden Morgenröthe und zum Frankfurter Adler als „geistesverwandte Brüder zu umarmen, das will ich, wie vor „meinem Gewissen, so vor der ganzen, nicht Carlistischen Mau- „rerwelt verantworten." Sie sehen, e'est partout com me cües nous. Breslau im Januar. (Corresp.) Das hohe Ministerial - Rescript über die hiesigen Gemeindeangelegenheiten, das bei allen Wohldenkendcn und in der öffentlichen Meinung eine so fteudige Uebem'chung hervorgebracht hat und als Manifestation *) Für Wahrheit, Recht und Frieden, Frankfmt a. M., 1844.