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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-01-12 · Heft 2 (12.1.1845) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 2 (12.1.1845)
Date
1845-01-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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11 nach dem Ausspruche der Rabbinen nicht stattfinden kann. Herr Dr. Einhorn hat zuvörderst übersehen, daß ich das Kol-Nidre im Sinne seiner bisherigen Vertheidigung angegriffen. Diese Vertheidigung stützte sich auf den Ausspruch: daß Eide und Gelöbnisse, welche auf das Verhältniß der Nebenmenschen sich beziehen, überall nicht aufgelöst werden können, und führte dafür als Beweis den Satz aus Tosafot Nedarim 23. b. an: ps» 131 >38Iy2y s'3p )S'31-na llnrrL' 712 rrvrr s'-i'N2 p'« psn mnrfr;Hi3' ux px nan*? cnx Hier ist also nicht von 7?3'3 sondern von Auflösung, die Rede. Diese Vertheidigung wies ich als falsch und einseitig nach, da man über die ganze Conrraverse die Augen zudrückte und die Unauflösbarkeit der Eide als unbestrittenen Satz hinstellte. Aber auch die neue Vertheidigung des Hrn. vr. Einhorn, die auf den Unterschied zwischen geleisteten und noch zu leistenden Eiden, also zwischen b:3'3 und mnn sich stützt, kann.kein besseres Schicksal erfahren. Wundern müssen wir uns, wie Hr. Dr. Einhorn, durch das Beispiel aller ihm vorangegangenen Vertheidiger, welche die Ansichten einzelner Gelehrten als eine unbestrittene Ansicht des rabbiuischen Iudenthums aufstellten, nicht gewarnt, den Satz hinschreiben konnte: „es muß zur Steuer der Wahrheit erklärt werden, daß, nach dem Ausspruche aller Autoritäten des rabbiuischen IudenthumS, solche Eide und Gelöbnisse, welche sich auf das gegenseitige Verhältniß von Menschen beziehen, durch das Kol- Nidre nicht aufgelöst werden können." Hr. vr. Einhorn gesteht ja ein, daß das rabbinische Iudenthum die Auflösbarkeit solcher Eide zugiebt, nur durch das Kol-Nidre, behauptet er, können sie nicht aufgelöst werden. Und warum nicht? Weil das Kol-Nidre, behauptet er wieder, nicht von geleisteten, sondern von noch zu leistenden Eiden spreche, bei welchen keine mnn und nur biu'3 statt findet. Aber, fragen wir Hrn. vr. Einhorn, sind denn alle rabbinische Autoritäten über die Beschaffenheit der Eide, von welchen im Kol-Nidre die Rede ist, und auf welche die Auflösung, oder nach Hrn. vr. Einhorn die Nichtigkeitserklärung sich beziehet, so ganz übereinstimmend? Freilich we«n dieß der Fall wäre, so könnte Hr. vr. Einhorn, die Diftinction zwischen geschehenen und noch zu geschehenen Eiden zugegeben, mit einigem Recht behaupten, daß nach dem Ausspruch aller Autoritäten des rabbiuischen Iudenthums solche Eide rc. durch das Kol-Nidre nicht aufgelöst werden können. Ist aber dieß wirklich der Fall? Wird das so einstimmig von allen Autoritäten anerkannt, daß im Kol- Nidre nur von künftigen und nicht von vergangenen Eiden, mithin nur von Nichtigkeitserklärung und nicht von Auflösung gesprochen werde? Ich muß nochmals meine Verwunderung aussp.echen, wie Hr. vr. Einhorn über diese Schwierigkeit, die seine Vertheidigung so leicht umstößt, so schnell hinweggehen konnte. R. Jakob den Meir, genannt Tham, war der erste RabßUer, welcher die sprachliche Form des Kol-Nidre, nach welcher dessen ganzer Inhalt nur auf künftige Eide sich bezieht, als im Widerspruch mit dem Talmud Nedarim 23. b. rügte und die bis dahin reeipirt gewesene Formel 3"*2 .->3137 83.n rn 3"' ny welche nur von geschehenen Eiden spricht, in die auf die Zukunft sich beziehende ny n* wt>y «an a"m verwandelte und auch in den Verdis manches dabin ausgleichend zu verbessern suchte. Allein es ist bekannt, wie wenig er gegen den herrschenden Gebrauch auszurichten vermochte. Alle seine aufgeworfene Fragen wurden von Tosafot Nedarim das. und N. Ascher den Iechiel (Ende Ioma) beseitigt, die bisherige Form vertbeidigt und aufrechtgehalten (S. Tur O. CH. Cap. 619, Abudraham und Joseph Karo). Die gegenwärtige Form in den Gebetbüchern giebt Zeugniß davon, wie man über die unausgefechtenen Streitigkeiten zu keinem bestimmten, sichern Resultat gelangen konnte, und während man im Schluffe von der Zukunft spricht, läßt man in dem BerbiS die Vergangenheit herrschen, so daß Heivenheim in dessen nu bib nirns das harte Unheil auosprach: 7b3 ruiaj \i73 xow jnaff mm nun , n"n nyn mny 'b nyn ^sb nay ’b mmn '3 .wrn izno it«o r<d '3 ,nra px prn :7y rm Vergl. Geiger. Tempel streit. S. 2 t. 25. Die Ansicht also, daß das Kol - Nidre nur von künftig zu geschehenden Eiden handele, die nicht aufgelöst, sondern von vornherein als nichtig erklärt werden, hat im rabbinischen Iudenthum — wenn anders in Bezug auf nachtälmudische Autoritäten vom rabbinischen Iudenthum die Rede sein soll — nur einen einzigen Vertreter, nämlich den n"n, welcher aber von Tosafot und Ascher ben Iechiel, denen sich die svätern Rabbinen anschließen, auf das Bestimmteste widersprochen wird. Es ist demnach durchaus nicht wahr, was Hr.

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