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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-01-05 · Heft 1 (5.1.1845) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 1 (5.1.1845)
Date
1845-01-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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4r ganzen Bildung unserer Zeit, daß er iu Widerspruch stehe mit unserem Denken, mit unserem fühlen, mit unserem ganzen inneren und äußeren Leben, und darum einer gründlichen und umfassenden Reform bedürfe. Und eben dieses ist der Grund daß ich jene Erscheinungen mit so unaussprechlicher Freude begrüßte, daß ich mich glücklich schätzte, sie zu erleben, sse zu sehen. Denn, sagre ich mir, ist nur erst einmal die Krankheit der Zeit erkannt; hat diese Erkcnntniß sogar ihre Leiter und Führer durchdrungen; dann wird auch die Hülfe nicht fern sein, wir werden das Fest ihrer Genesung feiern können, wenn wir den Schmer; empfinden. — Dieser Schmer; war denn auch wie Sie wobl gesehen, der Ausdruck, die wahre Physiognomie der Versammlung , und sprach sich auch in den begeisternden Reden ibrcr Mitglieder aus: „Es muß anders werden" cs ist genug der Schmeichelei, des Scheindaseins, derLüge; ras dörre man fast aus dem Munde von Allen und in der That von Einigen mir einem so tiefen Ernst, mit einer so webmurdsvollen Empfindung, daß es mich selbst, den blos Hörenden in hohem Grade ergriff. Wo so nur das lebendigste Interesse für Gottes Sache, für ras Heil und die Wohlfahrt der Brüder des Volkes Lehrer zusammenrun, da muß sich solches auch in dem, w a s und w i e fie cs verhandeln , und welche Stellung sie sich selbst rabei einräumcn, kunr geben, und es har sich daber auch iu dieser Beziehung die Braunsckweiger Rabbincn-Versaminlung ein dreifaches Ebrendenkmal gewizr, nämlich, erstens durch den Freimuth, mit welchem da der allergrößte Tbeil und selbst solche, die früher sich ängstlich und rücksichtsvoll zeigten, «wir erinnern nur an die Namen: Herzfelp, Formstecver, Hirsch, Wcrtheimcr) ausgetreten, und; w e i t c n s durch die unbeschränkte Öffentlichkeit welche sie vermöge des Druckes der Prowcolle ihren Veroändlungeu gaben. Ueber diese bat man um so mehr Ursache sich zu freuen, als sic einestheils die reinen Absichten, das g u t e G e w i s s e n der Mitglieder bekundet, andernrheils aber auch von der Bescheidenheit der Versammlung Zeugnis gicbr, die sie trieb, ihre Ansichten und Urtheile vor ein höheres Forum zu bringen, der öffentlichen Meinung zur Prüfung zu übergeben. Diese rechte Würdigung ihrer selbst, dieses Fernbleiben von jeder hierarchischen Anmaßung und Ueberhebung trat — und das ist der dritte Stein in dem Ehrendenkmal, welches sich die Versammlung gesetzt, am entschiedensten und unzweideutigsten hervor, als ein Mitglied der Versammlung vas bindende Ansehen einer Synode zuschreiben wollte. Sie waren ja selbst zugegen, Herr Redakteur! und haben gesehen, wie die Allermeisten darüber entrüstet waren! wie ras , was Holdbeim dagegen bemerkte, lanre, allgemeine Zustimmung fand; Er sagte: „ Wir haben so wenig ras bindende und zwingende Reckt einer Synode, als die früheren Rabbineu. Was ihnen ihre Macht gab, war das Vertrauen, welches ihre Gemeinde auf sie als Gelehrte und Gesetzeskundige setzten. Ein Mehreres können auch wir nicht ansprechcn." Aus Bayern. Zm November. — Ich babe Ihnen schon lange nicht geschrieben, aber wer will sich auch immer trübe Stunden machen. Wie schon einmal gesagt, das Corrcspondiren über deutsch-jüdische Verhältnisse ist für jeden Judcnfreund eine so peinliche Sache; es ist gar so unangenehm, die Lärmtrommel seines eignen Elends abgcben zu müssen, daß Sie mir meine Zögerung schon verzeihen müssen. Unterdessen hat sich ja auch Mancherlei ereignet, was meine Briefe fortgesetzt, oder bezeichnender gesagt, Illustrationen zu ihnen geliefert hat. Die Vorfälle in Heren-Geseke, Düsseldorf unv Prag haben gezeigt, daß ich nicht schwarz aus schwarz gemalt, obgleich Ihr Correspondent von — wenn ich nicht irre — der fränkischen Saal mir dies vorgeworfcn. Gut für ibn, wenn er seinen gelben Ring mit Anstand tragen kann, ich habe hiezu nicht die nöthige Gemüthsruhe. Dock es ist uötbig, daß man wieder ein ernstes Wort rede, unsere Palast-Juden (ich meine nickt solche die die Hofjnden der Palastbewobncr, sondern die selbst Palastcigenthümer sind) haben schon längst nicht mehr den schwarzen Strich, der an unfern Stamm-Jammer mahnen soll, in ihren Prunkgemächern, und doch ist, tbeilweise durch ihre eigene Schuld unser Unglück nicht am Ende. Ich will der Bettler sein aus Raimunds Verschwender — vom Tdeater zu sprechen ist ja modern und beliebter als vom „Iuvenschmcrz" — der sie inmitten ihrer Festivitäten mit Klagen überhäuft, damit sie doch endlich den rechten Weg einschlagen. Die reichen Juden nützen dem I u r e n t h u m nichts, sie schaden ihm—ich habe ihn ausgesprochen den Satz, den ich begründen will, und sollten auch zehn Bankiers meine Wechsel fortan nicht mehr annehmen. Gehen Sie die Reihe unserer jüdischen Aristokratie durch, denn daß wir eine solche besitzen, daß man bei uns, die wir alle den „Orden von der Kette" wagen, bereits „von guter Familie" spricht, ist offenkundig; geben Sic, sage ich, ihre Reihen durch und betrachten Sie sie Mann für Mann, Frau für Frau, und sagen Sie mir, ob ich Reckst habe oder nicht. Ich will, um meine Säße unserer vornehmen Damenwelt genießbarer zu machen, abermals zur schönen Literatur meine Zuflucht nehmen. Sehen Sie und Ihre werthen Ebeberren, meine verehrten Damen in Sammt und Seide, nicht ganz jenen Amerikanerinnen und Amerikanern ähnlich, die von dem berühmten Verfasser der transatlantischen Reiseskizzen mit so kräftigen Farben geschildert wurden L Hervorgedoben aus einer rrivialen Sphäre durch die Macht des Goldes, überall die Male dieser Sphäre» an

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