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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-12-08 · Heft 49 (8.12.1844) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 49 (8.12.1844)
Date
1844-12-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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395 stimmen haben: daß er in dem Volke Israels zu Theil gewordenen Offenbarungen besteht, die ihm die zur Gesittung und feinem besonder» Volksleben ersprießlichen Gesetze und Wahrheiten gleichsam durch eine äußere Beleuchtung zeigten. Diese äußeren Offenbarungen sind im Pentateuch enthalten, aber nur dem Sinne nach und es ist die Aufgabe der theologischenWissenschaft, Alles, was den inneren Offenbarungen widerspricht, herauszuscheiden, das Uebrige aber dem Glauben zu überlassen. Von den offenbart geglaubten Gesetzen wird aber wieder jene Wissenschaft nur diejenigen und nur so lange weiter gelten lassen können, die und so lange sie die sie stützenden Verhältnisse nicht verloren haben werden; alle andern behalten wohl ihr Prädikat des Geoffenbartseins, aber nicht ihre Verbindlichkeit und Paßlichkeit bei. Man wird aber hiebei nicht von einer Entwickelung der mosaischen Gesetze reden können; diese Gesetze sind dieselben geblieben, aber die Menschen, für die sie bestimmt waren, sind nicht mehr da. Menschliche Gesetze können sich entwickeln, sie bestehen in Buchstaben, die manichfach versetzt werden können; aber in göttlichen Gesetzen muß ein Geist leben, der sich nicht zerdehnen und nicht zerstückeln laßt, sondern der, sobald seine irdischen Bande zerfallen, entflieht/ Die offenbart geglaubten Wahrheiten sind ihrer Natur nach unveränderlich, es können aber doch neue Wahrheiten aus ihnen entwickelt werden; sie können es aber nur durch das innere Offenbarungsvermögen und nur aus den innern Offenbarungen. — Die jüdische Theologie wird freilich, namentlich in ihren offiziellen Vertretern, noch lange nicht zu der hier bezeichneten theologischen Wissenschaft sich erheben können, und der Glaube wird sich auch nicht so leicht von seinem innig verbundenen Freunde, dem Aber trennen wollen: es werden aber die Theologie und der Glaube so lange schwanken und vibriren, bis sie endlich das Gleichgewicht erhalten haben werden.— So glaube ich nun, mein geehrter Herr Doktor, gezeigt zu haben, daß in der ganzen Geschichte des Judcnthums von keiner Entwickelung des Mosaismus eigentlich die Rede sein könne, daß aber auch auf streng offenbarungsgläubigen Boden alle Forderungen der Zeit befriedigt werden können und müssen. Sie haben freilich eine andere Ansicht vom Mosaismus aufgestellt, nach der allerdings der Mosaismus von nun an organisch entwickelt werden könnte; ich ehre Ihre Ueberzeugung, Sie werden mir aber erlauben, Ihnen in einem zweiten Briefe meine Bedenken vorzulegen. Diesen Brief wollte ich nicht zu lange machen, und ich habe daber auch Manches nur angedeutet, was ich ein anderes Mal ausführlich zu erörtern gedenke. Indem ich nun schließe, versichere ich Sie meiner innigsten Hochachtung, und ersuche Sie höflich, mich auf Ihre Antworten in diesen Blättern nicht lange warten zu lassen. — Geschichte der Tages. Aus dem Großherzogthum Hessen. (Corresp.) Das gesunde Saamenkorn, welches auf einen fruchtbaren Boden fällt, und welchem die reine, bewegte Luft, das Sonnenlicht und die Sonnenwärme nicht gewaltsam entzogen wird, zeigt einen ganz naturgemäßen Entwickelungögang; eö keimt, treibt Blätter und Blüthen und läßt endlich im Laufe der Zeiten feine Früchte vollkommen reifen. Sv auf dem Gebiete der Natur und ebenso auf dem Gebiete des Geistes. Man streue auf den Boden des Geistes und des Herzens die intellectuellen und moralischen Saatkörner einer vollkommen humanen Bildung und entziehe dann dem Menschen weder die reine Lust der bürgerlichen Freiheit, noch das Licht der bessern Erkenntniß, noch die Wärme einer vorurtheilsfreien Menschenliebe und auch bei dem Juden, bei dem so oft verachteten und herabgedrückten Juden, werden sich alle höheren Anlagen des Geistes, alle erhebenden und schönen Regungen des Herzens bis zu ihren möglichen Vollkommenheiten ausbilden. — Welch eine Versündigung gegen den Genius der Schöpfung: einer Pflanze, in einen engen Blumentopf eingezwängt, in einen finstern dumpfen Winkel vergraben, verachtend zuzurufen: gehe, nur verkrüppeltes Leben kannst du entwickeln l einem Caspar Hauser in seinem fruchten Keller zu zürnen, daß er sich nicht zum Astronomen herangedildet hat'. Und der Jude soll getrennt von allen Bildungsanstalten seiner Zeit, beengt in seinen bürgerlichen Bewegungen, zurückgedrängt aus der ausmunternden Arena der geistigen und moralischen Bestrebungen seiner Umgebung, und verächtlich eingesperrt in seinem Judenquartier nicht eher an das Tageslicht der bürgerlichen Gesellschaft treten, bis er in seiner körperlichen und geistigen Erscheinung, in seiner Denk- und Handlungsweise, in seinem Gewerbe, seiner Sprache, seinen Manieren u. s. w. gänzlich alles Ekgenthümkiche, alle durch Jahrhunderte ihm eingeprägten Merkmale hinweggeäzt hat; nur der Jude soll schwimmen können, bevor er im Wasser war! — Darum darf der Jude sich gratuliren, wenn er in dem Staate geboren wurde, in welchem man sich vor einer solchen Versündigung gegvn den Genius der Schöpfung, fürchtet, wo man nicht verlangt, tafc

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