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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-01-19 · Heft 3 (19.1.1845) · page 10

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 3 (19.1.1845)
Date
1845-01-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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„Geschichte," wie sie der Vdrfässet fMgut kennt,und in 1 einem Abschnitte überschrieben: „die innern religiösen; „Zustände der Juden" treffend schildert, und von"welchen er selbst sagt, daß man sie „bei der Behandlung der! „Judenfrage bisher zu wenig beachtet habe (S. 12), zur Offenkundigkeit und Beachtung zu bringen. Ob sie „theoretisch gearbeitet, das Wesen der Religion über- „haupt, so wie des Judcuthums kritisch untersucht," was der Verfasser nicht glaubt (S:"65), ist dabei ganz gleich-' gültig, wiewohl er bei einiger Bescheidenheit, die freilich dieser Schule nicht eigen ist, zum wenigsten bei dem einen und andern derselben eine mindestens gleich große Bekanntschaft mit dem Gegenstände wie bei sich und seinem Gewährs- und Gevattermanne, Bruno Bauer, hätte voraussetzen dürfen. Das wahre Wesen des Menschen und seiner Geschichte, unsere „Zeit" (S. 66) aber, glauben sie auch heute noch besser erkannt und richtiger aufgefaßt zu haben als der Verfasser, dessen Ausstellungen anderen Erklärung und Programm und aufgeworfene Fragen so trivial und kindisch sind, daß man nicht der Schule der „befreiten, entschiedenen Kritik" anzugehören, sondern nur die erste beste Elementarschule besucht zu baden braucht, um auf sie zu verfallen. Man könme an ihn und seine Schutgenoffen ganz andere Fragen aus dem Gebiete der Religion und Politik richten, auf welche sie die Antwort wohl schuldig bleiben würden; sie, di^,erwacht" und im „Fegen" Gegriffen sind, während wir andren „noch schlafen und träumen" (S. VIII, IX.); sie die allein „Bewußtseyn von sich, Selbstbewußtseyn" zu haben wähnen, während dieses in uns „noch nicht aufgegangen," und wir „noch nicht wirklich Menschen" seyn sollen (S. 1). Eine Aufklärung hätte jedoch der Verfasser geben sollen, von wann an ncmlich er „unsere neue Zeit" mir ihrem „gewaltigen, welchisto- „rischen Kampfe, der schon so vieles Blut, so viele Ar- „deiten und Anstrengungen gekoster, der /ich schon so „großartige Monumente in der Geschichte, rbaut hat" (S. 4), datirt, ob etwa von Voltaire an? Denn läugnen läßt es sich nichr, daß diese in der Bärenhaut deutscher Kritik schwerfällig einher schreitende Schule am Ende da ankommt, von wo der Franzose schon vor hundert Jahren leichtfüßig ausgegangen; erste freilich geist- und reitzloscr, daher weniger verführerisch und anregend. Der Verfasser will „die gänzliche Emanei- „parion des Menschen, d. b. der Vernunft, der Liebe, 7/knr; aller menschlichen Mächte und Thätt'gkeiten, von „der Unvernunft, der Lieblosigkeit, der Nichtmenschlichkeit „MerSchranken," (S. 5), (die Kornes der französischen radikalen Blätter,) und meint es sey nicht genug diese letzten „so bloß äußerlich wegzuräumen," man müsse „sie auch „in sich selber zertrümmert" haben. Die „äußere Schranke ist ja eben immer nur der notbwen- „dige Ausdruck, die consequeme Schöpfung einer innern, „ und will ich dir erstere gänzlich vernichtenwissen, so „muß ich auch erst die letztere überwunden und zerbro- „chen haben" (S. 5). Als Schranke an sich überhaupt", sowohl innerliche als äußerliche erscheint ihm nun eben die Religion, so christliche als jüdische, die er, wie wir bereits vernommen haben, deshalb „zertrümmert, über- „wunden, zerbrochen, gänzlich vernichtet wissen" will; das berüchtigte: il faut ecraser l’infame. Er übersieht jedoch, daß, indem er die Menschheit zerfallen läßt in „Menschen in der wahren Bedeutung des Wons," kritische, freie, und in „noch nicht wirkliche Menschen," unkritische, unfreie, („bin ich nicht kritisch vor der „Schranke frei geworden, so werde ich nie ganz von „ ihr frei werden" S. 66), er selbst eine neue „Schranke" aufführt, und zwar in einer blinden Leidenschaftlichkeit, die ihm nicht einmal gestattet „das Wort Humanität „in dem aus dem vorigen Jahrhundert überkommenen „Sinne zu gebrauchen, wo es Menschenfreundlichkeit, „ Gutmüthigkeit, Wohlthätigkeit rc. bedcudel" (S. 62). Merkwürdig genug hat aber dieser „befreite, entschiedene" Krilikcr und Mensch, der dem Christcnthume wie dem Judenthume die „Gränze" anweist (S. 8), keine Ahnung von den Gränzen, welche zwischen Staat und Kirche, zwischen Politik und Religion, selbst zwischen Religion und Kirche, in Theorie und Praxis sich gezogen finden, was ihn die Lehre der derzeitigen preußischen Hof- und Staatsphilosophie vom christlichen Staate mit einem höchst unkritischen Köhlerglauben nachbeten läßt, insbesondere auf Kosten der christlichen Religion, die ja bekanntlich die Religion der Liebe ist, bei ihm aber als eine Religion des Hasses und der Unduldsamkeit sich darftellt. Wir haben oben gesagt, daß der Verfasser die inneren religiösen Zustände der Juden recht gut kennt, und ihnen selbst einen eigenen Abschnitt gewidmet hat. Nur ein Beispiel seiner richtigen Beobachtung in dieser Hinsicht. „Jeder hat," bemerkt er (S. 34), „seinen eigenen Maaßstab, nach.

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