Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1845)
- Date
- 1845-01-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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,/ d re Offenbarung an; ein höchster Wille — Gott — steht an der „Spitze" (S. 7); allein das Iudenthum ist nicht er, und er ist nicht das Oudenthrun. Damit soll nicht gesagt sein , daß er nicht an Gott und,Offenbarung glaubt, vielmehr nur, daß sich in dem Aussätze die eigene religiöse Ueberzeugung des Verfassers nirgends ausgesprochen findet, daß er das Judenthum objectiv betrachtet; ja, es kann nach Zweck und Inhalt des Aussatzes an diejenige Behandlung des Gegenstandes, welche, wie schon erwähnt, dem gläubigen Juden allein ziemt, selbst allein erlaubt ist, nicht einmal gerächt werden. Bei dieser Objectivirung erwarteten wir zu erfahren , welches Iudenthum der Verfasser eigentlich im Auge hat, das des M o sc s, des D a v i d, des Ie sa i a 6 oder der Rabbinen. Wir lai'en dann auch auf S. 6: „ Verständigen wir uns zuerst „über ras Iudenthum", und hielten uns zu dieser Verständigung bereit. „Das Iudenthum", erfuhren wir nun, „ist eine große „geschichtliche Wahrheit, die nicht aus dem Weltbuche ausgclöscht „werden kann"; mit andern Worten, das Iudenthum füllt ein Blair aus in der Weltgeschichte. Wunderbare nur bedeutenden Vorstudien mögliche Entdeckung! Wir hörten ferner: „ras Juden- „thum birgt in seinem Inneren erhebende und erquickende Be- „ lebrungen über Gott und Menschen "; eine bekannte blose Thatsachc." „Das Iudenthum knüpft", wie wir oben schon gehört haben, „seine Lehren an die Offenbarung an; ein höchster Wille Gott — steht an der Spitze"; wir wollen diese pantheistische Auffassung der Gottheit als höchsten Willen dem Redeflüsse Nachsehen , aber allgemeiner kann nicht leicht ein Satz gehalten sein; und was über den Inhalt und die Bedeutung nach Ansicht des Judenthums (ob des Verfassers? wird nicht gesagt,) geoffenbarter Gesetze sich hinzugefügt findet, kommt hier, wo es sich um die Grundlagen handelt, nicht in Betracht, und wird als secundär später besprochen werden. „Dieses gegebene, gesetzte nicht in der „Idee schwebende Iudenthum", (S. 8,9,) welches der vorerwähnten ist cs? an welches Iudenthum hat der Verfasser des Aufsatzes gedacht? Unseres Dafürhaltens an gar keines; er hatte allein die Juden und jüdischen Zustände, wie er sie kennen zu lernen Gelegenheit gehabt, vor Augen, und schiebt dem Begriffe: Iudenthum denderJudcnheit unter, undwelcherJudenheit! der, wie cs scheint ihm insbesondere bekannten böhmischen! Daß er sich als außer und über diesem Kreise stehend betrachtet, nehmen wir ihm nicht übel; wohl aber daß er andere, die mit ihin auf gleicher Bildungsstufe stehen, in solchem gekannt halten will. Sind ihm aber diese Juden, diese jüdischen Zustände das Iudenthum, gilt ihm ras Iudenthum, wie cs durch Talmud und Rabbiner ausgebildet, sich in Böhmen etwa noch darstellt, für das wahre und ächte, so können wir nur widerholcn, daß er nicht mehr in demselben steht, daß er keiner positiven Religion mehr angehört. DaS Reformiren an sich, scheint ihm möglich, selbst nothwendig; wir finden nicht, daß irgend eine Reform ihm zu weitgreifend, seiner religiösen Ueberzeugung Zwang anzuthun scheint; allein seine Juden, seine böhmischen Landsleute, wie werden diese sie aufnehmcn, wie wird sie zu ihnen passen? Allen seinen Argumentationen gegen und für Reformen im Judcnthume dient diese Rüchficht als Grundlage; daher sein Losungswort : „gemäßigte Reform" (S. 27). Er selbst und wir? Einig im Streben und Ziel, hätten wir uns nur noch über das Maas zu vereinbaren. Von der untern Weser. (Corresp.) Was ist Judenhum? (Schluß.) Das wäre nun ganz gut und lobcnswerth, wenn nur nicht eine solche Richtung des religiösen Sinnes leicht die Mutter der Schlaffheit und Gleichgültigkeit würde, wenn nur nicht dabei das Bindende, Sociale des Judenthums sich mehr und mehr verflüchtigte und zur leeren, inhaltslosen Aeusserlichkeit würde. Eine Folge dieser Verflüchtigung ist es dann, daß auch Cultus und Gemeinde — hier im Lande ohnedieß überall nur im Deminutiv vorhanden — nicht mehr die Hauptaren sind, uin die sich das Leben der Bekenner bewegt, daß zwar beide allenthalben bestehen, aber niehr vegctirend als sich organisch entwickelnd und gestaltend. Man unterhält ein Gotteshaus, man unterhält eine Schule und einen Lehrer — über die Stellung und die Verhältnisse der letztern will ich Ihnen ein andcrsmal ausführlich berichten — die Gemeinde ist also äusserlich constituirt und mit allem Röthigen versehen, es fehlt auch die höhere Neberwachung und gesetzliche Theilnahme nicht, ja wir haben erst vor Kurzem das erhebende Beispiel gehabt, daß die christlichen Bewohner eines Ortes zur Erbauung einer Synagoge und Schule reichliche Spenden zeichneten und noch zeichnen — worüber ebenfalls das Ausführliche später —, aber — das jüdische Element ist dennoch nur nothdürftig repräsentirt, we um nochmals mit Ammon zu reden, die reine individuelle Menschenreligion nicht den klaren Hintergrund des gläubigen Seins bildet, weil das Herz nicht laut und warm und innig für das schlägt, was der Kopf als Iudenthum erfaßt hat. Und der Kopf erfaßt es nicht, weil es an keinem Ende mehr klar zu erfassen ist, weil in dem gegenwärtigen Scheidungsprozesse dem Laien die Akten des Scheidungsprozesses verschlossen sind und er nicht daraus klug werden kann, was er festzuhalten, was er aufzugeben hat. Und da spricht der Oberrabbiner Frankel in seinem hochweisen Kritiker-Dünkel — im Novemberheft seiner Zeitschrift — von einer Volksmeinung und von einem Volksglauben wie von einer geschlossenen Phalanx und da verlangt er mit Salbung, daß dieser hätte maaßgebend sein sollen bei den in Braunschweig gepflogenen