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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-12-01 · Heft 48 (1.12.1844) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 48 (1.12.1844)
Date
1844-12-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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388 tirnS christliche» Reisenden aufmerksam mache, daS einen Hellen Einblick in daS Treiben und die Resultate des fraglichen Bisthums verschafft. Nachdem im erwähnten Briefe das elende Treiben der christ. lichen Geistlichen und die gegenseitige Befeindung der verschiedenen christlichen Confessionen geschildert und namentlich von den Klöstern gesagt wird: „will man den Glauben verlieren, so muß man sich längere Zeit in den Klöstern des heiligen Landes aufhalten" fährt Schreiber fort: »Aber,« so werden Sie fragen, „was macht das neue evangelische Bisthum? Ich hätte nicht geglaubt, daß in unfern Tagen ein so starker Fehlgriff in der Verwirklichung einer so großen, so schönen Idee möglich wäre. Welchen Credit haben diese Zu- Denchristen, und welchen Credit verdienen sie? An englischem Gelde fehlt es allerdings nicht. Man spinnt goldne Netze und fängt faule Fische. Oder kann man eS anders nennen, wenn Juden und gerade eben die von ihren Glaubensgenossen aus guten Gründen zurückgesetzten Subjekte, durch die dargebotenen 6000 Piaster und durch die vielleicht noch hoher sich belaufenden Nebengewinne sich zur Taufe bewegen lassen, um beider ersten besten Gelegenheit einen neuen Handel abzuschließen oder wenigstens wieder zuruckzutretrn? Eine interessante Bekehrungsgeschichte ist die eines Individuums, das aus einem Zudenj in Ungarn Calvinist, in Wien Katholik, in der Walachei walachifcher Christ und nun eben in Jerusalem anglicanischcr Protestant wurde. *) — Eine dogmatische Neuigkeit war mir fcte‘ Predigtweise eines sonst für tüchtig bekannten judenchristlichen Missionärs in Jerusalem. Er stellte nemlich die Juden als vorzugsweise zu wahren Christen Erkorenen dar. Es gilt nach ihm, daß die Juden durch ihren Uebertritt ihre eckren angeerbten Vorrechte über die anderen Christen antreten. Man begreift, daß dieser PartikularismuS den nicht judenchristlichen Protestanten Jerusalems wenig zugesagt. Ta gibts Spaltungen über Spaltungen. Könnte man Krankheiten mit Krankheiten heilen, dann wäre vielleicht das jerusalemitische Bisthum vor der Thüre großer Erfolge. Ich zweifle, daß die Beschützer desselben in England und Deutschland die Sachlage und die Persönlichkeiten kennen. Aus solcher Jugend reift kein Mann.§ *) Wer erinnert sich hier nicht der Antwort eines zum KatholiciSmus und dann zum Protestantismus übergctretenen Juden, welche er aus die Frage bezüglich seines öfiern GlaubenSwechselS folgendermaßen gab: „Als Jude konnte Gott mich, ich aber ihn nicht sehen. Als Katholik sah i ch wohl Gott, e r aber mich nicht. (Anspielung auf die Bilderverehrung.) Als Protestant mm — er betrachtete wohl alle Protestanten als Atheisten — sehe ich Gott nicht und er mich nicht, und so ist es für mich eben recht und gut. Correspondent. Malten's Weltkunde enthält folgende interessante Notiz: „Die Zahl sämmtlicher Juden auf der Erde soll sich nach Bernacolti auf etwa 6 Millionen belaufen, wovon die Hälfte in Europa, also J, der Gesammtbevölkerung aus dem Erdtheile. Von diesen 3 Millionen kommt wieder mehr als die Hälfte auf Rußland und Polen, 670,000 auf die österreichische Monarchie, mehr als 200,000 auf die preußische Monarchie, etwa 130,000 auf die übrigen deutschen Staaten, 70,000 auf Frankreich, 52,000 auf die Niederlande, 40,000 aus Italien, 25,000 auf Großbrittanien und Irland und 60,000 auf die Republik Krakau." Sehr gefallen in unfern Kreisen die von dem Sprachlehrer Liebrecht in Breslau herausgegebenen „Hebräische Gebetstellrn mit Wortübersetzung und durchgehender Accentuation". Ter Verfasser hat vollkommen Recht, wenn er in dem Vorworte sagt: „Unmöglich kann das Gemüth von einzelnen Worten und Ausdruckswcisen ergriffen werden, wenn eS nur den Sinn ganzer Perioden, nicht aber einzelne Theile davon versteht. Daher habe ich cs für zweckmäßig erachtet, beim Unterricht in diesem Gegenstände, die Kinder, jede Stelle wörtlich verdolmetscht, nicht nach der deutschen Construction, sondern wie die Worte im Text aus einander folgen, niederschreiben und dann jedes Wort einzeln übersetzen zu lassen; woraus bei einiger mündlicher Nachhilfe und Erklärung, der Sinn des Satzes den Lernenden deutlich wurde und die Auffassung mit Leichtigkeit und Annehmlichkeit von Statten ging. Hierdurch wurde in verhaltnißmäßig kurzer Zeit der Zweck erreicht, die Schüler gleichsam spielend in die einzelnen Wortformrn einzuführen, den Inhalt leicht begreiflich zu machen und dabei den Charactcr der Bibelsprache, bestehend in der Darstellungsweise und der Wortfolge beizubchalten." „Als vortheilhaft erschien die hier zum erstenmal angewandte Einrichtung, säm m tliche Wörter durch ein Metheg - Strichlein zu accentuiren, während früher gar keine Bezeichnung für die Tonstelle vorhanden war, in neuerer Zeit erst die mindere Zahl der Wörter, welche den Ton auf der vorletzten Silbe (Milel) haben, durch ein Perpendikularstrichlein, ähnlich dem Metheg, bezeichnet wurde; hingegen die bei weitem große Mehrzahl derer, die den Accent auf der letzten Silbe (Milra) haben, ganz leer blieb. Damit ist aber, wie die Erfahrung sichtlich lehrt, der Zweck einer richtigen, palästinensischen, dem Ablesen der Pcntateuch-Wochen-Abschnitte in der Synagoge gleichen Betonung, kciweges erreicht worden. Jung und Alt accentuiren nach herkömmlicher alter Weise fortwährend beim Beten die paenultima, aus der Eigenheit der syro-chaldäischen Dulgair-Sprache beibehalten, und darin durch unsere Muttersprache fortwährend geübt, die nur in wenigen Fällen die letzte Sylbe hervorhebt, welche Bequemlich-

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