Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1845)
- Date
- 1845-01-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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3 „ dem er Iure ist. So suchen fich die Meisten irgend „einGebot heraus, in dem sie ihre ganze Pflicht gegen „das Iudenthum zu erfüllen meine», wie z. B. sehr „viele, die während des ganzen Jahres kein Gesetz „ beobachten, doch wenigstens am Versöhnungstage sasten „oder doch einmal die Synagoge besuchen. Und mit „dieser Inconsequenz und Bewußtlosigkeit brüsten sich „ dann diese Leute, als haben sie dem Iudenthume einen „Gefallen gethan und ein Opfer gebracht, indem sie „wieder auf ein ganzes Jahr mit ihm abgeschlossen." Wir wissen daher nicht, ob es tfyn Ernst oder ob es bloser Scherz ist, wenn er als „gegen das Aufklärungs- „wesen eifernden, begeisterten Apostel," Herrn Hirsch nennt, und zwar nicht etwa den Verfasser der Neunzedn Briefe „und des Iissrvels Pflichten," sondern Herrn Samuel Hirsch, über dessenBrochüre: „Reform im Iudenthum" in No. 42 und 43 d. B. v. I. ausführlich berichtet worden, zwischen welcher und der vorliegenden die Familien-Aehnlichkeit nicht zu verkennen ist; wie denn auch beide Verfasser aus demselben Borne der Weisheit, aus den Schriften Hegels geschöpft haben, und unter sich nicht sowohl qualitativ als quantitativ! verschieden sind, weshalb die Recensionen beider Bro- ' churen sich gewissermaßen ergänzen. Bei besserer Ueberlegung würde der Verfasser gefunden haben, daß die Refonnfreunde, welche, was er ihnen so übel nimmt (S. 53, 54), nun einmal nichts anders wollten, als „ eine Thatsache zur Offenkundigkeit bringen und bezeugen", wenn diese Thatsache als wahr anerkannt werden muß, wie seinerseits geschieht, ihren Endzweck vollständig erreicht haben. Ob dieser Zweck der Mühe verlohnte? Ob er ein nützlicher gewesen? das hat die schrankenlose, allein seligmacheude Kritik gar nicht zu untersuchen; das gebört in daS Bereich der Praxis, die nicht „die wahre Praxis", nämlich nicht blose „ Theorie" ist (S. 65). Diese btos praktischen, also nicht praktischen Bestrebungen unkritischer, also nicht wirklicher Menschen sollte der befreite Kritiker, „ der Mensch in der wahren, eigentlichen „energischen Bedeutung des Worts", ganz unbeachtet lassen, da sie ohnehin keine Zukunft haben, denn wie auf S. 67 prophezeit wird, „was nicht durch das Feuer „ der Kritik gegangen, wird nicht in die neue Welt ein- ,i „gehen, die nahe herbeigekommen ist." Zustände und Kämpfe der Juden, mit besonderer Beziehung auf die barrische Rheinpfalz. Mannheim beiI.BenSheimer 1843.*) Vorstehende Schrift, die einen unserer gediegensten und gesinnungkräftigsten Rabbinen zuM Verfasser hat, bespricht, nach einer energischen und freimüthigen Schilderung den leider, auch in der schönen Pfalz, besonders in der Philisterzunft der Krämerei, herrschenden Judenhaß, obgleich es Thatsache ist, daß nicht nur der Mittelstand, sondern selbst die Reichen, fast alle bedeutende Ackerbautreibende, selbst ihre Felder bauen, und selbst der Aermste sich ein Aeckerchen zu erwerben sucht, um seine Kartoffel zu pflanzen, daß die Handwerke sich immer mehr auch unter der ärmsten Klaffe verbreiten, mü einem Worte, daß während von christlicher Seite, in der Pfalz, in den letzten zwanzig Jahren unläugbar Rückschritte, besonders in religiöser Toleranz gemacht hat, die Israeliten auf eine merkwürdige Weise vorangeschritten sind. In vier Abschnitten: das religiöse Leben, die Synagoge, die Schule, das bürgerliche Leben, entwickelt tot gelehrte und freisinnige Verfasser seine Ansichten über vre gegenwärtigen Zustände, ihre Gebrechen und deren sachen und die Mittel, wodurch denselben abgehokfen r^ess kann. Eine gehaltvolle Betrachtung über Entstehung und Entwickelung des Talmuds **) führt zu dem Resultate: daß sow^Üdie AnqDhnungen steßAererSanhedrin, als selbst mosaische Ge- und Verbote duHt digMligiöse Behörde, wenn die ZeitbedürfniHe-es Aschen, aufgehoben werden können, wie solches aucMzn verschiedenen Zeiten wirklich statt gefunden hat, lflkst^dse jeweilige religiöse Behörde gleich dem Synedrium die Bestimmung habe, die Anwendbarkeit des Gesetzes unter allen Himmelsstrichen und Verhältnissen möglich zu machen und es vor Erstarrung und Festhaltung am Buchstaben zu bewahren, und in diesem Sinne Tradition und Synedrialentscheidungcn die Seele des, jedenfalls zunächst ferne Zeit und deren Begriffe im Auge habenden und daher für andere Zeiten nicht selten abstrusen mosaischen Gesetzes bilden, die talmudischen Interpretationen und daraus entstehende Satzungen hingegen auf *) Die Revaction bedauert. daß die Anzeige'dieser trefflichen Schrift ohne ihr Verschulde« fich bis jetzt verzögert hat. **) Man fiehe: die kurze Darstellung des ThalmudS von demf. Verfasser in dem Werke: