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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-12-08 · Heft 49 (8.12.1844) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 49 (8.12.1844)
Date
1844-12-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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393 langen Reihe von Abstufungen, — die hier zu beleuchten, »ns zu weit abführen würde — gelangte man endlich auf den historisch-kritischen Standpunkt. Von diesem aus begiebt man sich aller Subjectivität und versenkt sich ganz in sein Object, um die Eindrücke und Vorstellungen rein empfangen und wiedergeben zu können. Von hier aus hat man nun bereits erkannt, daß weder der Pentateuch von Moses abgefaßt sein könne, noch auch alle darin enthaltenen Gesetze und Ideen von ihm herrühren. Der Mosaismus ist im Pentateuch enthalten, aber mit spätem Elementen untermischt und im Ganzen in zeitbegreiflicher Darstellung. Dieser Standpunkt ist, um mit Ihnen zu reden, eine „Standebene"; auf der sich die verschiedensten Auffassungsweisen des Wesens und der Bedeutung des Mosaismus bequem bewegen können. Es wird aber die hohe und höhere Bedeutung, die man dem Mosaismus von innen heraus oder von vornherein zu vindiziren geneigt sein wird, wiederum ein bedeutsames kritisches Moment abgeben, um für Anderes die Quelle in den verschiedenen Zeitvorstellungcn und Auffassungen der Concipienten zu suchen; und je mehr das Iudenthum sich entwickeln und aus diesen Zeitvorstellungen und Auffassungen heraustreten wird, desto leichter wird es auch diese übersehen und als solche erkennen und in dieser Erkenntniß den Fadenknäuel abwickeln, mit dem der mosaische Kern umsponnen wurde. — Was ist denn nun aber dieser mosaische Kern? Welche sind seine Kriterien, an denen man ihn erkennen soll? Und was ist denn eigentlich sein Wesen, seine innere Substanz? Ist er ein fester Diamant, von mächtiger Hand aus dem Himmelsgewölbe gehauen und dem Volke Israel zur ewigen Wahrung übergeben? Oder ist er vielleicht ein lebendiges Wesen, aus Erde geformt und durch den göttlichen Odem belebt, das sich mit andern Wesen seiner Art vermahlt und fortpflanzt, wobei zwar seine Gestalt wechselt, aber sein Grundtypus derselbe bleibt? Ohne Bild, — ist der Mosaismus von Gott dem Moses durch äußere Offenbarungen in der Natur, oder durch innere im denkenden Geiste gegeben worden? Wir müssen uns wieder erst den Begriff der Offenbarung klar machen. Was ist das, Offenbarung? Offenbarung ist das, wodurch uns etwas klar gezeigt und offen dargelegt wird, das uns früher verborgen oder dunkel war. Wenn ich nun z. B. eine Pflanze vor mir habe, von der ich nicht weiß, ob sie schädlich oder unschädlich sei, und es wird mir eine göttliche Offenbarung, die sie für schädlich erklärt; so habe ich eine äußere, außerhalb der Pflanze mir gewordene Offenbarung ihrer Natur; habe ich aber die Pflanze selbst versucht, so habe ich eine innere in der Pflanze selbst gefundene Offenbarung. Wenn mir nun eine Schrift von meinem verehrten Großvater vorliegt, in der er erzählt, daß ihm eine göttliche Offenbarung diese oder jene Pflanze für schädlich erklärt habe, und ich befrage einen bewährten Botaniker darüber, und er berichtet mir das Gegentheil; so wird mich nur eine blinde Liebe für meinen Großvater bewegen können, diesem zu folgen. Hat mich aber die Liebe nicht ganz bethört, und ich wage den Selbstversuch und finde die Pflanze unschädlich, so werde ich unbedingt den Bericht meines Großvaters für unwahr erklären müssen, und nur noch bedacht sein, dieß mit meiner Liebe zu vereinigen. Besteht nun die äußere Offenbarung in einer in Zeit und Raum bedingten und außerhalb des geoffenbarten Wesens ftattgefundenen Beleuchtung desselben, wohingegen die innere Offenbarung in dem Wesen selbst ewig und unzertrennlich und jedem offen, wenn auch nicht oben auf, darliegt, der Sinn hat, sie wahrzunehmen: so muß nothwendig die innere Offenbarung auch intensiv ungleich stärker sein, als jede äußere noch so eclatante. Dieß Alles ist nun ganz klar. Wir müssen aber noch Eines ganz besonders ins Auge fassen, das uns aus einem großen und allgemein verbreiteten Jrrthum heraushelfen soll; die göttliche Offenbarung ä n d e r r N i cht s in den geoffenbarten Dingen, sie zeigt sie nur,wie sie sind, die schädliche Pflanze wird nicht schädlicher, ein relativ Moralisches wird nicht absolut moralisch werden, weil eine göttliche Offenbarung die eine als schädlich, das andere als moralisch bezeichnet hat. Die geoffenbarte Natur jedes Dinges muß in diesem selbst begründet sein und die Offenbarung zeigt sie nur, wie sie ist. Wenn uns nun Jemand erzählt, es sei ihm eine göttliche Offenbarung geworden, daß er von einer gewissen Frucht nichts genießen solle, sonst müße er augenblicklich sterben; so wird dieses Sterben in der Frucht ober in der Disposition jenes Menschen begründet sein müssen, wenn wir an die Offenbarung sollen glauben können. Denn ist dies nicht der Fall, so werden wir entweder diese Offenbarung zugleich als eine neue Schöpfung in der Frucht oder im Menschen glauben müßen oder wir werden sie uns als eine Offenbarung des göttlichen Willens zu denken haben, wonach das Sterben des Ungehorsamen, inwiefern es nicht durch Gewissensbisse oder auf sonst natürliche Weise erfolgt ist, außer allem Zusammenhang mit der Natur gesetzt würde und nur durch unmittelbares

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