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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-01-26 · Heft 4 (26.1.1845) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 4 (26.1.1845)
Date
1845-01-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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dification tut Allgemeinen; chm ist vielmehr jede Concession, die das Leben — gleichviel ob mit Grund oder nicht — einmal der Religion gemacht hat, unwiederbringliches Eigenthum dieser letzteren. Als Beleg möge das bekannte yan *naty Pesach. 50, 2 ff. dienen, wo ein rituell durchaus unbegründeter, innerhalb eines kleinen Familienkreises entstandener Minhag (usus) auch für die folgenden Generationen dieser Familie bindend erscheint." „Der Talmud kennt keine freie Perfectibilität des Mosaismus; ihm geht es über Alles, die mosaischen Vorschriften summt und sonders für die Ewigkeit zu firiren, und durch ein undurchdringliches Bollwerk von Sejagim, Zusätzen und Chumrot re. für alle Zeiten sicher zu stellen. Dem Talmud sind weiter die geringfügigsten mosaischen Bestimmungen das absolut Wahre, gegen welches von vorn herein jedes vernünftige Bedenken verstummen muß. Für diesen Vorzug muß ihm aber der heilige Tert blutig zahlen, und wird zu Gunsten der ersten besten rabbinischen Caprice irgend ein unschuldiger Passus, ja oft ein einziger Buchstabe desselben auf die Folter eines casuistischen Nectificirtisches geschraubt, und werden ihm da Geständnisse erpreßt, vor denen der Verstand erröthet!" „Freilich wird solchem Unwesen gegenüber nicht selten, selbst im Herzen des Talmuds, der Anklang eines kritischen Gewissens laut, und fastet z. B. R. Sera (Baba Mezia 85, 1.) ganze hundert Tage, damit ihn Gott die babylonische Lehrweise vergessen mache; freilich ist dieselbe Verachtung gegen die babylonische Schule z. V. in Mcnachoth 100, 1; Pesachim 54, 1; Chulin 18, u. a. fl. O. ausgesprochen; aber dieses Alles stört den babylonischen Talmud nicht im Geringsten, und er lehrt dennoch mit der besten Laune von der Welt Sätzchen, wie z. B. dieses: rmsn -p pm *p> 'rippnw- D>pin jna -imnS Noch mehr! Selbst da, wo die Absicht der mosaischen Verordnung unverkennbar ist, duldet der Talmud die Annahme jener Ansicht nicht, wie man aus Berachoth 33, 2. bei der Mischna -n&s ]p by -mian ‘■pDrn ip')' sich überzeugen kann, oder noch deutlicher aus dem Umstande, daß R. Simeon der B. M. 115, 1. Ividuschin 68, 2. Joma 42, 2. u. a. a. O. die mosaischen Vorschriften nur mit Bezugnahme aus ihre Motive behandelt wissen will Kipi xayo t&m t/i selbst in Rebbi einen entschiedenen Gegner findet, Joma 42, 2, und sonst auch B. M. a. a. O. Sanhedrin 21, 4. :c. nicht acceptirt wird." Wenn der Vers.weiter daraus, daß weder die alerandrinisch-griechische Schule, noch die griechisch-arabische, ja nicht einmal Mendelssohn es wagten, das Zeremonial zu reformiren, den Satz adleitet, daß der bistorisch entwickelre Geist des Judenthums immer sich selbst desavouirt, so scheint uns dieses Urchcil in Beziehung auf die Vergangen heit zu barr, da dorr die Geister bei der Gefangennehmung der vbilosophirenden Vernunft gegenüber der Offenbarung, welche dem ganzen Mirrelalrer bis auf die neue Zeit eigemhümlich war und zu welcher im Judenthum noch die so gläubige Vergötterung der Zeremonien im Volke hinzukam, nicht bis zur tharsächlichen Reform der Letzteren dringen konnten; wohl aber müssen wir ihm beistimmen, wenn er eine wlche Forderung an die Gegenwart stellt und in dieser Beziehmrg bemerkt: „Auch die neueste Kritik verrarh in diesem Punkte noch ein unsicheres Spiel, welches am auffallendsten erscheint, wenn man die Schriften der jüdischen Emancipations - Vertreter mit denen der Gegner des Frankfurter Reform-Vereins vergleicht. Dorr kommt es dem Mosaismus auf seine positiven Bestandtheile gar nicht an, und läßt man vom Mosaismus „Alles abzie- „hen, was sich auf Opferritus, Priesterverfassung, Ei- „genthumsverhälrnisse, Reinigungsgesetze, kurz Alles, „Alles was wir in die Classe der Local- und Temvo- „ralgesetze stellen — bezieht, und es bleiben dem Mo- „saismus die erhabensten Lehren übrig, zu welchen sich „die Auserwählten in jedem Volke bekennen." Nun, ist das nicht eine herrliche, wahrhaft philosophische Erklärung? ist sie nicht um so herrlicher, da sie von einem jüdischen Geistlichen, nämlich wieder von unserem Hrn. Salomon, der schon ein Vierteljahrhundert inmitten einer großen Gemeinde als Seelsorger lehrt, herrührt? Nun aber gehen wir einen Schritt weiter. Der Franks. Reform-Verein hält Hrn. Salomon beim Worte, er wirft Alles weg, Alles, was wir „in die Classe der Local- und Temporalgesetze stellen," und hält fest an der Zdee, zu der sich die Auserwählten jeder Nation bekennen müssen. Der Ref.-Verein hält euch beim Worte? Ihr lehrt, der Mosaismus ist perfectibel. Nun wohl! er erfüllt die Perfectibilität des Mosaismus — denn einmal muß es doch geschehen? — in der Modificarion, d. i. hier Aufhebung, Ausscheidung der unbrauchbar gewordenen Local- und Temporalgesetze. Nun sehr! da flieht auf einmal ein Schwarm von „Gutachten" ein,

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