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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-01-19 · Heft 3 (19.1.1845) · page 9

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 3 (19.1.1845)
Date
1845-01-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Literatur - Blatt. Beilage zum Israeliten des IS. Jahrhunderts. PI. Sonntag de« 19. Januar UH Das moderne Judenthum, die Frankfurter Reformfreunde und die neue Zeit, von Albert Fränkel. Reutlingen, 1844. / (Frankfurt a. M. im Januar.) Wer alles, was er sagt, auch denkt, ist ein ehrlicher Mann; wer alles, was er denkt, auch sagt, ist ein Narr. Zu solchen Narren wollen uns die Hegel'schen Nachtreter machen, deren der Verfasser «iner ist, wiewohl er selbst vorerst sich begnügt, über die wichtigsten Dinge nur anzudeuten, nicht zu sagen, was er denkt; in Beziehung auf Juden und Judenthum schien ihm freilich „das ängstliche Ver- „ schließen, das Hinterdembergehalten" weniger nothig, und nichts dabei gewagt mit seinen Gedanken offener hervorzutreten. Als wir einen Abschnitt überschrieben fanden: „Nur durch die Kritik!" schien uns das ein Berliner Puff, wie man dahier zu Meßzeiten in öffentlichen Ankündigungen liest: „Nur durch Sachs u. Sohn „sind achte Berliner Cravatten zu beziehen," bei Durchlesung der Brochüre fanden wir aber, daß, ihre Sprache zu reden, in ihr „der kritische Dusel, die unprak- „tische Verwirrung, die das Bestehen derDinge nicht „beachtende Unklarheit sich entschieden als solche ausge- „sprochen" (S. 64). Der Verfasser will wie Bruno Bauer u. a. die Welt als tatmla rasa angesehen, den durch die Zeiten laufenden Faden der Geschichte durchschnitten, und ein ganz neues Gespinnst angefangen wissen; er will nichts bestehen, nichts gelten lassen, und „mit dem Besen der Kritik den alten Plunder wegfegen" (S. IX); ihm „ist nur die Theorie die wahre Praxis" (S. 65). Er will nicht „für einen persönlichen Gegner „der Reformfreunde, dem es etwa darum zu thun wäre, „die Tendenzen derselben vor der öffentlichen Meinung „ herabzuwürdigen" gehalten seyn (S. VIII.); nach ihm haben sie nur darin gefehlt, daß sie versucht ihre Reformen an dew Mosaismus zu knüpfen, statt als Schanzarbeiter im Lager der Kritik „ den alten Plunder mit dem „Besen wegzufegen," und sich zu verbinden mit der „durchaus neuen weltlichen Macht," welche da ist „der Mensch „in der wahren eigentlichen, energischen Bedeutung des „Worts, der Mensch mit dem erwachten und erwachenden „Bewußtsein von sich und seinem wahren Wesen und „seinen folglich neuen Ansprüchen an das Leben und die „Gesellschaft" (S. 1). Man bemerke wohl daß hier nicht etwa die Rede ist von genauer Erkenntniß des menschlichen Geistes und Wesens, welche Pope schon dem Menschengeschlechte als den geeignetesten Stoff zum Nachdenken empfohlen; sondern vom Menschen als Idol, als alles in allem. Man wird es daher nicht unnatürlich finden, sich in einem eigenen Abschnitte, überschrieben: „Jude, Christ und bloßer Mensch" ausführlich darüber belehrt zu sehn, daß,diese „so grundverschiedene Begriffe „sind, daß sie sich als solche niemals einigen und verstän- „digen können" (S. 13). Zwar ist der jetzt noch eristirende Judenhaß nichts als der Ausdruck der vollendetsten Gemeinheit, des bejammernswertheften Schmutzes (3.19), daran ist aber nicht etwa eine Entwickelung und Umgestaltung der Religion selber Schuld, nur ihre Bekenner sind durch Zeit und Geschichte verändert (S. 18). Als ob die Religionen nicht auch ihre Geschichte hätten, als ob eine Religion gäbe, die hervorgegangen wäre fertig und gerüstet, wie Minerva aus dem Haupte Juviters. Allein selbst angenommen das Christentbum sey in den ersten Jahrhunderten nach seiner Entstehung so aufgefaßt worden wie im Mittelalter, und das Judenthum vom Propheten Jesaias wie vom Maimonides, so hatten ia aber auch die hiesigen Reformfreunde sich nur die Aufgabe gestellt, die jüdisch religiösen Zustände in Deutschland, „die Entwickelung und Umgestaltung, die Verände- „rung der jüdischen Glaubens - Bekenner durch Zeit und

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