Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1844)
- Date
- 1844-12-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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40* wirklich einige find, so ist jene verpflichtet, die Ausgaben zu bestreiten. 2) Jeder Knabe, der zum Handwerke sich begibt, muß bei dem bestehenden Matrikel-Gesetze, voraussichtlich seinen Geburtsort im Auge haben, einst da sich ansäßig zu machen, folglich ein Handwerk erlernen, das für ein Dorf oder Land stadtchen paßt, wozu denn auch in der Nähe sich Gelegenheit bietet, das Lehrgeld und überhaupt die Bestreitungskosten nicht so bedeutend sind; jedenfalls leichter bestritten werden, als wenn der Knabe so weit vom elterlichen Hause sich entfernen und verpflegt werden soll; denn 3) nach §. 3 der Statuten muß die Erlernung des Handwerkes oder des Ackerbaues in München oder in seiner nächsten Umgebung unter den Augen des Verwaltungs-Ausschusses geschehen. Ist nun schon die weite Entfernung Münchens, als an der Grenze, des Landes, ein Hinderniß, so kommt dazu 4) daß gerade in der Umgegend Münchens gar keine Juden wohnen, und die von Juden vorzugsweise bewohnten Kreise am Weitesten entfernt sind. Ferner 5) ist kein Zweifel, daß ein großer Theil der israelitischen Bevölkerung von dem Bestehen des Vereines und seiner Wirksamkeit gar nichts weiß, denn die angeführten Blätter sind nicht ausreichend in allen Bezirken Kenntnißnahme zu veranlassen. Und wenn auch jebem Rabbinen ein Exemplar der Statuten mitgetheilt wurde, so war dieses nicht hinreichend für die vielen Gemeinden, aus welchen die Rabbinatsbezirke zusammengesetzt sind. Soll die Wirksamkeit des Vereines an Ausdehnung gewinnen, so muß namentlich der angeführte tz. 3 eine Abänderung erleiden und die Unterstützung auch solchen verabreicht werden dürfen, die anderwärts dem Ackerbau oder einem Handwerke sich widmen, wenn sie anders deren bedürftig sind. Im Ganzen aber dürste nunmehr, nachdem die Gelegenheiten für Handwerke und Feldbau so vielfältig und leicht gegeben sind, dürste die Wirksamkeit des Vereines nicht nur ein weiteres Feld finden, sondern auch werthvollere Früchte zur Reife bringen, und selbst zu einer erhabeneren Stufe sich emporheben, wenn er seiner Thätigkeit eine ganz andere Richtung geben würde, nämlich einerseits bei Ansäßigmachung und Niederlassungen oder beim Betriebe der Handwerke selbst den Hülfsbedürftigen dergestalt unter die Arme zu greifen, daß ihm erstere erleichtert, bei letzterem eine Ernährung ohne Handel möglich wird; andrerseits den kleinen Gemeinden, oder doch der Handwerksklasse, Unterstützungen zur Bestreitung ihrer Kultus- und Schulausgaben verabreicht würden. Daß durch eine solche Wirksamkeit nicht nur der geistigen Bildung und Religiosität Vorschub geleistet, sondern auch dem Handwerksbetriebe und dem Feldbau, wird Niemand in Abrede stellen, dem sich die Gelegenheit bietet wahrzunehmen, welcher Stein des Anstoßes für diese beiden Klassen die oft beträchtlichen Beiträge zum Kultus und zur Anschaffung der Schulbücher sind. Ein israelitischer Verein sollte meines Dafürhaltens auf das Rücksicht nehmen, was für den Israelit, als solchen, einer besonderen Unterstützung bedarf, ihm da zu Hülfe kommen, wo er mit seinen christliche» Mitbürgenn sich nicht in gleichen Verhältnissen befindet. Ma» wird mir entgegnen, dazu reichen die Mittel nicht aus, und ich könnte darauf erwidern, wenn auch nicht Alles gethan wird, so wird doch etwas geschehen, allein ich bin überzeugt, daß ein solcher Verein in kurzer Zeit so viel auswärtige Mitglieder finden, so namhafter Beiträge sich zu erfreuen haben würde, daß seine Leistungen großartige sein könnten. Ich habe nicht nöthig, dieses weiter auszuführen, denn das Beispiel des Gustav. Adolph- Vereins spricht zu deutlich für, die Sache. Und wer mehr als wir bairischen Israeliten bedürfen eines solchen Vereins, die wir vom Staate nicht die kleinste Unterstützung zur Bestreitung unserer Kultusbedürsnisse empfangen, und in so vielen kleinen Gemeinden vereinzelt sind, daß diese zu bestreiten eine für de» Handwerker zuweilen unerschwingliche Ausgabe verursacht. Doch ich kehre wieder zu meinem Gegenstände zurück, für diesen Punkt eine nähere Besprechung mir vorbehaltend. (Schluß folgt.) Von der mährischen Grenze, im Nov. 1844. (Correspondenz.) Endlich ist das gewitterschwere, finstere Gewölke, das über uns herzustürzen drohete, von unserm Horizonte weggezogen; dem wunderschnellen Hirsch, der mit dem Ungeheuern Berge Choreb in seinem Geweihe unaufhörlich von der Themse nach der March und von der March nach der Themse läuft, ist von unserer Seite ein undurchdringliches Eisengitter vorgeschoben worden —: Dem Laudrabbine Hirsch in Emdem ist nunmehr jede Aussicht aus das mährische Landrabbinat benommen. Die Einsichtige» hatten nun Zeit und Gelegenheit, die tollhäuslerische Verschrobenheit und die gespreizte Ignoranz des Mannes deutlich zu erkennen, und während er die langen Pfaffenhände von Nikolsburg bis nach London ausstreckte, fiel ihm unvermerkt der scheinheilige Mantel von den feisten Schulter», und der raffinirte Jesuit erschien in seiner wahren Gestalt. Auch beabsichtigte Nicolsburg bei der ganzen Sache mehr nur die Demüthigung des Rabbinen Fasse! in Proßnitz, gegen den es einen langgenährten Haß im Busen trägt. Fasset benahm sich aber hiebei auf würdige Weise. Denn während er auf die unberechenbaren verderblichen Wirkungen, die von dem hirnverbrannten Chorebiten ausgehen würden nachdrücklich hinwies, verwahrte er sich zugleich gegen jeden Verdacht, — der übrigens bei denen, die den unversöhnlichen Haß der Nicolsburger und anderer Gemeinden gegen ihn kennen, gar