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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1844-12-01 · Heft 48 (1.12.1844) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
5 (1844)
Issue
Heft 48 (1.12.1844)
Date
1844-12-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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38V Und ist eS nicht zum Erstaunen, wie jede- Jota von Gotte- Wort sich bewahrheitet! Ganz so wie eS heißt Jesaj. 6, V. 1t. 12. Diese Prophezeihungen dringen zu unseren Ohre» und wir sagen: jetzt Israeliten! eS ist Zeit, Euch zu vereinigen, und wie Ein Mann zu stehen, mit der Hülse von Jacob- Gott, daß die Tage wegen der AuSerwählten gekürzt werden mögen, wie eS in Jesajas 46, B. 19 heißt. Meine Reise hat auch noch einen andern sehr wichtigen Zweck, nemlich, Zuversicht den geistigen Zustand des weiblichen Geschlechts Ihre- Glaubenzu ermitteln. In London und Holland erscheinen sie als sehr vernachlässigte Mädchen, sie wissen nichts vom Alten Testament, noch von ihrer Beziehung zu Gott. Diese tatsächliche Gewißheit hat bei einigen frommen christlichen Damen zu London warme Theilnahme erregt, auf dem Contiuent Lehranstalten einzurichten für die arme weibliche Jugend, woselbst sie geeignete Unterstützung von Seiten der Armenpfleger zu finden hoffen. Der Unterricht dürfte nur im alten Testament sein und zwar nach den Grundsätzen, die in derartigen Schulen zu SpitalsieldS in London, die ebenfalls dieselben wohlwollenden Damen ins Dasein riesen, befolgt werden, welche Grundsätze bereitdie Sanktion der Londoner Nabbinen haben. Sie würden mich unendlich verbinden, wenn Sie mir bei dieser höchst wichtigen Angelegenheit mit Ihrem Rathe beistehen wollten. Wir erachten es für sehr bedeutend, daß das weibliche Geschlecht auf die Stufe der religiösen Bildung gestellt werde, wozu Gott es berufen hat, nemlich, der aufwachsenden Jugend Licht und Lehre zu geben. S. Levit. 19, V. 3. Und nun dürften Sie mich fragen, was mich, einen Christen, die Wiedereinsetzung Ihrer Nation in das gelobte Land kümmern kann. Darauf rrwiedere ich, in der Erfüllung dieser gnadenreichen Verheißung liegt ein Uebrrzeugungsmittel für Ungläubige; und dann 'wird Ihre Nation Priester und Gesandte Gottes werden, wie sie bijetzt die Aufbewahrer seiner heiligen Orakel für alle Welt gewesen war; überdies schulden wir Ihrem Volke große Dankbarkeit für die Heiligkeit der Wahrheit, so erachten wir es für den kürzesten und besten Weg, um unsere Dankbarkeit an den Tag zu legen, wenn wir sie zu dem reinen Licht zurückführen, aus welchem unsere Hoffnung kommt (eine Hoffnung, die Ihr Volk gewissermaßen zurückweist); überdieß offenbaret sich unsere Dankbarkeit gegen Ihr Volk um desto mehr, wenn wir es anerkennen, daß unser Messias von Ihnen abstammet, dessen zweites Erscheinen wir entgegen sehen, um David's Thron einznnehmen und darauf zu weilen für und für. Diese, mein werther Herr, sind einige der Bewegungsgründe die uns beseelen, die Israeliten, als unsere älteren Brüder, wieder einzusetze» in die Haushaltung unser- Vaters im Himmel, und unterzeichne mich in der Hoffnung Israel'- Werthester Herr Ihr getreuer Diener William Simpson. Dieses Schreiben äußerte auf mich einen eigenen Eindruck, welcher sich in mir zum Staunen steigerte, glich auch in den ernsten gebräunten Gesichtszügrn meines mir gegenübersitzenden, ungefähr in de» Vierzigen stehenden Engländerdie Festigkeit der hier niedergelegten Ueberzeugung las. Ich theilte ihm auf eine schonende Weise meine Ansichten über diese Verhältnisse mit und dankte ihm verbindlichst für sein ernst gemeintes Anerbieten der Unterstützung für die weibliche Erziehung, mit dem Bemerken, daß hierfür hier aufs Beste gesorgt sei. Wir wechselten noch einige Worte, in denen er mir einen kurzen Abriß seines vielbewegten Lebens schilderte und sich mir zugleich als gewesenes Mitglied der von England aus nach Afrika abgesandten Niger - Expedition vorstellte und dann verließ er mich mit den höflichsten Ausdrücken. — Mit einer gewiß»» Beschämung wegen meiner Holperigkeit in der englischen Sprache glaubte ich, daß Herr Simpson diesen Brief eigends für mich aufgesetzt hätte, bald darauf aber beruhigte mich mein College St., daß auch er denselben Besuch hatte und daß dabei auch ihm dasselbe Schreiben überreicht worden sei. — Obgleich ich diese religiöse Anschauungsweise, welche in diesem Schreiben sich uns darstellt, durch meine theologische Lectüre genau kannte, so brachte deren Verkörperung in Hrn. Simpson doch einen eigenen Eindruck auf mich hervor und ließ mich so klar erkennen, wie unsere Zeit besonders dazu bestimmt zu sein scheint, Extreme zu gebären und sie in verwandtschaftliche Verbindung zu bringen. Es kann dem seiner Religion treu anhängenden Juden nicht gleichgiltig um die Erfolge sein, welche die Seelenjagd der Mis, sionäre auf die Juden hat. Insbesondere fesselt das evangelische Bisthum zu Jerusalem unsere Aufmerksamkeit, zumal ein deutscher König diesem s. g. Bisthume namhafte Summen zuwendet, während ganze Gebietstheile desselben in dürftigster Noth sich befinden und die Schullehrer ihre Petitionen um Gehaltserhöhung (einige Lehrer daselbst haben jährlich nur 40 Thaler) erfolglos zurückerhalten, „weil dem Staate keine verfügbare Mittel zur beßern äußern Stellung zu Gebote stehen.« — Es wird deshalb den Lesern des „Israeliten« nicht unwillkommen fein, wenn ich dieselben auf ein der Aschaffenburger Zeitung zugekommene- Schreiben aus Jerusalem, den 10.Juli 1844, von der Hand

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