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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-01-05 · Heft 1 (5.1.1845) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 1 (5.1.1845)
Date
1845-01-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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sich tragend, für nichts begeistert als für den Erwerb, für nichts Interesse fühlend als für sich selbst, kokettirend mir dem besseren Kreise, in een man sich hinein gedrängt, jetzt stolz, jetzt kriechend, ohne Menschenwürde nnv ohne Menscheuadel siuo — jene Amerikaner. Die Masse der Juden wird gehaßt, weil dem Pöbel stets jene Reichen vor Augen stehen, die unglücklicherweise ihre Glaubensgenossen sind, aber für die Masse der Juden thun jene Reichen nichts, als daß sie ihnen zuweilen einen Gulden aus ihrem Säckel zuwerfen. Ich will nicht untersuchen, ob bei dieser oder jener Großthat Ostentation mitgewirkt hat oder nicht, aber sogar mit diesem mächtigen Hebel geschieht nichts Großes bei uns. Als Polen den Gedanken seiner Errettung faßte, gaben viele begeisterte hocbherzige Polenfreunde ihr ganzes Vermögen — physisches und psychisches—zur Ausführung dieser herrlichen Idee her, auch wir sind Polen, aber solcher Männer habe ich unter uns noch nicht viele kennen gelernt. Wenn hie und da für die Sache der Mildtbätigkeit Etwas geschieht, so ist das gar nicht in die Wagschaale zu legen gegen die große Sache des Judenthumes, in der gar nichts geschiebt. Glücklich die Juden, wenn sich ihre reichen Mirbrüder ihrer nicht schämen. Zum mindesten wird ein christlicher Schreiber höher bei ihnen stehen als ein jüdischer Doctor, und so verhältnißmäßig; und diese Leute repräsentircn uns in der Imute voit!o, diese Edelfrauen und DankierSgattinnen gelten gar oft bei den Nichtjuden als unsere Notabilitäten, und wir können uns noch erzürnen, daß das sociale Leben uns noch so manche Beleidigung zumbrt. Erinnere ich mich doch, daß in der Gesellschaft eines „jüdischen Großen" ein jüdischer Maler also vorgeftellt wurde: „Herr N. N. ein Maler, aber er brauchts nicht." Der jüdische Gelehrte und Künstler gilt überhaupt bei ihnen nur dann Etwas, wenn er auch nach Außen Etwas gilt. Und glaubt Ihr, Ihr Geld- Herren unseres Glaubens, Ihr hättet Euch durch Eure Reichthümcr aus den Fesseln gelöst, die uns Andere noch umschlingen. Glaubt Ihr das wirklich? Seht Ihr das Lächeln nicht auf dem Munde Eurer Hausfreunde? Nicht die Scheu, mit der sie Euch oft außerhalb Ellrer Häuser und entfernt von Eurer Tafel ausweichend Ihr seid doch sonst so gute Rechner und berechnet doch nicht, wie roch cs Euch nur zu stehen kommt, „daß man Eure Einladung annimmt'." Denkt Ihr nicht an Herrn v. Haber oder an jenen jüdischen Baron, der in Prag bei dem Aufstande geprügelt wurde von dem Pöbel? Glaubt Ihr etwa, daß Eure Adelsdiplome und„Ch r istus ord e n" halten, wenn Euer Geld davon ist? Fühlet als Menschen das allgemeine Weh, als Deutsche die Sache unsers deutschen Vaterlandes, als Juden die .Sache unserer bedrängten Glaubensgenossen; und die Menschheit, Deutschland und das Iudenthum würden stolz auf Euch sein; aber ach! die ältere Generation unter Euch, die aus der Trödelkammer unv den Sklavenstrassen sich hinauf gearbeitet, ist froh wie jeder Parveuu, wenn sie an ihre dunkle Herkunft nicht mehr erinnert wird, die jüngere Generation, Bankierssöhne und Cavaliere, ist viel zu vernünftig, iim eine Donquirottiave für die Sache ves Iudenthums anzufangen; sie unrerstützen zuweilen ihre ärmeren Glaubensgenossen, was ja so selten mit Dank anerkannt unv oft mit dem arroganten Spruch: „Alle Juden sind Brüder," gleichgültig hingenommeu wird. Wie lächerlich ver Spruch ist, „daß alle Juden Brüder sind," der in der frühem finstern Zeit gang und gebe gewesen, beweist Ihnen täglich die Erfahrung. Reiche Juden weichen sich unv mehr noch Aermeren gewöhnlich aus, statt daß sie sich suchen sollten. Man frage nur emen solchen, ob er da oder dort gewesen, wie viele Juden hinkommen und wie er es fand — und er wird sicherlich auf die Frage mit vornehmem verächtlichem Lächeln erwiedern: „es waren viele — dort." So weit hätten wir es schon gebracht, und ob es besser werden wird, ist sehr die Frage. Was mich am meisten schmerzt, ist, daß auch unsere jüdischen Damen mit in dasselbe Horn stoßen. Das Gefühl und das Zartgefühl ist das Erbrbeil der Frau und - Sre wissen, ich schmeichle nicht — unsere Religionsgeuossiuncn haben gewiß ein Her; für das Unglück, für das große gemeinsame Unglück; für veil pauvre houteur. Iudenthum schlägt dasselbe nicht stark genug. Die „Modenzeitung" unv die „elegante Welt", aber nicht der „Fsraelit" werden in dem Boudoir durchblättert unv das schöne reiche Gemüth wird, statt wie ein Schatz, ver unserer armen Sache so wohl thun würde, rein unv sorgfältig bewahrt zu werden, wie ein überflüssig Gur — vertändelt. Giebr es eine schönere Aufgabe für eine Jüdin als eine „barmherzige Schwester des Iuvenrbums " zu werden, ihr ganzes Sepn mir allen ihren materiellen unv geistigen Mitteln dieser Aufgabe zu widmen? Der Gedanke ist vielleicht phantastisch, vielleicht sogar lächerlich, aber daß es Frauen unter uns giebr, die darin einen herrlichen Lebenszweck finden werden, beweist Henriette O t r e n h e i m e r. Von ver Moldau. Correspondenz. Ich hatte es dem Correspondenten in Nro. 32 Ihres Journals recht übel genommen, daß er so ärgererregend von Rappoport sprach, aber ich bat es ihm ab als ich nach ver Hauptstadt Böhmens kam und Rappoport kennen lernte. Mit einer gewissen Ehrfurcht, die der Klang seines Namens in der Ferne wie seine kritischen Forschungen, obgleich ich von diesen nur wenig kenne, mir eingeflößl hatten, nahte ich mich ihm, und seine hohe Gestalt trat mir auch imponirenv entgegen. Aber ich ward sehr bald enttäuscht, als er zu reden anfing. Wie die alten Rabbinen, wenn man sie besuchte, einen mit einen, so-

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