Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1845)
- Date
- 1845-01-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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die sämmtk'ch das Verfahren des Frankftrrter Reform- Vereins als ein „närrisch^ Sichhinauswerfen" bezeichnen, die in dem Mosesthum nichts Specifisches mehr finden, die nicht einsehen, was an der jüdischen Religion bleibt, so die Frankfurter Subtraction zur Ausführung kommt. — Es ist aus mit den Illusionen! wir spielen eine heillose Maskerade, wir täuschen uns selbst, indem wir die laut gewordene Wahrheit verzweifelt überschreien, und wozu das? blos um den Schein zu retten, oder aus Furcht, wir könnten beim Sturz des Gebäudes bestaubt werden. Gut, „wer fürchtet, bleibe daheim" und lasse der Sache ihren Gang, man wird auch so fertig werden. — Der Ref.- Verein hat keine neue Idee ausgesprochen. Die Hälfte der heute lebenden Israeliten kennt keinen Talmud, kein mosaisches Ceremonialwesen mehr. — Die Hälfte der heutigen Israeliten ist nach dem Ausspruche der Rabbinen verdammt; denn diese lehren *nrvo 2”n D’DDn nn by -Diyn to —" „Man hat heute den Muth noch nicht, aus gewissen, allgemein anerkannten und ausgesprochenen Sätzen alle norhwendigen Consequenzen zu ziehen. Nur der Ref.- Vercin hat diesen Muth gehabt, und die Folge davon war, daß er einigen Millionen Israeliten ein religiöses Bewußtsein — eine Religion wieder gab. — Der Ref.- Verein hat auszusprechen gewagt, was jeder verständige Israelit längst gedacht und für wahr anerkannt hat. Er hat gesagt, daß der gesunde Menschenverstand im Mosaismus allerdings anerkannt ist, und das mit Recht. Die heilige Schrift lehrt dieses auf die unzweideutigste Weise. Wenn z. B. Ahron (l-evit. 10, 18.) aus emem rein vernünftigen Bedenken dem Befehle Mosis direct zuwider handelt, und Moses nach Vernehmung der Gründe es billigt, oder wenn (Xum. 28, I. ff) die Töchter Z losch ad's von der Idee des Naturrechtes ausgehend, gegen das Bestehende Einwendung erheben und diese Einwendung den Beifall Gottes erhält u. s. w. so sicht man wohl, daß die mosaische Lehre die jedesmalige Natur der zeitlichen Verhältnisse berücksichtiget, und der vernünftigen Modisication bei Weitem nicht so abhold ist, als man etwa vorgibt. Ist dieses aber wahr, nun so wollen wir auch nicht schlimmer berathen sein, als die Töchter Z losch ad 's." Geschichte des Tages. (Aus Thüringen.) Die Braunschweiger Rabbiner-Versammlung. (Zweiter Brief.) Was Ihre Leser bei meinem ersten Brief sich gedacht, oder vielmehr was sie von dem Verfasser desselben erwartet haben, errath« ich leicht, mein geehrter Herr Redacteur: Sie erwarteten, daß ich Zhnen Belege gebe, Belege für den Freimuth der Rabbiner-Versammlung, welcher ich so viel Lob gespendet. Nun wohlan; ich säume nicht diese Forderung zu erfüllen, und glaube dieses nicht besser zu können, als indem ich Ihnen aus den gedruckten Protokollen selbst die deßfatlsigen gewichtigsten Aeußerungen der Revncr wörtlich mitsende: „Es gibt" — bemerkt Hr. vr. Holdheim in der Debatte über die Umgestaltung der Liturgie „kein Vaterländisches Iuventhum. „Die Wissenschaft hat entschieden, daß der Talmud in prakti- „ scher und dogmatischer Hinsicht keine Autorität habe." „ Der Talmud" äußerte Hr. A. Adler „wie er vor uns liegt, „ist nicht verträglich mit einer moralischen Auffassung der Ceremo- ,,mcn. Wir dürfen uns darüber nicht täuschen. So auch ist die „talmudische Vorstellung von Gott widersprechend dem Bewußtsein „unserer Zeit von dem höchsten Wesen." (S. 55.) „Wir Alle" — ruft Hirsch rücksichtlich des Widerspruchs der talmudischen Satzung mit dem Leben aus — stehen im Amte, wir Alle aber nur mit Herzklopfen. W i r wissen und es ist neulich hier ausgesprochen worden, wie der Schulchan Aruch entstanden ist. In unfern Gemeinden gilt er als Codex, wonach der Nabbine Fragen zu entscheiden, wonach er selbst zu leben hat. Wo aber ist eine Gemeinde, wo ein Nabbine, deren Gesinnungen nicht mit dem Leben nach diesem Codex in Widerspruch stehen? " (S. 15.) — „Es enthält", — sagt Meyer in seinem Antrag auf Umgestaltung der Liturgie — „ unser Gebetbuch Gebete und Gebetftellen, die mit der Ueberzeugung eines großen Theils der Gemeinde in Widerspruch stehen, wie z. B. die Gebete, die sich auf einen persönlichen Messias, Rückkehr nach Palästina und aus den Opfercultus beziehen." (S. 101.) und Holdheim bemerkt in dieser Beziehung: „Wesentlich ist, das Opfergebet und die persönliche Auffassung des Messias als eines politischen Königs aufzugeben. So lange wir glauben, daß wir das Gesetz nicht erfüllen können in seiner Ganzheit, bis der ehemalige Staat wieder hergestellt werde, ist unser religiöser Zustand ein durchaus anomaler." (S.55.) „Es dürfe" — sagt Herzfeld — selbst den rfrmnD2J2 das Recht nicht zuerkannt werden, uns Gebetformeln vorzuschreiben. Gebet lebt im Gefühl. Das Gefühl leidet keinen Gesetzgeber, am wenigsten einen unserem Gefühl sp enssernt stehenden.